Eine Studie von Cognyte zeigt wachsende Herausforderungen für europäische Ermittlungsbehörden. Fehlende Analysefähigkeiten und unzureichend verknüpfte Datenquellen erschweren demnach die Ermittlungsarbeit. Gleichzeitig nehmen komplexe Bedrohungslagen und die Zusammenarbeit krimineller Netzwerke zu. Besonders im Fokus stehen KI-gestützte Analysen und moderne SIGINT-Verfahren.
Ermittlungsbehörden in Europa sehen sich laut einer aktuellen Studie zunehmend mit komplexen Datenlagen und neuen Bedrohungsszenarien konfrontiert. Während die Menge verfügbarer Informationen kontinuierlich wächst, fehlen vielerorts geeignete Werkzeuge, um Datenquellen effizient zusammenzuführen und auszuwerten.
Die Ergebnisse stammen aus dem „2026 European Law Enforcement Outlook“ von Cognyte. Für die Untersuchung wurden 200 Fachkräfte aus europäischen Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden befragt, die in Ermittlungen, Analyse und operativen Einsätzen tätig sind.
Defizite bei Datenanalyse
Mehr als jede zweite Behörde sieht laut Studie dringenden Handlungsbedarf bei der Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen. Insgesamt 55 Prozent der Befragten fordern ein integriertes und operativ nutzbares Lagebild.
Die zunehmende Komplexität moderner Ermittlungen gilt dabei als zentrale Herausforderung. Fälle erstrecken sich laut Studie heute über verschiedene Organisationen, Länder und Datenquellen hinweg. Gleichzeitig berichten 65 Prozent der Behörden von steigenden Fallzahlen.
Hinzu kommt ein wachsender Bedarf an KI-gestützter Analyse. Ermittler verlieren nach Angaben der Studie durchschnittlich rund 25 Prozent ihrer Arbeitszeit aufgrund fehlender Analysefähigkeiten. Technologien wie Videoanalyse, digitale Forensik oder OSINT-Auswertung seien vielerorts noch nicht ausreichend verfügbar.

„Ermittlungsbehörden verfügen heute über mehr Daten als je zuvor. Doch ohne die Fähigkeit, diese intelligent zu verknüpfen, bleibt ihr Potenzial häufig ungenutzt“, so Torsten Oelze, Director bei Cognyte.
„Der entscheidende Schritt ist der Übergang von isolierten Informationen hin zu einem integrierten, handlungsrelevanten Lagebild. Dazu braucht es Analyseplattformen, die Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen, automatisiert auswerten und in Echtzeit verfügbar machen. Erst so lassen sich Muster erkennen, Zusammenhänge herstellen und fundierte operative Entscheidungen treffen – gerade in zunehmend komplexen und dynamischen Ermittlungsumgebungen.“
Zusammenarbeit krimineller Netzwerke nimmt zu
Parallel zu den technologischen Herausforderungen beobachten die Behörden eine stärkere Zusammenarbeit zwischen organisierter Kriminalität und terroristischen Netzwerken. Laut Studie berichten 69 Prozent der Befragten von einer zunehmenden Vernetzung solcher Gruppen in den vergangenen zwei Jahren.
Die Kooperationen reichen von Schmuggelrouten über operative Unterstützung bis hin zu Geldwäscheaktivitäten. Dadurch steigen nach Einschätzung der Studienautoren sowohl die Komplexität als auch die Anforderungen an Ermittlungen.
„Die zunehmende Verzahnung von organisierter Kriminalität und Terrorismus verändert die Spielregeln grundlegend“, so Torsten Oelze. „Gerade weil diese Netzwerke immer enger zusammenarbeiten und grenzüberschreitend agieren, müssen auch Ermittlungsbehörden ihre Zusammenarbeit deutlich intensivieren – zwischen nationalen und internationalen Polizeibehörden, Nachrichtendiensten, Finanzermittlern sowie spezialisierten Einheiten. Programme wie P20 setzen hier an, indem sie die Grundlage für eine solche vernetzte Zusammenarbeit und integrierte Analyse schaffen.
Entscheidend wird jedoch sein, diese Ansätze konsequent in operative, datengetriebene Entscheidungsprozesse zu überführen, um komplexe Bedrohungslagen frühzeitig zu erkennen und wirksam zu adressieren.“
SIGINT stößt an Grenzen
Besonders kritisch bewerten viele Behörden laut Studie die Auswertung von SIGINT-Daten. Insgesamt 96 Prozent der Befragten geben an, dass es in den vergangenen fünf Jahren deutlich schwieriger geworden sei, aus Kommunikationsdaten verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen.
Als Ursachen nennt die Studie verschlüsselte Kommunikationsdienste, fragmentierte Datenlandschaften und fehlende Spezialkenntnisse in Bereichen wie Finanzermittlungen und Kryptowährungen.
Mehr als die Hälfte der Befragten misst deshalb dem Ausbau digitalforensischer Kompetenzen hohe Priorität bei. Moderne Ermittlungsansätze kombinieren laut Studie zunehmend klassische SIGINT-Verfahren mit digitaler Forensik, OSINT und KI-gestützter Analyse.
„Die Ergebnisse der Befragung zeigen klar: Nicht der Mangel an Daten ist heute die größte Herausforderung für Ermittlungsbehörden, sondern ihre sinnvolle Verknüpfung und Auswertung“, so Torsten Oelze.
“Integrierte Analyseplattformen, KI-gestützte Auswertung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Behörden werden damit zu zentralen Voraussetzungen, um mit der Dynamik moderner Kriminalität Schritt zu halten und aus Daten schnell belastbare, operative Erkenntnisse zu gewinnen.“
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