Es ist schon eigenartig. Da predigt man über Jahre hinweg, dass Anwendungsentwickler doch nun endlich dem Rdi – also dem grafischen Tool für Anwendungsentwicklung im IBM I Umfeld eine Chance geben sollen – und nun schreibe ich einen Artikel über ein quasi konkurrierendes Tool. Aber ist es das wirklich?
Nun – IBM hat über Jahre hinweg versucht, die Betreiber der IBM i Plattform davon zu überzeugen, dass deren Anwendungsentwickler nicht mehr die klassischen 5250 basierten Werkzeuge wie SEU oder die RPG Editoren im 5250 Umfeld nutzen sollen, sondern stattdessen das PC Tool Rational Developer für IBM i nutzen sollten. Grundsätzlich eine wirklich gute Argumentation, ständen die nicht die Kosten für das Werkzeug auf der PC- Ebene als das große Fragezeichen – oder Ausrufungszeichen?
Nun – Fakt ist, dass in typischen mittelständischen Unternehmen Fragen aufkommen, wieso man für eine Entwicklerlizenz mehrere hundert Euro ausgeben muss. Also blieb der erhoffte Umstieg auf die moderne Entwicklungsumgebung häufig aus. Damit verbunden dann leider oftmals auch die Option, sich nun endlich die neuen Techniken rund um RPG & CO anzueignen und damit die Anwendungen ready für die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu machen.
Findige Entwickler haben das als Chance genutzt, und ein kostenfreies Werkzeug auf den Markt gebracht, das wir uns nun ein wenig in den Grundlagen anschauen wollen. Die Rede ist von Visual Studio Code für IBM i (kurz: VS Code). VS Code spricht dieselbe Zielgruppe an, die IBM auch mit RDi adressieren möchte – nämlich Anwendungsentwickler im IBM i Umfeld – insbesondere die RPG Anwendungsentwickler.
VS Code hat dabei unterschiedliche Funktionen aufgenommen, mit denen wir als Anwendungsentwickler ein gutes Subset an Werkzeugen für die Entwicklung und Wartung von klassischen und auch modernen RPG Programmen und auch anderen Entwicklungsbereichen wie DDS, CL, Cobol, SQL und mehr zur Verfügung haben.
Bereits 2021 wurde die erste Version von VS Code mit den typischen Erweiterungen für IBM i bereitgestellt. Und das komplett kostenfrei! OpenSource ist auch hier wieder das Stichwort – denn Erweiterungen können von unterschiedlichen Stellen eingebunden werden.
Das Schöne: VS Code steht uns sowohl für Windows als auch für die Mac Welt zu Verfügung. Um VS Code zu installieren, bedarf es nur einiger weniger Schritte. Allem Voran steht der Download der betreffenden Version. Diesen können Sie unter dem folgenden Link herunterladen:
Visual Studio Code – Code Editing. Redefined
Das Schöne an VS Code – die Entwickler haben sich Gedanken zu einer umfassenden Entwicklungsumgebung gemacht und dabei viele Anforderungen von IBM i Entwicklern einfliessen lassen. So steht neben den Entwicklungswerkzeugen unter anderem auch eine integrierte 5250 Anzeige bereit. So lassen sich dann recht einfach Dialogprogramme im Greenscreenbereich recht einfach aufrufen und weitere IBM i Aktionen ausführen.
Quelle: ZeigZunächst installiert man die Basisversion von VS Code – diese umfasst die IDE für alle möglichen Systeme. In einem zweiten Schritt wird dann die IBM i Erweiterung als Option installiert.
Quelle: ZeigDie Installationsassistenten selbst sind in beiden Fällen selbererklärend. Auch sind die Systemanforderungen so, dass man auf nahezu jedem gängigen PC die Installation vornehmen kann. Nach erfolgreicher Installation starten wir VS Code und werden von dem Willkommensbildschirm in Empfang genommen.
Quelle: ZeigDer Aufbau der IDE ist Entwicklern, die zum Beispiel aus der Webentwicklung und/oder der Java Welt kommen durchaus vertraut. Navigationsbereiche, Editierbereiche, Fensterabschnitte sind auch die Tools der modernen IBM i Entwicklung. Damit wir diese aber nutzen können, muss zunächst eine Verbindung zu dem System i hergestellt werden. Diese basiert natürlich auf TCP/IP. In dem Fall von VS Code auf einer SSHD Verbindung. Die SSHD nicht zwangsläufig auf jedem System i konfiguriert oder aktiviert ist, kann man mit dem Befehl STRTCPSVR *SSHD den SSHD Bereich auf IBM i starten und danach die notwendigen Verbindungsdetails im VS Code für die IBM i Sitzung eingeben.
In dem linken Navigationsbereich findet sich ein Serversymbol – hinter diesem verbirgt sich der Startbereich für die IBM i Konfigurationen.
Quelle: ZeigMit einem Klick auf die Serververbindungen erscheint der Auswahlbildschirm für bestehende und auch neu hinzuzufügende Serververbindungen.
Quelle: ZeigVS Code bietet für die verschiedenen Bereiche wirklich gute Bedienerhilfen. Die Symbole sind zudem so gestaltet, dass man recht intuitiv in vielen Bereich einen leichten Einstieg findet. Einige dieser Hilfen oder auch Funktionen sind nur leider auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Bewegen wir zum Beispiel den Cursor auf den Bereich „Servers“ dann erscheint dort eine Unterauswahl und dort unter anderem auch die Option für die Neuanlage einer Verbindung zu einem System i.
Diese Option selektieren wir nun, um unsere initiale Verbindungsangaben zu dem gewünschten System vornehmen zu können.
Quelle: ZeigWie bereits gesagt, basiert die Verbindung auf TCPIP – folglich geben Sie in dem Konfigurationsassistenten wahlweise die IP Adresse oder den Hostnamen des Systems an. Ein Verbindungsname erleichtert die Arbeit bei dem Zugriff auf unterschiedliche IBM i Systeme und muss in jedem Fall eingegeben werden.
Weiterhin können wir hier den IBM i Standardbenutzer optional mit Kennwort oder SSO Angaben hinterlegen. Mit einem Klick auf die Schaltfläche „SAVE“ werden die getätigen Eingaben gesichert und wir können darauf basierend die Verbindung zu unserem IBM i herstellen.
Quelle: ZeigMit der Konfiguration erscheint unsere IBM i Verbindung in der Liste der Systeme und kann so mit einem Doppelklick selektiert werden.
Quelle: ZeigEin wenig gewöhnungsbedürftig: Die Kennworteingabe erscheint in dem oberen Fensterbereich.
Quelle: ZeigNach erfolgreicher Kennworteingabe wird der Arbeitsbereich vorbereitet. Damit verändert sich auch die Anzeige der einzelnen Fensterbereiche, der Gliederung. In dem linken Navigationsbereich finden wir die Hauptkomponenten in Form von der Bibliotheksliste, der Objektsicht und der IFS Sicht.
Quelle: ZeigAnpassungen lassen sich in diesem Bereich auf ähnliche Art vornehmen, wie bei der Definition einer neuen Verbindung: Durch das Bewegen der Maus über den Eintragsbereich (zum Beispiel Object Browser), können wir mit der Definition dieses Unterbereiches beginnen. Ähnlich wie RDi arbeitet auch VS Code mit Filtern, die hier „Object Browser“ genannt werden. Diese lassen sich individuell anpassen und sind der Einstieg in die Sourceverwaltung von CL, RPG und Co.
Quelle: ZeigDie gewünschte Quelle lässt sich mit einem Doppelklick öffnen. Hiermit erfolgt ein Öffnen und Sperren der Quelle auf dem System i und der Sourceeditor in VS Code öffnet sich in dem Hauptanzeigenbereich.
Hier werden die unterschiedlichen Quellcodeelemente farblich differenziert und klar erkennbar aufgelistet.
Quelle: ZeigNatürlich können wir in VS Code eine nahezu beliebige Anzahl an Quellcodes parallel öffnen und verwalten.
Man gewöhnt sich schnell daran, die speziellen Tastenkombinationen des VS Code einzusetzen und damit dann zum Beispiel auch aus dem RPG Quellcode eine Umwandlung anzustoßen. CTRL + E ist hier die Wahl. In Abhängigkeit der editieren Quelle können wir dann zwischen verschiedenen sogenannten Aktionen wählen – für das Kompilieren einer RPG Quelle stehen uns da die bekannten Wandlungsbefehle wie zum Beispiel CRTPGM, CRTBNDRPG und weitere zur Auswahl bereit.
Quelle: ZeigDamit wird denn basierend auf der Bibliotheksliste das Kompilieren der RPG Quelle auf dem System i durchgeführt. Der Editor ist, wenn auch hier und da für den klassischen 5250 Anwendungsentwickler, der von SEU und Co kommt, gewöhnungsbedürftig. Aber bietet doch eine Vielzahl von gewohnten aber auch zum Teil erweiterten Werkzeugen.
Änderungen an der Quelle müssen natürlich bestätigt werden.
Quelle: ZeigDas Kompilieren sollte im Idealfall ein Objekt erzeugen – im Fehlerfall möchte der Anwendungsentwickler schnell und effektiv die Fehler bearbeiten – und das geht hervorragend mit VS Code. Visuell werden wir sofort mit einem Fehlerhinweis auf die erfolglose Wandlung hingewiesen. Zudem öffnet sich die Ergebnisanzeige der Kompilierung.
Quelle: ZeigHier bedarfs es einiger Klicks – denn mit der Auswahl „Problems“ gelangen wir in die Detailanzeige, von der aus wir dann – ähnlich wie in RDi – direkt an die fehlerhaften Quellcodestellen springen und dort effektv die notwendigen Anpassungen vornehmen können.
Quelle: ZeigSo viel als kleine Einführung in VS Code – für die 5250 Entwickler sicher eine gute Alternative, wenn das Unternehmen bisher den Invest in Rational Produkte für die Anwendungsentwicklung im System i Umfeld nicht getätigt hat.
Open Source verbreitet sich seit Jahren auch im System i Umfeld und zeigt mehr und mehr, dass wertvolle Erweiterungen für System i aus dem OpenSource Umfeld kommen. Visual Code für IBM i gehört definitiv mit dazu. Auch wenn einige Arbeitsschritte durchaus ungewohnt sind, nimmt man sich die Zeit, dann wird man VS Code für IBM i schnell als effektives Werkzeug für IBM i Anwendungsentwicklung entdecken.
Der Autor Jörg Zeig ist im Dezember 2024 verstorben. Hier finden Sie einen Nachruf.
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