Künstliche Intelligenz wird auch außerhalb technischer Berufe zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags. Doch eine Studie von HiBob zeigt, dass viele Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Personalprozesse noch nicht ausreichend an die neuen Anforderungen angepasst haben. Vor allem bei Recruiting, Bewertung und der Entwicklung von KI-Kompetenzen klaffen Anspruch und Realität auseinander.
KI-Tools haben sich in Unternehmen der DACH-Region etabliert. Gleichzeitig wächst der Bedarf, Mitarbeitende auf den veränderten Arbeitsalltag vorzubereiten. Wie weit Unternehmen diesen Wandel bereits organisatorisch begleiten, hat HiBob gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Censuswide untersucht. Befragt wurden 200 Fach- und Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die an Einstellungsentscheidungen sowie der Bewertung von KI-Kompetenzen beteiligt sind.
Die Ergebnisse zeigen, dass die strategische Bedeutung von KI zwar erkannt wird, viele Unternehmen jedoch noch keine durchgängigen Strukturen geschaffen haben, um den Wandel systematisch zu begleiten.
Hohe Erwartungen, geringe Eigenverantwortung
Mehr als drei Viertel der Befragten (76,5 Prozent) gehen davon aus, dass innerhalb der kommenden zwei Jahre die meisten nicht-technischen Stellen zumindest grundlegende KI-Kompetenzen erfordern werden. Dennoch sehen sich Unternehmen selbst nur eingeschränkt in der Verantwortung, ihre Belegschaften auf diese Entwicklung vorzubereiten.
Quelle: HiBobLediglich 16,5 Prozent der Befragten betrachten den Arbeitgeber als primär zuständig. Häufiger werden direkte Führungskräfte und Teamleitungen (26,5 Prozent), Technologieanbieter (23 Prozent) oder sogar Kunden und Auftraggeber (23 Prozent) genannt.
Auch bei der Personalgewinnung zeigt sich ein ähnliches Bild. Zwar verfügen 65 Prozent der Unternehmen nach eigenen Angaben über eine definierte Strategie zur gezielten Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern mit ausgeprägten KI-Kompetenzen. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch, dass rund ein Drittel aller Unternehmen ohne strukturierten Recruiting-Ansatz agiert.
Standards vorhanden, Anwendung unsicher
Auf den ersten Blick scheinen viele Unternehmen bereits organisatorische Grundlagen geschaffen zu haben. 84,5 Prozent der Befragten geben an, über eine gemeinsame Definition relevanter KI-Kompetenzen zu verfügen. 81,5 Prozent setzen zudem standardisierte Leitfäden oder Assessments zur Bewertung entsprechender Fähigkeiten ein.
In der praktischen Anwendung bestehen jedoch weiterhin Unsicherheiten. Nur 67,5 Prozent vertrauen darauf, dass Hiring Manager im Bewerbungsgespräch KI-Kompetenzen zuverlässig einschätzen können. Bei Leistungsbeurteilungen liegt dieser Wert mit 71 Prozent nur geringfügig höher. Damit wird ein erheblicher Teil der vorhandenen Instrumente nach Einschätzung der Befragten nicht konsequent oder nicht ausreichend sicher genutzt.
Recruiting und Vergütung laufen auseinander
Die Untersuchung macht zudem Unterschiede zwischen besonders gefragten Kompetenzen und der Vergütungsbereitschaft deutlich. Zu den am schwierigsten zu besetzenden Kompetenzfeldern zählen KI-Sicherheit, Ethik und Governance. Dennoch würden lediglich 31 Prozent der Unternehmen hierfür einen Gehaltsaufschlag von mindestens zehn Prozent zahlen.
Am höchsten fällt die Zahlungsbereitschaft dagegen für Kompetenzen im Bereich „Evaluating and Improving Output Quality“ aus. Diese Fähigkeiten werden von 33,5 Prozent der Unternehmen besonders honoriert, obwohl sie im Recruiting vergleichsweise weniger schwer zu finden sind. Die Studie sieht darin ein Ungleichgewicht zwischen Marktbedarf und Vergütungsstrategie.
Auswirkungen auf Karriereentscheidungen
Die Ergebnisse gewinnen zusätzlich an Bedeutung, weil KI-Kompetenzen inzwischen zunehmend in Personalentscheidungen einfließen. 71,5 Prozent der befragten Unternehmen berücksichtigen entsprechende Fähigkeiten bereits ausdrücklich bei Beförderungen.
Damit steigt zugleich die Bedeutung objektiver Bewertungsverfahren. Wenn KI-Kompetenzen Einfluss auf Karriere- und Gehaltsentwicklung haben, deren Beurteilung jedoch nicht zuverlässig erfolgt, entsteht ein Spannungsfeld zwischen formalen Anforderungen und praktischer Umsetzung.
Die Studie kommt insgesamt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen den steigenden Stellenwert von KI-Kompetenzen erkannt haben. Bei der operativen Umsetzung – von der Personalgewinnung über die Qualifizierung bis hin zur Bewertung entsprechender Fähigkeiten – bestehen jedoch weiterhin deutliche Herausforderungen.
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