Die BEST-RECRUITERS-Studie 2025/26 untersucht die Recruiting-Qualität von 517 großen Arbeitgebern in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen Fortschritte bei der digitalen Kommunikation, gleichzeitig aber deutliche Defizite bei der Berücksichtigung erfahrener Bewerbender, der Entgelttransparenz und der Kommunikation über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Gesamtsieger ist die Klüh Service Management GmbH, Branchensieger in der IT/TK ist die All for One Group SE.
Die Recruiting-Qualität deutscher Arbeitgeber entwickelt sich in einigen Bereichen weiter, bleibt in anderen jedoch hinter den Erwartungen zurück. Das zeigt die BEST-RECRUITERS-Studie 2025/26, für die 517 große Arbeitgeber aus 29 Branchen untersucht wurden. Während Social Media, Mobile Usability und Talent Relationship Management deutliche Fortschritte machen, sehen die Studienautoren insbesondere bei der Ansprache erfahrener Fachkräfte sowie bei Transparenz im Bewerbungsprozess erheblichen Verbesserungsbedarf.
Im Gesamtranking belegt die Klüh Service Management GmbH den ersten Platz vor Deloitte und General Logistics Systems Germany. Die All for One Group SE führt die Wertung in der Branche IT/TK an.
Berufserfahrung wird häufig nicht berücksichtigt
Ein Schwerpunkt der Untersuchung war die Frage, welchen Einfluss Berufserfahrung auf den Bewerbungsprozess hat. Dafür wurden zwei Mystery-Bewerbungen auf eine Führungsposition verschickt, die sich lediglich hinsichtlich Alter und Berufserfahrung unterschieden.
Das Ergebnis: Die erfahrene Person erhielt trotz höherer Qualifikation nicht häufiger eine Einladung zum Vorstellungsgespräch als die deutlich weniger erfahrene Vergleichsperson. Darüber hinaus sprechen lediglich 34 Prozent der Arbeitgeber gezielt Menschen mit Berufserfahrung an. Spezifische Fördermaßnahmen für Beschäftigte beziehungsweise Bewerbende über 50 Jahre finden sich laut Studie sogar nur bei zwei Prozent der untersuchten Unternehmen.
Studienleiter Christian Pasteka sagt: „Ältere und somit erfahrene Bewerbende werden häufig übersehen, selbst wenn sie die optimalen Qualifikationen mitbringen. Potenziale werden so oft nicht genutzt.“
Digitale Candidate Journey entwickelt sich weiter
Positiv bewertet die Studie die Entwicklung der digitalen Kommunikation. Social Media erreicht mit 68 Prozent den höchsten Kategorienwert und verbessert sich gegenüber dem Vorjahr deutlich. Auch die Mobile Usability legt von 47 auf 59 Prozent zu. Gleichzeitig wächst der Bereich Talent Relationship Management auf 51 Prozent.
Dennoch sehen die Studienautoren weiteren Handlungsbedarf. Die Ladezeiten mobiler Karriere-Websites gelten vielfach weiterhin als verbesserungswürdig.
„Der technisch einfachere Einstieg ist erfreulich, aber Candidate Experience endet nicht mit dem Absenden der Bewerbung. Bewerbende brauchen weiterhin Ansprechpersonen, verlässliche Rückmeldungen und respektvolle Kommunikation bis zum Abschluss des Prozesses.“ – so Pasteka.
Entgeltangaben bleiben die Ausnahme
Ein weiteres Ergebnis betrifft die Transparenz bei Stellenanzeigen. Trotz der europäischen Vorgaben zur Entgelttransparenz enthalten 95 Prozent der untersuchten Ausschreibungen weder eine konkrete Vergütung noch eine Gehaltsspanne. Lediglich 1,9 Prozent nennen eine Gehaltsspanne, während 3,1 Prozent einen konkreten Betrag angeben.
Benefits werden zwar weiterhin in der Mehrheit der Stellenanzeigen aufgeführt, ihre Nennung geht jedoch leicht zurück. Nach Einschätzung der Studie fehlt Bewerbenden damit häufig eine wesentliche Entscheidungsgrundlage.
Kommunikation über KI bleibt lückenhaft
Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz sieht die Studie Defizite in der Kommunikation. Im Rahmen einer Testanfrage erkundigte sich ein fiktiver Bewerber per E-Mail nach dem Einsatz von KI im Unternehmen sowie nach entsprechenden Schulungsangeboten.
71 Prozent der angeschriebenen Arbeitgeber beantworteten diese Anfrage nicht. Nur 27 Prozent reagierten innerhalb der vorgesehenen Frist.
Studienleiter Christian Pasteka fasst die Ergebnisse zusammen: „Künstliche Intelligenz ist noch eine große Blackbox: Bewerbende werden häufig über den Einsatz dieser Zukunftstechnologie im Dunkeln gelassen.“
Gesamtsieger und Branchensieger
Studieninitiator Markus Gruber würdigt insbesondere den Gesamtsieger Klüh Service Management GmbH:
„Im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitende reicht es nicht, digital präsent zu sein. Entscheidend sind transparente Informationen, einfache Prozesse und eine verlässliche, wertschätzende Kommunikation mit Bewerbenden. Klüh zeigt eindrucksvoll, wie eine konsequente Weiterentwicklung entlang der gesamten Candidate Journey zu einem Spitzenresultat führen kann. Zum verdienten Gesamtsieg gratuliere ich sehr herzlich“
Auch Studienbeirätin Silvia Ettl-Huber ordnet die Ergebnisse ein:
„Herzliche Gratulation den Top-platzierten Arbeitgebern, insbesondere der Gesamtsiegerin Klüh Service Management. Die Studie zeigt, dass digitale Sichtbarkeit allein nicht reicht. Arbeitgeber müssen Bewerbenden Orientierung geben – mit klarer Kommunikation zu Entgelt, KI-Einsatz und Entwicklungsmöglichkeiten. Gerade bei erfahrenen Fachkräften entscheidet glaubwürdige Kommunikation darüber, ob Potenzial überhaupt erreicht wird.“
Die zehn bestplatzierten Arbeitgeber der Studie sind:
- Klüh Service Management GmbH
- Deloitte
- General Logistics Systems Germany GmbH & Co. OHG
- All for One Group SE
- Bundesagentur für Arbeit
- KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
- BarmeniaGothaer AG
- Kaufland
- Deutsche Bahn
- ProSiebenSat.1 Media SE
Weiterführende Informationen zu den Studienergebnissen finden Sie hier.
