Unsere Autoren Wolfgang Rother (IBM) und Sejid Canoski (TD Synnex) berichten seit mehreren Wochen über ihre Erfahrungen mit IBM Bob. Die ersten vier Teile der Serie finden Sie unter diesem Artikel. Nun, da IBM Bob offiziell allgemein verfügbar ist, beenden wir diese Serie zunächst. Im folgenden Artikel gibt Dr. Wolfgang Rother von IBM einen kurzen Rückblick auf die Testphase sowie praktische Tipps & Tricks für den Einsatz von IBM Bob.
Rückblickend auf die Wochen, in denen Bob zur Verfügung steht, lässt sich unter Berücksichtigung des sogenannten Eliza-Effekts – also der Tendenz, KI-Tools zu vermenschlichen – Folgendes sagen:
„Nun spielen wir schon eine ganze Weile. Ich gebe dir Aufgaben, und du versuchst, sie zu meiner Zufriedenheit zu lösen. Doch dann habe ich mich dabei erwischt, dass ich dich alles habe machen lassen. Try and error – du hast kodiert, und ich habe dir immer wieder die Compiler-Protokolle gezeigt, um aufzuzeigen, welche Fehler noch zu beheben waren – bis ich feststellte, dass dies dazu führte, dass du gemacht hast, was du für richtig gehalten hast. Zwar war das meistens funktional in Ordnung, aber sogenannte non-functional requirements wie Sicherheit waren dir egal – aber, um ehrlich zu sein, hatte ich dich dazu auch nicht aufgefordert.“
„Vibe Coding“ nennt man das – ein Prozess, der auf der iterativen Verbesserung von Programmen durch KI basiert. Klingt erst einmal gut, da man so faktisch ohne Programmierkenntnisse Anwendungen entwickeln kann, birgt aber auch Risiken. Wenn man den erzeugten Code nicht versteht, wie kann man ihm dann vertrauen?
Für Prototyping oder um jemandem zu zeigen, welche Funktionalität benötigt wird, ist ein solches Vorgehen geeignet – für die Entwicklung professioneller Anwendungen reicht es jedoch nicht aus.
Hier empfiehlt es sich, die KI wie einen Juniorprogrammierer zu betrachten, der von einem Experten angeleitet wird. Im Zentrum stehen dabei Code-Reviews, aber auch die Formulierung von Aufgabenstellungen, das Zerlegen komplexer Anforderungen, die Vorgabe von Programmierrichtlinien sowie Unterstützung, wenn der „Junior“ nicht weiterkommt oder in die falsche Richtung läuft. Statt „Vibe Coding“ also eher „Vibe Engineering“.
Es beginnt mit einem detaillierten Prompt, also der Formulierung der Aufgabenstellung: „Sei konkret, gib Beispiele an, verwende Kontexterwähnungen (@/path/to/file, @/folder, @problems, @terminal) und nutze den Enhance Prompt.“
Wie immer gilt: Eine klar formulierte Aufgabenstellung stellt sicher, dass der Output dem entspricht, was man erreichen will.
Nutze Git. Checkpoints sichern den aktuellen Zustand eines Projekts und ermöglichen bei Bedarf ein Rollback. (Ich hatte Git auf meinem Laptop nicht eingerichtet und musste einen alten Codezustand mit Bobs Hilfe aus einem Compilerprotokoll wiederherstellen – Lesson learned!)
Beginne mit „Start new tasks“ für unterschiedliche Ziele. Vermeide die Durchsuchung des gesamten Workspaces und zerlege komplexe Aufgaben in Teilschritte.
Vertraue einer KI nicht blind. Sei dir bewusst, dass Bob nicht immer alles richtig macht. (Noch einmal: Richte Git ein!)
Sei vorsichtig mit „autoapprove“-Einstellungen. Bob kann Befehle ausführen, Änderungen im Dateisystem vornehmen und Dateien überschreiben.
Alles in allem ist es wie so oft: Man bekommt ein neues Werkzeug und muss lernen, damit umzugehen.
Mit meinen bisherigen „Gesellenstücken“ bin ich zwar zufrieden, aber bis zum Meisterbrief ist es noch ein weiter Weg.
Quelle: IBMIBM Bob ist seit dem 24. März allgemein verfügbar. Hier finden Sie weitere Infos hierzu.
