Datenbankinfrastrukturen werden komplexer, die Anforderungen steigen und qualifiziertes Personal ist rar. Für Datenbankadministratoren bedeutet das steigenden Druck. Gleichzeitig entwickeln sich Tools und Automatisierungslösungen rasant weiter, insbesondere durch den Einsatz von KI. Doch das bringt neue Herausforderungen mit sich. – Ein Beitrag von Oliver Stein, Geschäftsführer DACH bei Redgate.
ITler waren schon immer ein ganz spezieller Typ Mensch. Was sie vor allem auszeichnet ist, dass sie sehr findig sind, wenn es darum geht, ihre Arbeit zu erleichtern. So ist es nicht verwunderlich, dass hochprofessionelle Monitoring-Tools für Datenbanken bereits seit Jahrzehnten im Einsatz sind. Dennoch gab es eine Zeit, in der dedizierte Administratoren den ganzen Tag Datenbankabfragen manuell durchführten und überwachten, was genau passiert und ob alles reibungslos abläuft. Betrachtet man sich heute den Job des Datenbankadministratoren (DBA), hat sich an dessen grundlegendem Aufgabenfeld – die Datenbank am Laufen und sicher zu halten – nicht allzuviel verändert. Wohl aber die Art und Weise, wie DBAs heute arbeiten.
Das liegt unter anderem daran, dass sich die Datenbanklandschaften massiv verändert haben. Der „State of the Database Landscape“-Report von Redgate hat ergeben, dass fast 80 Prozent der befragten Unternehmen mehr als eine Datenbankplattform einsetzen. Rund ein Drittel betreibt sogar mehr als fünf. Was sich ebenfalls gewandelt hat, ist das Hosting: schlummerten die Datenbanken vor zwanzig Jahren vor allem auf On-premises-Servern, können sie heute lokal, in der Cloud oder am Edge laufen. Mit der steigenden Anzahl an unterschiedlichen Datenbanksystemen ist auch das Sammelsurium an Abfragesprachen und Datenmodellen gewachsen. Und als seien Technologien wie Container oder Microservices, die ebenfalls das benötigte Skill-Level von Datenbankadmins erhöhen, nicht schon genug, stehen wir am Beginn des KI-Zeitalters, was die zu verarbeitenden und zu lagernden Datenmengen exponentiell wachsen lässt.
Kein einfacher Job
Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im Bereich Datenbanken haben einen deutlich gestiegenen Anspruch an Administratoren mit sich gebracht. Sie müssen nicht nur immer komplexere Datenbanksysteme mit immer mehr Daten am Laufen halten, sondern auch mit immer mehr Technologien klarkommen, während die Aufgabenvielfalt ständig wächst – auch weil immer weniger DBAs verfügbar sind. Der Fachkräftemangel verschärft den wachsenden Skill Gap zunehmend, während Unternehmen und User sich darauf verlassen, dass ihre Anwendungen und Services reibungslos und rund um die Uhr verfügbar sind. „24/7/365“- oder „99,9999%“-Uptime sind nicht wie früher Wunschvorstellungen oder Träumereien, sondern mittlerweile knallharte Business-Anforderungen, die Datenbankadmins zu bedienen haben.
Ganz zu schweigen von der Datensicherheit – einem Grundpfeiler der Cybersicherheit –, die inzwischen immer häufiger in den Aufgabenbereich der DBAs fällt: Sie müssen sich nicht mehr nur darum kümmern, dass die Datenbanken laufen, sondern auch dafür sorgen, dass sie sicher laufen. Backups gehören daher ebenso zum täglichen Geschäft von Administratoren wie das Einspielen von Patches, das Aufspüren von Sicherheitslücken und das Recherchieren aktueller Bedrohungen. Auch die Einhaltung von Compliance-Vorgaben darf dabei nicht vernachlässigt werden.
Die DBA-Evolution
Datenbankadministratoren benötigen heute ein deutlich umfangreicheres Skillset als früher – und dessen Aufbau erfordert Zeit. Doch genau daran mangelt es laut dem „State of the Database Landscape“-Report: 28 Prozent der Befragten geben an, nie oder fast nie Ressourcen für Weiterbildung zu erhalten. Weitere 26 Prozent können entsprechende Maßnahmen lediglich einmal jährlich wahrnehmen. Dabei stehen mittlerweile ausgezeichnete Tools zur Verfügung, mit denen sich Datenbanken sicher und vor allem zeitsparend betreiben und überwachen lassen. Richtig eingesetzt, können automatisierte Monitoring- und Testing-Anwendungen wertvolle Zeitressourcen freisetzen, die Administratoren und Entwickler wiederum in ihre Weiterbildung investieren können.
Zudem kommen vermehrt KI-Assistenten und -Agenten mit umfangreichen Automatisierungsfunktionen zum Einsatz, die Admins weiter entlasten – nicht nur beim Monitoring und Testing, sondern auch bei der Analyse und Optimierung von Datenbankabfragen und Quellcode. Selbst das Generieren von Beispieldaten und Datenbankcode erfolgt zunehmend mithilfe Künstlicher Intelligenz.
Künstliche Intelligenz ist zweifellos ein Gamechanger – auch für Datenbankadministratoren: Sie verändert nicht nur ihren Arbeitsalltag, sondern auch das Anforderungsprofil. Datenbankadministratoren müssen heute kein manuelles Monitoring mehr durchführen oder Anomalien in Datenbank-Streams aufspüren. Der kompetente und sichere Umgang mit KI wird zunehmend zur Grundvoraussetzung. Die durch KI gewonnene Zeit können DBAs sinnvoll nutzen – etwa, um sich fachlich weiterzubilden und moderne, zukunftsweisende Tools zu erlernen. Dank der Fähigkeit von KI, natürliche Sprache zu verarbeiten, sinkt zudem die Einstiegshürde für viele Aufgaben deutlich. So können auch Berufseinsteiger direkt nach dem Studium schneller Verantwortung übernehmen. Das hilft, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und entlastet erfahrene Admins im oft angespannten Arbeitsalltag.
Doch diese Entlastung setzt voraus, dass IT-Fachkräfte entsprechend im Umgang mit KI-Technologien geschult sind. Denn die Veränderungen durch KI reichen weit über Workflows und Prozesse hinaus: Sie stellen grundlegend infrage, wie wir die Rolle von Datenbankexperten definieren.
Quelle: Redgate
