Digitale Souveränität wird häufig mit Cloud-Standorten oder Infrastrukturentscheidungen verbunden. Laut einer aktuellen Analystenstudie der Information Services Group (ISG) greift diese Perspektive jedoch zu kurz. Entscheidend sei vielmehr das Betriebsmodell im Application Management. Besonders im Kontext von KI und steigenden Governance-Anforderungen gewinnen vertikalisierte Service-Modelle an Bedeutung.
Digitale Souveränität wird in vielen Diskussionen primär als Infrastrukturfrage betrachtet – etwa bei der Wahl von Cloud-Anbietern oder Rechenzentrumsstandorten. Eine aktuelle Analystenstudie der Information Services Group (ISG) kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass diese Perspektive im Zeitalter von KI nicht ausreicht.
Die Untersuchung, die im Auftrag des IT-Dienstleisters adesso durchgeführt wurde, analysiert Veränderungen im Application Management durch neue Technologien wie generative KI. Dabei zeigt sich laut Studie, dass zentrale Fähigkeiten wie Transparenz und Kontrolle über die eigene Systemlandschaft zunehmend vom gewählten Betriebsmodell abhängen.
Vertikalisierung im Application Management
Nach Einschätzung der Analysten verschiebt sich der Wettbewerb im Application Management zunehmend weg von reinen Skaleneffekten. Stattdessen gewinnen Branchenverständnis, Automatisierungsgrad und integrierte Governance-Strukturen an Bedeutung.
Unternehmen stehen vor der Herausforderung KI-gestützte Prozesse so in ihre IT-Landschaft einzubetten, dass Anforderungen an Compliance, Transparenz und Steuerbarkeit erfüllt bleiben. Als möglichen Lösungsansatz identifiziert die Studie ein vertikalisiertes Application Management. Dabei werden branchenspezifische Prozesse, Technologien und Governance-Strukturen enger miteinander verzahnt.
Im Rahmen der Analyse bewertet ISG auch das Angebot von adesso. Dabei heben die Analysten hervor, dass der IT-Dienstleister branchenspezifisches Prozessverständnis mit technologieoffenen Architekturen und integrierten Governance-Strukturen kombiniert.
Digitale Souveränität entsteht nach dieser Logik nicht allein durch technologische Entscheidungen. Vielmehr muss sie in der Architektur und im operativen Betrieb der IT verankert sein.
„Viele Unternehmen investieren aktuell stark in KI und Cloud“, sagt Peter de Lorenzi, Executive Director Horizontals, Platforms & Services bei der adesso SE. „Die entscheidende Frage ist jedoch, ob sie damit ihre Steuerungsfähigkeit stärken oder neue Abhängigkeiten schaffen. Digitale Souveränität bedeutet, jederzeit die Kontrolle über Prozesse, Modelle und Weiterentwicklung zu behalten – und das gelingt nur mit einem klar strukturierten, branchenspezifischen Betriebsansatz.“
Quelle: AdessoStrategische Lücke bei der Umsetzung
Dass viele Unternehmen noch am Anfang stehen, zeigt laut adesso auch der gemeinsam mit dem Handelsblatt Research Institute veröffentlichte Index Digitale Souveränität. Demnach messen 92 Prozent der befragten Unternehmen dem Thema eine hohe Bedeutung bei.
Gleichzeitig verfügen jedoch 79 Prozent über keine klar definierte Strategie zur Umsetzung. Besonders im Bereich von Cloud-, Software- und KI-Technologien bestehen weiterhin relevante Abhängigkeiten.
Diese Zahlen verdeutlichen laut Studie eine strategische Lücke. Digitale Souveränität lasse sich nicht allein über Zielbilder oder Investitionsentscheidungen erreichen, sondern müsse sich konkret im Service-Design und im Application Management widerspiegeln.
KI verändert Service-Delivery-Modelle
Die Analyse der Information Services Group zeigt außerdem, dass generative KI zunehmend Teil moderner Service-Delivery-Modelle wird. Dadurch steigen Anforderungen an Auditierbarkeit, Modellunabhängigkeit und klar definierte Verantwortlichkeiten im Betrieb.
Vertikal ausgerichtete Service-Modelle könnten diese Anforderungen adressieren, indem sie Branchenlogik und regulatorische Rahmenbedingungen direkt im Service-Design berücksichtigen. Application Management entwickle sich damit vom reinen Betriebsmodell zu einem strategischen Baustein digitaler Wertschöpfung.
Über die Studie
Die Analystenstudie der Information Services Group untersucht aktuelle Entwicklungen im Application Management und bewertet vertikalisiertes Application Management als strukturelle Antwort auf KI-Integration, Regulierung und steigende Governance-Anforderungen.
Die vollständige Studie steht ab sofort hier zur Verfügung.
Weitere Informationen zu adesso finden Sie hier.
