Der deutsche IT-Dienstleistungsmarkt bleibt auch 2025 hinter früheren Wachstumsraten zurück. Laut der aktuellen Lünendonk-Studie legten IT-Dienstleister im Inland durchschnittlich nur um 2,9 Prozent zu. Gleichzeitig verändert der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Nachfrage nach IT-Services grundlegend. Während klassische Branchen wie Automotive und Industrie schwächeln, sorgen Modernisierungsvorhaben, Cloud-Projekte und Cybersecurity für Nachfrageimpulse.
Der deutsche IT-Dienstleistungsmarkt zeigt weiterhin nur begrenzte Dynamik. Nach einem bereits schwachen Jahr 2024 blieb auch 2025 von einer nachhaltigen Belebung der Nachfrage weitgehend verschont. Wie aus ersten Ergebnissen der Lünendonk-Studie „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“ hervorgeht, erzielten die in Deutschland tätigen IT-Dienstleister im vergangenen Jahr ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 2,9 Prozent.
Neben den konjunkturellen Rahmenbedingungen beeinflusst insbesondere der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Entwicklung des Marktes. Unternehmen erwarten deutliche Produktivitätssteigerungen in der Softwareentwicklung, im IT-Betrieb und bei der Modernisierung von Anwendungen. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Nachfrage nach Dienstleistungen und auf die Personalplanung der Anbieter.
83 Prozent der befragten Anwenderunternehmen sehen in der Softwareentwicklung erhebliche Effizienzpotenziale durch KI. Weitere 70 Prozent erwarten entsprechende Vorteile im IT-Betrieb, während 52 Prozent diese bei der Modernisierung bestehender Anwendungen sehen. Vor diesem Hintergrund rechnen viele Dienstleister mit sinkendem Personalbedarf in bestimmten Bereichen. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen plant bis 2028 mit einem geringeren Bedarf an Softwareentwicklern, während 44 Prozent von einem rückläufigen Personalbedarf im Application Management und IT-Betrieb ausgehen.
Heterogene Entwicklung bei IT-Beratung und Systemintegration
Die Lünendonk-Liste der führenden IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen zeigt ein differenziertes Bild. Die 25 größten Anbieter erzielten 2025 ein organisches Umsatzwachstum von durchschnittlich 1,5 Prozent und blieben damit erstmals seit längerer Zeit hinter der Entwicklung des Gesamtmarktes zurück.
„Die Geschäftsentwicklung innerhalb der Top-25-IT-Beratungen ist sehr heterogen“, sagt Mario Zillmann, Senior Partner bei Lünendonk. „Während einige IT-Dienstleister zweistellige Wachstumsraten erzielen konnten, blieben andere deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist vor allem der Branchen-Mix und weniger das Service-Portfolio. So kamen vor allem aus dem dominierenden Industriesektor auch im Jahr 2025 aufgrund der konjunkturellen Gesamtlage nur wenige neue Impulse für höhere IT-Investitionen“.
An der Spitze des Rankings bleibt Accenture mit einem von Lünendonk geschätzten Deutschlandumsatz von 3,6 Milliarden Euro. Dahinter folgen Capgemini mit 2,24 Milliarden Euro und IBM mit 2,22 Milliarden Euro Umsatz im deutschen Markt.
Zu den wachstumsstärksten Unternehmen zählen conet mit einem Umsatzplus von 15,8 Prozent sowie adesso mit 15,3 Prozent Wachstum. Auch valantic und Cosmo Consult legten zweistellig zu. Neu im Ranking vertreten sind Cosmo Consult sowie EPAM.
Unter den zehn größten Anbietern mussten dagegen MHP und Sopra Steria deutliche Umsatzrückgänge hinnehmen. Materna konnte hingegen mit einem Wachstum von 9,7 Prozent seine Position verbessern und auf Rang acht vorrücken.
IT-Service-Markt entwickelt sich ähnlich verhalten
Auch im Segment der IT-Service-Unternehmen blieb das Wachstum überschaubar. Die Anbieter steigerten ihre Umsätze organisch um durchschnittlich 1,4 Prozent.
T-Systems behauptet weiterhin die Spitzenposition mit einem Deutschlandumsatz von rund 2,95 Milliarden Euro. Auf Platz zwei folgt NTT Data trotz eines Umsatzrückgangs von 8,7 Prozent.
Auffällig ist die veränderte Einordnung einiger internationaler Anbieter. Infosys und Wipro werden erstmals dem Segment IT-Service zugeordnet, da ihr Schwerpunkt in Deutschland mittlerweile stärker auf IT-Operations-Leistungen liegt. Während Infosys seinen Umsatz um 13 Prozent steigern konnte, verzeichnete Wipro einen Rückgang um 7,8 Prozent.
Zu den Unternehmen mit den höchsten Wachstumsraten zählen zudem HCL, Tech Mahindra, akquinet und TechniData. Neu in der Liste vertreten sind Spirit/21 und LTIMindtree.
CIOs priorisieren Innovationen und Transformation
Trotz der insgesamt verhaltenen Marktentwicklung blieb die Nachfrage nach externen IT-Dienstleistungen in mehreren Bereichen hoch. Besonders gefragt waren Projekte zur IT-Modernisierung, S/4HANA-Einführungen sowie Cloud-Transformationen.
„Die Nachfrage nach KI-Lösungen war zwar sehr hoch, die Projektvolumina sind derzeit jedoch noch vergleichsweise gering. Das wird sich in den kommenden Jahren allerdings mit zunehmenden KI-Reifegrad in den Unternehmen verändern“, beschreibt Zillmann die Struktur der Nachfrage im Jahr 2025.
Die von Lünendonk befragten IT-Verantwortlichen setzen für die Jahre 2026 und 2027 klare Prioritäten. Zu den wichtigsten Themen zählen:
- Cyber Security
- IT-Modernisierung
- Cloud-Transformation
- IT-Integration
- Digitale Souveränität
- Data & AI
55 Prozent der CIOs rechnen mit steigenden IT-Budgets, weitere 36 Prozent erwarten stabile Ausgaben auf hohem Niveau. Gleichzeitig verschiebt sich die Mittelverteilung. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen wollen zusätzliche Mittel für Innovationen und Modernisierungsprojekte bereitstellen, während nur 23 Prozent höhere Ausgaben für den laufenden IT-Betrieb planen.
„CIOs müssen in konjunkturell schwachen Zeiten mehr aus ihrem zur Verfügung stehenden Budget rausholen und setzen dabei auf Automatisierung und Künstliche Intelligenz“, kommentiert Mario Zillmann die Budgetplanungen. „Gerade im IT-Betrieb zeigen sich bereits heute enorme Einsparpotenziale durch KI-basierte Delivery-Modelle – Kapital, das in die notwendigen Transformationsaufgaben investiert werden kann“.
Vorsichtiger Ausblick auf 2026
Für das laufende Jahr bleiben die Erwartungen der IT-Dienstleister grundsätzlich positiv, allerdings deutlich verhaltener als noch vor zwölf Monaten. Im Durchschnitt rechnen die Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von 7,5 Prozent. Anfang 2025 lag die Prognose für das Folgejahr noch bei 10,4 Prozent.
Die Ergebnisse der Lünendonk-Studie deuten damit auf einen Markt hin, der weiterhin von Unsicherheit geprägt ist. Während Digitalisierung, Cloud-Projekte und KI-Initiativen langfristig Wachstumspotenziale schaffen, bremsen die schwache Konjunktur und steigende Effizienzanforderungen die kurzfristige Entwicklung. Insbesondere der zunehmende Einsatz von KI dürfte die Geschäftsmodelle und Personalstrukturen vieler IT-Dienstleister in den kommenden Jahren nachhaltig verändern.
Die Lünendonk-Studie „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“ steht voraussichtlich ab Ende Juli 2026 kostenfrei unter www.luenendonk.de zur Verfügung.
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