Souveräne KI sichert die strategische Unabhängigkeit. Sie ermöglicht Unternehmen, Abhängigkeiten von externen Anbietern zu minimieren und in volatilen Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Für die Etablierung der Souveränität sollten Unternehmen einen strukturierten Risikomanagement-Ansatz verfolgen. Eine gute Ausgangsbasis dafür bilden die Schichten einer typischen KI-Architektur. – Ein Beitrag von Oliver Köth, Managing Director Technology & Innovation DACH bei NTT DATA.
Digitale Souveränität hat sich zu einem zentralen geopolitischen und wirtschaftlichen Faktor entwickelt. Störungen von globale Lieferketten, Handelskonflikte und die Dominanz weniger Hyperscaler unterstreichen die Risiken: Wer KI-Technologien nicht versteht, verliert auch die Kontrolle über seine Kernprozesse. Schließlich ist KI mittlerweile oft nahtlos in die Geschäftsabläufe eines Unternehmens integriert. Sie stellt damit eine kritische Infrastruktur dar, die Resilienz erfordert.
Resilienz bedeutet dabei, dass Unternehmen ihre Handlungsfähigkeit behalten müssen, auch wenn externe Dienste ausfallen, Preise steigen oder Regulierungen sich ändern. Souveräne KI adressiert diese Herausforderung, indem sie die Kontrolle über Daten, Modelle und Rechenleistung ermöglicht – nicht aus Misstrauen, sondern zur Sicherung der operativen Resilienz.
Private versus souveräne KI
Generell sind im Hinblick auf das Ziel Souveränität private KI und souveräne KI zu trennen. Sie zielen beide auf eine gesteigerte Kontrolle und einen höheren Datenschutz ab, unterscheiden sich jedoch in Umfang und Fokus. Bei der privaten KI werden KI-Dienste in isolierten Umgebungen wie Private Clouds betrieben, bei denen Dritte keinen Zugriff auf die Daten haben. Souveräne KI geht einen Schritt weiter und umfasst die eigenständige Entwicklung, den Betrieb und die Steuerung von KI-Systemen mit eigenen Daten und Modellen, um die Einhaltung des EU-Rechts und die Unabhängigkeit von fremden Jurisdiktionen zu gewährleisten. Beide Varianten stärken die Handlungsfähigkeit, ohne eine vollständige Abschottung zu erfordern.
Das Schichtenmodell der KI-Umgebung
Eine entscheidende Unterstützung beim Aufbau einer souveränen KI bietet die Orientierung an einem Schichtenmodell, das die fünf verschiedenen Ebenen einer typischen KI-Infrastruktur visualisiert.
Quelle: NTT DATAAuf der obersten Ebene befinden sich die KI-Services, die die konkreten Dienste, Anwendungen und Lösungen für verschiedene Anwendungsbereiche bereitstellen. Dazu zählen die AI-Factory als produktionsreife Plattform sowie Governance- und Schulungskonzepte, die den verantwortungsvollen Umgang mit KI fördern. Ergänzt wird diese Ebene durch den AI-Workplace für kollaborative Arbeit, spezialisierte Domain-Beschleuniger für branchenspezifische Anforderungen und durch maßgeschneiderte Industrielösungen.
Darunter liegt die Schicht AI-Platform-as-a-Service. Sie stellt die notwendige Umgebung für die Entwicklung, das Training und den Betrieb von KI-Anwendungen bereit. Hierzu gehört vor allem MLOps zur Automatisierung von Entwicklungs- und Betriebsprozessen.
Die KI-Orchestrierung bildet die nächste Ebene. Sie sorgt dafür, dass die zugrunde liegenden Systeme effizient zusammenarbeiten. Durch Technologien wie Virtualisierung, Containerisierung, Scheduler, Cluster- und Ressourcenmanagement werden Rechenressourcen optimal verteilt und Arbeitslasten dynamisch gesteuert.
Auf der Ebene der KI-Infrastruktur werden die zentralen Hardwarekomponenten wie CPUs, GPUs, Memory, Storage und Netzwerkkomponenten bereitgestellt, die eine hohe Rechenleistung und schnelle Datenübertragungen sicherstellen.
Die Basis des Schichtenmodells bildet das souveräne KI-Inferenz-Rechenzentrum. Es stellt das physische Fundament für den produktiven Betrieb trainierter KI-Modelle dar und verbindet Carrier-Neutralität, auditierbare Betriebsprozesse und klare Betreiberverantwortung mit einem Standort im europäischen Rechts- und Regulierungsraum. Dadurch werden Datenverarbeitung, Zugriffswege und regulatorische Anforderungen kontrollierbarer. Zugleich sinkt die Abhängigkeit von fremden Rechtssystemen. Für hochverdichtete KI-Systeme ist direkte Chip-Kühlung heute die bevorzugte Effizienzlösung, da sie Wärme unmittelbar von CPU- und GPU-Komponenten aufnimmt. Die NTT-Rechenzentren setzen darüber hinaus auf Trockenkühlung und vermeiden damit wasserverbrauchende Verdunstungskühlung. Souveränitätskonform angebundene Cloud- und Hyperscaler-Kapazitäten können die lokale Infrastruktur ergänzen, ohne die Kontrolle über kritische KI-Workloads aufzugeben.
Strukturierter Risikomanagement-Ansatz
Auf jeder Ebene bestehen spezifische Abhängigkeiten, die aber hinsichtlich der Souveränität unterschiedliche Relevanz besitzen. Der Schlüssel liegt in der Differenzierung zwischen eher unwichtigen und strategisch wichtigen Abhängigkeiten. Schließlich ist eine vollständige Autarkie weder technisch möglich noch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt sinnvoll. In der Regel bietet sich die Nutzung eines hybriden Modells an, das global verfügbare Komponenten und Standards mit lokaler Governance und Steuerung kombiniert. Auf diese Weise entsteht eine Balance zwischen Effizienz und Sicherheit.
Anhand des Schichtenmodells sollten Unternehmen daher eine Bestandsaufnahme kritischer Systeme und externer Abhängigkeiten vornehmen. Anschließend erfolgt ein Risiko-Mapping, das die Eintrittswahrscheinlichkeit von Ereignissen, das Schadenspotenzial und die Kosten von Maßnahmen berücksichtigt. Daraus können Unternehmen dann konkrete Business Cases für die jeweiligen Souveränitätsinvestitionen ableiten.
Aktueller Stand und Ausblick
Der Global AI Report 2026 von NTT DATA zeigt, dass die KI-Nutzung oft noch einen experimentellen Charakter hat: Viele Firmen testen Use Cases ohne Berücksichtigung der Governance oder konkrete Kostenanalysen. Bei ersten Pilotierungen oder Evaluierungen mag dies ausreichend sein, nicht aber, wenn es um die Implementierung von KI in die Kernprozesse eines Unternehmens geht. Je zentraler KI für die Wertschöpfung ist, desto mehr wird sie zum Wettbewerbsfaktor. Somit gewinnt der Punkt Souveränität extrem an Relevanz, denn nur eine strategische Unabhängigkeit sichert dauerhaft die Handlungsfähigkeit eines Unternehmens.
Quelle: NTT DATAWeitere Informationen zu NTT DATA finden Sie hier.
