Deutschland hat mit dem neuen Digitalministerium einen wichtigen Schritt in Richtung Verwaltungsmodernisierung getan. Doch Dänemark zeigt seit über 20 Jahren, wie eine ambitionierte Digitalstrategie funktioniert. Was Deutschland jetzt braucht: eine stabile und zukunftssichere Infrastruktur als Fundament für den digitalen Staat.
Hamburg, September 2025. Mit der Gründung des Digitalministeriums im Mai 2025 startet Deutschland die systematische Modernisierung seiner Verwaltung. Doch während Deutschland erst am Anfang steht, zeigt Dänemark, wie digitale Strategien über Jahrzehnte erfolgreich umgesetzt werden können: Seit mehr als 20 Jahren verfolgt das Land eine klare Digitalstrategie und stellt Verwaltungsleistungen effizient und durchgehend digital bereit. Für Deutschland bedeutet das: Ein leistungsfähiger digitaler Staat braucht als Fundament vor allem eine stabile, flächendeckende und zukunftssichere Infrastruktur.
Digitale Infrastruktur als Rückgrat
Dänemark erfüllt diese Anforderungen bereits fast vollständig: 98 % aller Haushalte verfügen über mindestens 100/30 Mbit/s, 94 % sogar über gigabitfähige Anschlüsse. Zusammen mit einer flächendeckenden 5G-Versorgung, selbst in abgelegenen Regionen, entsteht eine jederzeit stabile Internetverbindung. Dieses verlässliche Fundament ermöglicht es Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen, Verwaltungsleistungen digital, nahtlos und ohne Unterbrechung zu nutzen.
Deutschland dagegen hinkt hinterher. Zwar wächst der Glasfaserausbau kontinuierlich, Ende 2024 waren laut BREKO 48,8% der Haushalte angeschlossen, doch nur rund 24,5% nutzen die Anschlüsse aktiv. Gerade in ländlichen Regionen bremsen Funklöcher und langsame Leitungen digitale Verwaltungsangebote aus. Die Bundesregierung strebt bis 2030 eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser- und 5G-Netzen an, doch der Erfolg hängt von beschleunigten Genehmigungen, klaren Zuständigkeiten und höherem Tempo beim Ausbau ab.
Redundanz als Resilienzfaktor
Digitale Souveränität erfordert robuste Strukturen und damit Redundanz. In Dänemark ist dies längst Standard: Mehrfache Datenrouten, redundante Rechenzentren und alternative Zugangspunkte sichern die Funktionsfähigkeit selbst im Fall von Ausfällen oder Cyberattacken.
GlobalConnect hat diesen Prozess wesentlich geprägt. Mit über 244.000 Kilometern Glasfasernetz in Nordeuropa ermöglicht das Unternehmen pfadredundante Verbindungen, mehrfach abgesicherte Rechenzentren und Multi-WAN-Lösungen mit automatischem Failover. Das internationale Backbone stellt zudem länderübergreifende Resilienz-Konzepte bereit – ein entscheidender Faktor für international tätige Unternehmen.
Deutschland dagegen adressiert das Thema bisher nur punktuell. Zwar existieren gesetzliche Anforderungen an kritische Infrastrukturen, doch ein nationales Gesamtkonzept für digitale Resilienz mit Netzsicherheit, dezentralen IT-Strukturen und Notfallmechanismen fehlt bislang.
Digitale Identitäten: Erfolgsmodell versus Nachholbedarf
Die Nutzbarkeit digitaler Verwaltungsdienste hängt maßgeblich vom Zugang ab. In Dänemark ist MitID längst Teil des Alltags. Ob Steuererklärung, Bankgeschäfte oder Behördenkommunikation – die digitale Identität öffnet den Weg zu nahezu allen Diensten. Plattformen wie borger.dk oder virk.dk bündeln Leistungen benutzerfreundlich und klar strukturiert.
Wie weit Dänemark ist, zeigt ein Beispiel: Ab 2026 wird PostNord keine Briefe mehr zustellen, der Bedarf entfällt, da die gesamte Behördenkommunikation längst digital läuft. In Deutschland hingegen sind Faxgeräte in Ämtern weiterhin Realität.
Die deutsche eID wird zwar zunehmend aktiviert (39 % laut eGovernment Monitor 2024, 22 % mindestens einmal genutzt), doch eine breite Integration in den Alltag bleibt aus. Unterschiedliche Portale, fehlende Standards und aufwendige Prozesse reduzieren Akzeptanz und Vertrauen.
Verwaltungskultur: Service statt Bürokratie
Dänemark setzt auf eine nutzerzentrierte Verwaltung. Der Staat versteht sich als Dienstleister, verfolgt eine Digital-First-Strategie, fördert Open Data und schafft ein innovationsfreundliches Umfeld – bis hin zu Smart-City-Lösungen.
Deutschland hingegen bleibt vielfach in traditionellen Verwaltungsstrukturen gefangen. Pilotprojekte und digitale Labore entstehen, verharren aber oft in Modellregionen. Ressortdenken, fehlende Skalierbarkeit und rechtliche Unsicherheiten hemmen den Fortschritt. Eine echte Serviceorientierung ist bislang nur punktuell etabliert.
Teilhabe und Sicherheit: Grenzen beider Modelle
Auch Dänemarks Modell stößt an Grenzen: Ältere oder weniger technikaffine Bevölkerungsgruppen laufen Gefahr, abgehängt zu werden. Die ausschließliche Digitalisierung vieler Verwaltungsangebote kann Exklusion erzeugen. Deshalb sind barrierefreie Zugänge, analoge Alternativen und gezielte Unterstützung unverzichtbar.
Deutschland steht vor ähnlichen Herausforderungen, verstärkt durch den Föderalismus. Gleichzeitig wächst mit zunehmender Digitalisierung die Angriffsfläche für Cyberattacken. Während Dänemark bereits redundante Systeme und eine stabile Sicherheitsarchitektur aufgebaut hat, steht Deutschland hier erst am Anfang. Datenschutz, Datenethik und staatliche Kontrolle über kritische IT-Infrastrukturen sind für beide Länder zentrale Zukunftsthemen.
Politische Steuerung: Neustart in Deutschland
Mit dem neuen Digitalministerium bündelt Deutschland erstmals Kompetenzen für Netzausbau, digitale Verwaltung, KI, Cybersicherheit und die Umsetzung des „Deutschland-Stacks“. Damit verbunden sind weitreichende Entscheidungsbefugnisse und die Chance, fragmentierte Strukturen zu überwinden.
Dänemark profitiert seit Jahren von klarer, zentralisierter Steuerung. Politische Kontinuität und institutionelle Verankerung waren entscheidend für den Erfolg. Für Deutschland gilt es nun, nicht nur technische, sondern auch kulturelle Blockaden zu überwinden – hin zu einem agilen, nutzerorientierten Staat.
Fazit: Digitale Verwaltung braucht Haltung, Infrastruktur und Mut
Dänemark zeigt eindrucksvoll, wie digitale Verwaltung Bürokratie abbaut, Prozesse beschleunigt, Bürgerzufriedenheit erhöht und Innovation fördert. Doch auch dort ist Digitalisierung ein kontinuierlicher Prozess, der ständige Anpassungen erfordert.
Für Deutschland liegt die Chance in der klaren Steuerung durch das Digitalministerium, flankiert vom OZG 2.0, einem ambitionierten Infrastrukturausbau und einer neuen Verwaltungskultur. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Technologie mit Agilität, Nutzerorientierung und Mut zum Wandel zu verbinden. Nur dann kann Deutschland im internationalen Vergleich aufholen – und die digitale Transformation dauerhaft verankern.
Ein Gastbeitrag von Andreas Gerhardt
Experte für digitale Transformation und CEO GlobalConnect in Deutschland
Quelle: GlobalConnectMehr Informationen zu GlobalConnect finden Sie hier.
