Digitale Souveränität gewinnt im deutschen Mittelstand an Bedeutung. Doch viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, digitale Abhängigkeiten zu erkennen und nachhaltige Alternativen aufzubauen. Zwischen Cloud-Angeboten großer Anbieter, regulatorischen Anforderungen und eigenen Ressourcen gilt es, den richtigen Weg zu finden. Wie digitale Souveränität konkret gelingen kann, darüber sprachen wir im MIDRANGE Interview mit Andreas Zipser, Vorstandvorsitzender bei der easy software AG.
Herr Zipser, wir wollen über digitale Souveränität sprechen. In wenigen Sätzen: Was verstehen Sie darunter?
Für uns bedeutet Digitale Souveränität, dass Unternehmen und öffentliche Institutionen die volle Kontrolle über ihre Daten, Prozesse und digitalen Infrastrukturen behalten – und zwar unabhängig von externen Einflüssen oder Anbieterabhängigkeiten. Es geht darum, selbstbestimmt entscheiden zu können, wie und wo Daten gespeichert, verarbeitet und geschützt werden. Daher begrüßen wir mehr Wettbewerb bei den Infrastrukturen.
Man liest auch oft den Begriff „digitale Resilienz“. Was ist der Unterschied?
Das eine baut auf dem anderen auf. Digitale Resilienz beschreibt die Fähigkeit, sich gegen digitale Bedrohungen wie Cyberangriffe, Systemausfälle oder Datenverluste zu schützen und schnell zu erholen. Digitale Souveränität hingegen ist die Voraussetzung dafür: Nur wer Herr über seine digitalen Ressourcen ist, kann im Ernstfall auch souverän und widerstandsfähig reagieren.
Erkennt die deutsche Wirtschaft Ihrer Erfahrung nach beim Thema digitale Souveränität bereits Handlungsbedarf?
Definitiv. In vielen Unternehmen ist das Bewusstsein deutlich gewachsen. Vor allem geopolitische Spannungen, Lieferkettenprobleme, Cyberangriffe und verschärfte regulatorische Anforderungen rücken das Thema in den Fokus. Gleichzeitig merken wir aber auch: Zwischen Erkenntnis und konkretem Handeln liegt oft noch eine Lücke. Viele suchen derzeit noch nach praktikablen Wegen, ihre Abhängigkeiten, beispielsweise von globalen Cloud-Anbietern, zu reduzieren.
Natürlich spielen vertrauliche Informationen wie Mitarbeiter- und Kundendaten sowie geschäftskritische Informationen eine große Rolle. Diese liegen oft in DMS. Was ist ein DMS, und welche Arten von DMS gibt es?
easy ist seit 30 Jahren Experte im Dokumentenmanagement und seitdem hat sich die Definition von DMS weiterentwickelt. Aus einfachen Archiven sind intelligente Plattformen geworden, die Unternehmen heute gezielt bei der Digitalisierung unterstützen. Ein DMS wie das von easy hilft, Dokumente strukturiert zu verwalten, schnell wiederzufinden und sicher zu speichern. So lassen sich Informationen effizient organisieren, rechtskonform archivieren und zuverlässig schützen. Je nach Bedarf setzen unsere Kunden dabei auf On-Premises-Lösungen im eigenen Rechenzentrum, cloudbasierte Systeme oder hybride Modelle. Welche Variante passt, hängt von den Kapazitäten der Unternehmen ab, aber auch von Anforderungen an Flexibilität und Skalierbarkeit .
Welche Rolle kann ein DMS auf dem Weg zur digitalen Souveränität spielen?
Ein modernes DMS ist ein zentrales Werkzeug auf dem Weg zur digitalen Souveränität. Es schafft Transparenz, Kontrolle und Nachvollziehbarkeit über alle dokumentenbasierten Prozesse hinweg. Entscheidend ist dabei, dass das System Datenhoheit ermöglicht. Das gelingt zum Beispiel durch verschlüsselte Speicherung, revisionssichere Archivierung und eine transparente Rechteverwaltung. Idealerweise lässt sich das DMS zudem in eine souveräne IT-Infrastruktur integrieren, sei es durch Hosting in europäischen Rechenzentren oder als On-Premise Lösung.
Europa fährt ja eine recht stringente Agenda beim Thema Daten und Compliance, wie der AI Act oder auch die DSGVO zeigen. Ist das förderlich oder eher hinderlich auf dem Weg zur digitalen Souveränität?
Aus unserer Sicht ist das förderlich, auch wenn damit natürlich gewisse Anforderungen verbunden sind. Regulatorik wie die DSGVO oder der AI Act setzen klare Rahmenbedingungen, die die Souveränität stärken. Sie schaffen Rechtssicherheit, fördern Transparenz und schützen vor intransparenten Datenpraktiken. Der Schlüssel liegt darin, diese Vorgaben nicht als Bremse, sondern als Chance zu begreifen – etwa durch die Entwicklung konformer, datenschutzfreundlicher Technologien.
Natürlich spielt auch das Thema KI eine Rolle bei DMS. Welche Rolle kann KI hier für Unternehmen spielen?
KI kann einem DMS ordentlich Rückenwind geben. Bei easy wird das möglich durch Anwendungen wie automatische Klassifikation, Semantik, intelligente Verschlagwortung oder die Extraktion relevanter Informationen aus Verträgen und Formularen. So sparen Unternehmen Zeit, reduzieren Fehlerquoten und steigern die Effizienz bei der Informationsverarbeitung. Im digitalen Alltag verschafft ihnen das einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Und wie stelle ich sicher, dass die Nutzung von KI-Systemen meine Agenda der digitalen Souveränität nicht untergräbt?
Eine klare Governance. Unternehmen sollten verbindlich regeln, wie KI eingesetzt wird, wer die Verantwortung trägt und wo die Grenzen liegen.
Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie wird sich das Thema digitale Souveränität in Deutschland und Europa in den nächsten fünf Jahren weiterentwickeln?
Ich bin überzeugt: Digitale Souveränität entwickelt sich künftig vom Nischenthema zum strategischen Imperativ. Wir werden mehr europäische Alternativen zu globalen Cloud-Plattformen sehen, mehr EU-Kooperationen zur Entwicklung souveräner Technologien – beispielsweise dem “digital wallet”– und ein steigendes Vertrauen in datenschutzkonforme, nachhaltige IT-Lösungen. Das neue Digitalministerium in Deutschland hat all diese Themen und weitere auf der Agenda. easy ist für diesen Wandel dank seiner langjährigen Erfahrung sehr gut aufgestellt. Wir freuen uns darauf, Unternehmen auf ihrem Weg zur digitalen Souveränität zu unterstützen.
Quelle: easy software AGAndreas Zipser ist seit März 2021 Vorstandsvorsitzender bei easy. Zuvor verantwortete er für den globalen Softwarehersteller Sage das Zentraleuropageschäft. Hier vollzog er mit der Einführung der Sage Business Cloud die Transformation zum SaaS Unternehmen. Andreas verfügt über mehr als 25 Jahre Führungserfahrung in der Softwarebranche. Dies umfasst die Bereiche ECM, ERP, HR, CRM und Analytics.
Über easy software AG
Als Digitalisierungsexperte und führender ECM Software-Hersteller steht easy seit 1990 für rechtssichere, digitale Archivierung und effiziente, automatisierte Geschäftsprozesse. Über 5.400 Kunden in mehr als 60 Ländern und allen Branchen vertrauen auf unser Unternehmen und unser starkes Partnernetzwerk. Unsere Archivierungs-, ECM-, DMS-, P2P- und HCM-Softwarelösungen & Services bilden das digitale Zentrum für datenbasierte Intelligenz und machen Menschen, Unternehmen und Organisationen erfolgreich. easy ist Teil der conrizon AG, der europäischen Holding für marktführende ECM-Marken wie PROXESS, HABEL und Shareflex.
