Cloud-Strategien werden in Unternehmen zunehmend an ihrem geschäftlichen Nutzen gemessen. Der State of the Cloud Report 2026 von Flexera zeigt, dass Hybrid- und Multi-Cloud-Modelle weiter dominieren, während FinOps, Governance und zentrale Steuerung an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig steigen Kosten, Komplexität und die Anforderungen durch KI. Die Cloud wird damit stärker als strategische Plattform für Wachstum und Innovation verstanden.
Die Cloud-Nutzung in Unternehmen erreicht eine neue Entwicklungsstufe. Das legt der State of the Cloud Report 2026 von Flexera nahe, für den weltweit mehr als 750 IT-Verantwortliche befragt wurden. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht mehr nur klassische Einsparziele. Stattdessen rückt zunehmend die Frage in den Vordergrund, welchen geschäftlichen Beitrag Cloud-Investitionen tatsächlich leisten.
Quelle: FlexeraDieser Perspektivwechsel zeigt sich in mehreren Kennzahlen. Unternehmen bewerten Cloud-Ausgaben stärker anhand von ROI und Nutzen für die Fachbereiche. Parallel dazu gewinnen FinOps, Software Asset Management und zentrale Governance-Strukturen an Gewicht. Die Cloud wird damit nicht mehr primär als Infrastrukturbaustein gesehen, sondern als Instrument zur Steuerung von Innovation, Wachstum und Effizienz.
„Die Cloud erreicht eine neue Reifestufe, und Unternehmen gewinnen zunehmend einen besseren Überblick über ihre Technologien und Kosten“, sagt Brian Shannon, Chief Technology Officer bei Flexera.
Der Report verweist zugleich auf eine anhaltend hohe strukturelle Komplexität. Hybrid-Cloud bleibt mit 73 Prozent das dominierende Betriebsmodell, während 88 Prozent der befragten Unternehmen auf Multi-Cloud setzen. Reine Public-Cloud-Strategien ohne eigene Infrastruktur bleiben dagegen die Ausnahme. Hinter dieser Entwicklung stehen nicht immer bewusst geplante Architekturen. Oft sind hybride und multi-cloudbasierte Landschaften historisch gewachsen, etwa durch Übernahmen, verteilte Anwendungen, SaaS-Nutzung oder organisatorische Silos.
Governance und Geschäftswert rücken in den Mittelpunkt
Die Daten zeigen, dass Unternehmen ihre Cloud-Organisation stärker professionalisieren. 63 Prozent verfügen bereits über ein FinOps-Team, 64 Prozent messen den Erfolg ihrer Cloud-Nutzung am Nutzen für die Fachbereiche und am erzielten ROI. 71 Prozent betreiben inzwischen ein Cloud Center of Excellence.
Sie dient längst nicht mehr nur der Kostensenkung, sondern bildet heute die Grundlage für Wachstum und Innovation. Um diesen Wandel zu steuern, müssen FinOps, IT-Asset-Management und Governance eng zusammenarbeiten. Vor allem da KI die Kostenstrukturen, Risiken und Anforderungen an die zentrale Kontrolle grundlegend verändert.
Der Bericht macht damit deutlich, dass Cloud-Management heute breiter gefasst werden muss als reine Betriebs- oder Beschaffungssteuerung. Gefragt sind Modelle, die Kostenkontrolle, Transparenz, Compliance und Fachbereichsanforderungen zusammenführen.
Kosten bleiben das beherrschende Thema
Trotz des stärkeren Fokus auf Geschäftswert bleibt das Kostenmanagement die größte Herausforderung. 85 Prozent der befragten Unternehmen nennen Cloud-Kosten als zentrales Problemfeld. Zugleich steigt nach mehreren Jahren Rückgang der Anteil unnötiger Ausgaben wieder an. 29 Prozent der Cloud-Investitionen liefern laut Report keinen messbaren Nutzen.
Auffällig ist zudem die Spannweite bei den Ausgaben. Während im Mittelstand 69 Prozent der Unternehmen weniger als 50.000 US-Dollar pro Monat für Public-Cloud-Services aufwenden, liegen 16 Prozent insgesamt in einer Ausgabenspanne zwischen 200.001 und 500.000 US-Dollar monatlich.
Die Zahlen verdeutlichen, dass Cloud-Kosten längst nicht mehr nur eine Frage des Budgets sind. Sie werden zunehmend zum Indikator dafür, wie gut Unternehmen ihre Umgebungen organisatorisch und technisch im Griff haben.
KI, Anbieterwahl und Nachhaltigkeit prägen die Entwicklung
Auch der Einsatz generativer KI beeinflusst die Cloud-Strategien deutlich. 81 Prozent der Unternehmen nutzen entsprechende Anwendungen bereits. Gleichzeitig verlagert sich der Fokus vom Experimentieren in den produktiven Betrieb. Sicherheits- und Compliance-Risiken bereiten 53 Prozent der Befragten Sorgen, 40 Prozent sehen die Qualität der Trainingsdaten als Problem. In größeren Unternehmen existieren daher in 47 Prozent der Fälle bereits dedizierte Zuständigkeiten für die KI-Steuerung.
Bei den Hyperscalern bleiben AWS und Microsoft Azure global nahezu gleichauf, in Europa liegt Azure jedoch vor AWS. Google Cloud, Oracle Cloud Infrastructure und IBM Cloud folgen mit deutlichem Abstand. Der Markt bleibt damit klar von wenigen großen Anbietern geprägt.
Quelle: FlexeraParallel verändert sich die Rolle von Managed Service Providern. Gefragt sind vor allem Leistungen rund um Cloud-Security und Compliance, SaaS-Management sowie KI-Beratung. Im Nachhaltigkeitskontext zeigt sich Europa vergleichsweise stabil. Während definierte Nachhaltigkeitsprogramme weltweit zuletzt zurückgingen und sich nur leicht erholten, haben europäische Unternehmen ihre Initiativen weiter ausgebaut.
Unter dem Strich zeichnet der Report das Bild einer Cloud, die organisatorisch reifer, wirtschaftlich relevanter und technologisch anspruchsvoller wird. Der Wandel vom Kostenfaktor zum Werttreiber ist damit weniger ein Schlagwort als Ausdruck eines grundlegenden Strategiewechsels.
Der vollständige Flexera 2026 State of the Cloud Report mit ausführlichen Grafiken steht zum Download bereit.
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