SAP und Cyberwave haben autonome, KI-gestützte Roboter in einem aktiven SAP-Logistiklager in St. Leon-Rot in Betrieb genommen. Die Systeme übernehmen Aufgaben wie Kartonfaltung, Verpackung und Versandabwicklung eigenständig. Grundlage ist die Integration der Robotikplattform von Cyberwave mit SAP Logistics Management und der SAP Business Technology Platform. Das Projekt gilt für beide Unternehmen als wichtiger Schritt beim produktiven Einsatz sogenannter „Physical AI“.
SAP und das Robotikunternehmen Cyberwave haben den produktiven Einsatz vollständig autonomer, KI-gesteuerter Roboter in einem SAP-Logistiklager bekanntgegeben. Die Systeme werden im Lagerstandort St. Leon-Rot eingesetzt, der mit SAP Logistics Management (LGM) betrieben wird.
Die Roboter übernehmen dort Aufgaben wie das Falten von Kartons, Verpackungsprozesse sowie die interne Versandabwicklung. Nach Angaben der Unternehmen soll dies den Durchsatz im Lager erhöhen und Mitarbeiter von wiederkehrenden, körperlich belastenden Tätigkeiten entlasten.
Das Projekt baut auf der strategischen Erweiterung der sogenannten „Physical AI“-Fähigkeiten von SAP auf, die das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr angekündigt hatte. Nun erfolgt erstmals der Einsatz der Technologie in einer eigenen operativen Umgebung.
„Durch die direkte Integration von KI-gestützter Robotik in unseren laufenden Lagerbetrieb beweisen wir, dass Physical AI längst kein Konzept mehr ist – sie schafft bereits heute einen echten Mehrwert. In unserem Lager in St. Leon-Rot bildet SAP LGM das digitale Rückgrat, das es ermöglicht, Roboter schnell einzusetzen, zuverlässig zu betreiben und an unsere Prozesse anzupassen. Dies ist ein entscheidender Schritt hin zu einem widerstandsfähigeren und effizienteren Logistikbetrieb.”, sagt Tim Kuebler, Head of Warehouse & Shipping bei SAP.
Integration über SAP LGM und BTP
Technische Grundlage des Projekts ist die Integration der Cyberwave-Plattform mit SAP Logistics Management sowie der SAP Business Technology Platform (BTP). Aufgaben aus dem Lagerbetrieb werden dabei über den SAP Embodied AI Service in Roboterbefehle übersetzt.
Laut SAP basiert die Architektur von SAP LGM auf einem API-orientierten Ansatz, der eine vergleichsweise schnelle Integration der Robotiksysteme ermöglichen soll. Die Verbindung zwischen den Plattformen sei innerhalb weniger Minuten realisiert worden.
Robotik in dynamischen Lagerumgebungen
Logistikzentren gelten als komplexe Einsatzfelder für Robotiksysteme. Die Systeme müssen mit unterschiedlich geformten Objekten, variierenden Abläufen und wechselnden Bedingungen umgehen können.
Cyberwave adressiert diese Anforderungen mit einer Plattform, die auf Vision-Language-Action-Modellen (VLA) sowie Reinforcement Learning (RL) basiert. Ziel ist es, Roboter nicht nur auf einzelne Bewegungsabläufe zu programmieren, sondern adaptive Verhaltensstrategien zu entwickeln.
Nach Angaben des Unternehmens können Betreiber Trainingsdaten über Demonstrationsoberflächen erfassen und daraus Modelle trainieren, die sich auf unterschiedliche Aufgaben und Szenarien übertragen lassen.
Zu den zentralen Funktionen zählen:
- Training über reale Demonstrationen
- Optimierung von VLA- und RL-Modellen
- Echtzeit-Anpassung an veränderte Bedingungen
- Schnellere Inbetriebnahme neuer Robotikprozesse
Cyberwave zufolge soll sich die Einarbeitungszeit neuer Robotikaufgaben dadurch von mehreren Wochen auf wenige Stunden verkürzen.
„Die Zusammenarbeit mit SAP bei der Implementierung eines Live-Lagerprojekts ist ein Meilenstein – nicht nur für Cyberwave, sondern auch für das, was KI-gestützte Robotik heute in der Unternehmenslogistik tatsächlich leisten kann. Möglich wird dies durch die Kombination aus dem robusten digitalen Backbone von SAP LGM und der Fähigkeit von Cyberwave, reale Trainingsdaten zu sammeln und VLA- sowie RL-Modelle so zu optimieren, dass sie die Variabilität in jedem realen Lager abdecken. Roboter müssen nicht mehr mühsam für jedes Objekt oder jedes Szenario programmiert werden – sie lernen, passen sich an und verbessern sich kontinuierlich. Das ist der Wandel, auf den wir hingearbeitet haben.”, erklärt Simone Di Somma, Mitbegründerin und CEO von Cyberwave.
Fokus auf Produktivbetrieb und Referenzimplementierung
Mit dem Projekt verfolgt SAP nach eigenen Angaben auch das Ziel, praktische Erfahrungen für zukünftige Kundenprojekte zu sammeln. Die eigene Lagerumgebung dient dabei als Referenzimplementierung für den produktiven Einsatz von „Embodied AI“ in der Logistik.
Der Einsatz autonomer Robotiksysteme soll Unternehmen künftig dabei unterstützen, Abläufe flexibler zu gestalten und Engpässe im Lagerbetrieb zu reduzieren.
