Daten so aufzubereiten, dass sie an jedem Unternehmensstandort aktuell und abrufbar sind, ist eine wichtige Aufgabe für den reibungslosen, geschäftlichen Ablauf. Auch dienen ihre Kopien im Falle einer Störung der Wiederherstellung. Wie Unternehmen die Datenreplikation im Zeitalter der Digitalen Transformation und unter dem Einfluss von KI bewerkstelligen können, darüber sprach MIDRANGE mit Andreas Kandlbinder, Senior Consultant und Experte für Datenreplikation bei mip.
Hallo Herr Kandlbinder, wir wollen heute über Datenreplikation sprechen. Fangen wir vorne an: Was ist das ?
Ganz einfach erklärt, die Datenreplikation ist dazu da, um Daten zwischen mehreren IT-Systemen, im Normalfall Datenbanken, in nahezu Echtzeit miteinander zu synchronisieren.
Welche Vorteile bringt es, wenn ich dies einsetze?
Datenreplikation bietet eine ganze Menge an Vorteilen, insbesondere bei nächtlichen ETL-Jobs, wenn Daten extrahiert, transformiert und geladen werden müssen. Das ist auch der Einsatzbereich, der mir in den Projekten mit meinen Kunden am häufigsten begegnet. Damit erfolgt die Verteilung der Last auf mehrere Server. Das ist besonders bei nächtlichen ETL-Jobs nützlich, die oft große Datenmengen verarbeiten müssen. Dadurch reduziert man den Traffic über den Tag, entlastet die Produktivserver und auch die Quellserver.
Ausfallsicherheit ist auch ein großes Thema. Durch die Replikation von Daten auf mehrere Server oder Standorte wird die Verfügbarkeit der Daten erhöht. Falls mal ein Server ausfällt, können die ETL-Jobs weiterhin auf die replizierten Daten zugreifen, und das stellt die Zuverlässigkeit der Prozesse sicher.
Ein anderer Vorteil ist ganz klar, dass die Daten nahezu in Echtzeit auf verschiedene Systeme repliziert werden können und zur Verfügung stehen. Wie zum Beispiel bei einem Reporting-Server wie Cognos oder andere. Da kann gleich auf die Live-Daten der Produktion zugegriffen werden.
Zusammengefasst kann ich sagen, dass die Schwerpunkte der Datenreplikation hauptsächlich in der Entlastung der Systeme und der sofortigen Verfügung der Daten auf anderen Systemen liegen. Vor allem auch, wenn die Server in verschiedenen Ländern stehen, außerhalb Europas, dann sind die Themen Entlastung und Transferzeiten wichtig.
Können Sie etwas dazu sagen, seit wann Sie mit Lösungen für dieses Gebiet auf dem Markt sind und aus welchen Industriebereichen Ihre Kunden stammen?
Ich bin seit 2010 bei der mip als Consultant tätig und solange begleite ich auch unsere Kunden bei ihren Datenreplikationsprojekten. Und diese kommen tatsächlich über die Jahre aus den unterschiedlichsten Branchen. Da fallen mir Kunden ein aus der Chemie und Bauindustrie, aus der Fabrikautomation, Handelsgesellschaften, einige Logistiker, aus dem Banking, aus dem Tourismusbereich, Automobilzulieferer und nicht zuletzt, ein deutscher TV-Privatsender.
Welche Quell- und Zielsysteme können Sie bedienen?
Zunächst kann ich sagen, die gängigsten Datenbanken, die einen Datenbank-Log-Mechanismus haben, wie Db2 von IBM, Informix, Oracle oder Microsoft SQL-Server. My SQL, Postgres SQL, zOS, IBM i, das sind die, die so gut wie jeder kennt. Die können sowohl als Quelle als auch als Ziel eingesetzt werden, unabhängig davon, ob inhouse oder in der Cloud. Von den Applikationen, die nur als Ziel eingesetzt werden, ist zum Beispiel Kafka sehr gängig und erwähnenswert, denn diese kann nur Daten empfangen, aber keine Daten weitergeben. Aber es gibt eine ganze Anzahl weiterer Quell- und Zielsysteme. Eine aktuelle Liste dazu gibt es auf Anfrage gerne bei uns.
Wie läuft das ab, wenn ich als Kunde loslegen möchte? Befähigen Sie mich zur Datenreplikation, nutze ich eine Software aus Ihrem Haus oder bieten Sie das Ganze auch als Service an?
Wir nutzen in unserem Haus die Replikationssoftware der IBM als technologischen Unterbau.
Aber zunächst werden wir zusammen mit dem Kunden analysieren, welchen Bedarf er überhaupt hat. Welche Quellsysteme hat er und welche Zielsysteme will er bedienen? Dann erfolgt in der Regel ein Proof of Concept (PoC), um sicherzustellen, dass alles realisierbar ist und erfolgreich umgesetzt werden kann. Manchmal sind die Kunden auch vorher so gut informiert und kennen gegebenenfalls schon die Software, dann kann man auch gleich mit der Implementierung beginnen. Es erfolgt die Installation der Software auf den Quell- und Zielsystemen und die Ersteinrichtung der Replikation. Zum Wissensaufbau bieten wir einen Workshop an, der alles Wesentliche vermittelt. Die Dauer hängt davon ab, welche Anforderungen der Kunde hat. Das ist vorteilhaft, wenn der Kunde die Replikation selbst betreiben will.
Doch es gibt Kunden, die die Replikation nicht selbst betreiben und für diese Interessenten haben wir ein spezielles Data Replication as a Service Angebot. Damit übernehmen wir die Implementierung, Überwachung und Optimierung der Datenreplikation und unsere Kunden sparen damit Ressourcen, Zeit und Geld.
In diesem Fall bieten wir Add-ons, welche die Replikationsstrecken monitoren und überwachen, damit alles reibungslos übertragen wird. Ein entsprechendes Dashboard mit einem sogenannten Health Check stellt das sicher. Die Datenreplikation generiert viele Log-Dateien, die man abfragen kann, um Ereignisse festzustellen. Zum Beispiel, wie viele Daten werden gerade übertragen oder wo sind Schwierigkeiten aufgetreten? Das ist mit dem Einsatz der Software nur eine Momentaufnahme. Wir generieren Blogs aus diesen Metriken, die Data Replication so nicht bietet und das out of the box. So ist ein Vorteil unserer Lösung, dass wir eine Historie erstellen, mit der man eine ganze Reihe an KPIs – wie Anzahl aktiver Replikationen, Anzahl replizierter Datensätze, Durchsatzrate, Systemzustand usw. – über einen Zeitraum abfragen kann.
Dazu kommen eine Reihe weiterer Vorteile wie das Einspielen von Fixes und Updates, eine Hotline zur Fehlerannahme, der 1st und 2nd-Level-Support oder das kontinuierliche Prüfen der Quell- und Zielsysteme.
Die Nutzungsgebühr für unser Servicepaket wird monatlich abgerechnet. Es bietet die Nutzungsberechtigung für die IBM-Software, hat flexible Bedingungen und Preise und sorgt zudem für eine Audit-konforme Lizenzierung. Unsere Vertriebsmannschaft erstellt hierzu individuelle Verträge je nach Anforderungen unserer Kunden.
Mir scheint, einen speziellen Fokus legen Sie auf IBM Data Replication. Was sind die Vorteile dieses Tools?
In den vielen Jahre, die ich mit IBM Data Replication arbeite, hat sich eines gezeigt: Das Tool ist einfach zu bedienen, schnell und unglaublich zuverlässig. Der Mechanismus der Replikation ist sehr ausgeklügelt und es wird sichergestellt, dass wir keine Daten verlieren. Sprich, während der Replikation werden die LOG IDS von der Quelle auf die Ziele mitgeschrieben. Das ist unglaublich hilfreich, wenn doch mal der Fall eines Abbruches eintritt. Dann weiß man ganz genau, welche Logposition auf der Quellseite bisher nicht gelesen wurde und kann einfach wieder aufsetzen. Die meisten Systeme merken sich nicht die Logposition, sondern den Zeitstempel, was viel ungenauer ist.
Sie sehen ja im Markt so einiges. Wo steht die deutsche Wirtschaft denn Ihrer Erfahrung nach beim Thema Daten und Data Management?
Dass das Thema Daten, die Auswertungen und der Umgang damit heute für die Unternehmen mehr als wichtig ist, steht außer Frage und ich glaube, darüber sind sich auch die meisten bewusst. Die Unternehmen, die sich erfolgreich am Markt behaupten, haben eine Datenstrategie aufgebaut und ziehen daraus den Nutzen und Mehrwert. Um das schaffen zu können, ist ein solides und sicheres Datenmanagement notwendig. Dazu gehört eben eine zuverlässige und leistungsstarke Replikationslösung. Auch im Hinblick darauf, dass immer mehr Daten zusammenspielen müssen und zu integrieren sind, und das hat nicht unbedingt immer was mit der Firmengröße zu tun.
Ist auch das omnipräsente Thema Künstliche Intelligenz für Unternehmen oftmals der Grund, sich mit dem Thema Daten mal richtig auseinanderzusetzen?
Wie zuvor erwähnt, tun die Unternehmen gut daran, sich auch ohne den Einsatz der Künstlichen Intelligenz mit den Daten auseinanderzusetzen. Wenn Daten in einem vernünftigen Zustand vorliegen, dann kann man sehr viel auswerten, auch ohne KI, so wie es die Firmen schon seit Jahrzehnten machen.
Die KI kommt jetzt noch on top und da stehen wohl viele Unternehmen am Anfang. KI ist allgegenwärtig und jeder will KI einsetzen, aber oft fehlt es an den Use Cases. Es gibt auch noch einiges an Herausforderungen hinsichtlich der Datenmenge, der Formate und der Qualität, die für KI-Modelle und Anwendungen gebraucht werden. Dazu kommt der Invest an Manpower und Budget, der für viele kleinere Unternehmen zur Hürde wird. Aber schlussendlich wird uns das Thema KI nicht mehr verlassen und die Unternehmen können sich dem Einfluss nicht entziehen. Wir beraten unsere Kunden dahingehend, ob und wie sie KI im Unternehmen erfolgreich einsetzen können.
Können Sie ein positives Beispiel aus der Praxis nennen? Vielleicht ein Unternehmen, das aufgrund der erfolgreichen Datenreplikation ganz neue Anwendungen oder Geschäftsmodelle schaffen konnte?
Ich glaube, die Stärke einer guten Datenreplikation liegt nicht unmittelbar darin, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, aber sie hilft Unternehmen dabei, wichtige Prozesse am Leben zu erhalten und damit die Wertschöpfung zu sichern. Einer unserer Kunden nutzt die Replikation, um die Produktionslinien im Vorfeld mit Daten zu versorgen. So können im Falle eines Ausfalls der Server oder das Netzwerk die Linien standalone produzieren, bis der Schaden behoben ist. Somit können Sie ca. einen Tag weiterproduzieren, ohne mit dem Hauptsystem verbunden zu sein und sichern sich dadurch die Aufträge und das länderübergreifend.
Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview Herr Kandlbinder.
Quelle: mip
