Im Jahr 2026 steigen für Unternehmen die regulatorischen Anforderungen deutlich: Neue EU-Richtlinien wie CSDDD und NIS2 verlangen nicht nur Nachweispflichten in Echtzeit, sondern machen Führungskräfte persönlich haftbar. Wer seine Prozesse jetzt nicht anpasst, riskiert Millionenbußgelder. Oliver Riehl von NAVEX erklärt, wie sich Unternehmen rechtzeitig absichern – und Compliance sogar als strategischen Vorteil nutzen können.
Mit dem neuen Jahr beginnt für tausende Unternehmen in Deutschland eine neue Ära der Compliance. Mehr als 30.000 Betriebe sind 2026 von einer Welle verschärfter EU-Vorgaben betroffen – allen voran von der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD), der NIS2-Richtlinie, dem AI Act und dem Cyber Resilience Act. Diese Regelwerke fordern deutlich mehr als nur formale Richtlinien: Sie verlangen transparente Prozesse, technische Nachweise der Wirksamkeit und eine Echtzeit-Meldung von Sicherheitsvorfällen. Die Folge: Bußgelder in Millionenhöhe und erstmals auch persönliche Haftungsrisiken für Geschäftsleitungen.
Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei NAVEX, warnt:
„Laut den Daten unseres State of Risk and Compliance Report 2025 hatten bereits fast ein Drittel der deutschen Unternehmen Schwierigkeiten bei der Umsetzung von EU-Vorschriften. Mit dem Hinzukommen weiterer Regelungen dürfte sich die Situation noch weiter verschärfen.”
Quelle: NavexMeldepflichten und Kontrollnachweise – die neuen Anforderungen im Überblick
Insbesondere die NIS2-Richtlinie verschärft die Erwartungen an Unternehmen erheblich. Sicherheitsrelevante Vorfälle müssen in der Regel binnen 24 Stunden gemeldet werden. Parallel dazu ist eine technische Nachweisbarkeit der Schutzmaßnahmen erforderlich. Wer hier nicht vorbereitet ist, riskiert empfindliche Strafen – oder verliert im Ernstfall das Vertrauen von Geschäftspartnern und Kunden.
Riehl betont:
„Um diese Anforderungen zu erfüllen, müssen Unternehmen ihre Prozesse so optimieren, dass Verstöße in diesem Jahr in Echtzeit dokumentiert werden. Nur so können sie den Behörden gegenüber jederzeit prüffähige Nachweise erbringen.”
NIS2: Verantwortung rückt in die Chefetagen
Besonders weitreichend sind die Auswirkungen der NIS2-Richtlinie: Sie verpflichtet Unternehmen, sicherheitsrelevante Vorfälle in der Regel innerhalb von 24 Stunden zu melden – und verlangt gleichzeitig, dass sie die Wirksamkeit ihrer Schutzmaßnahmen technisch nachweisen können. Dabei reicht es nicht mehr aus, Prozesse einmalig zu definieren. Vielmehr wird erwartet, dass Unternehmen Risiken aktiv steuern – inklusive Echtzeit-Monitoring und dokumentierter Reaktion. Wer die Umsetzung der Sicherheitsstandards nicht aktiv überwacht und steuert, kann im Rahmen der nationalen Umsetzung persönlich haftungsrelevant werden.
Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Führungskräfte. Unternehmen müssen klare Strukturen schaffen, Zuständigkeiten definieren und interne Kontrollmechanismen etablieren. Auch regelmäßige Schulungen gehören dazu. Besonders in internationalen Organisationen empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit spezialisierten Anbietern, die Inhalte gesetzeskonform aufbereiten und rechtssichere Schulungsnachweise liefern.
Compliance wird strategisch – nicht nur juristisch
2026 markiert laut NAVEX den Übergang von reaktiver zu vorausschauender Compliance. Anstatt lediglich auf Regelverstöße zu reagieren, setzen moderne Unternehmen zunehmend auf präventive Steuerung – unterstützt durch KI-basierte Systeme. Diese analysieren Daten aus Vorfällen, Beschwerden und Geschäftsprozessen und identifizieren Risiken, bevor sie eskalieren. Dieses Jahr markiert voraussichtlich den Übergang von reaktivem Handeln hin zu vorausschauender Compliance.
Ein weiteres Beispiel ist die Weiterentwicklung interner Hinweisgebersysteme: Diese dienen nicht mehr nur der Meldung von Verstößen, sondern liefern wertvolle Daten zur Schwachstellenanalyse. In der Folge entstehen neue organisationsübergreifende Teams, die Compliance, IT-Security und Produktentwicklung zusammenbringen. Ziel ist es, Prozesse und Produkte von Anfang an regelkonform zu gestalten – was langfristig nicht nur Kosten reduziert, sondern auch Innovation absichert. Auf diese Weise wird Compliance von einer ungeliebten Pflicht zu einem echten Gewinnbringer.
Lieferkettengesetz wird durch CSDDD verschärft
Auch in der Lieferkette steigt der Handlungsdruck. Mit der schrittweisen Umsetzung der CSDDD bis 2027 wird das bisherige Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) deutlich verschärft. Künftig müssen Unternehmen nicht nur Risiken identifizieren, sondern die konkreten Ergebnisse ihrer Compliance-Maßnahmen nachweisen – etwa in Bezug auf Arbeitsrechte, Umweltstandards oder Klimaauflagen.
„Die Vertragsklauseln in Bezug auf Menschenrechte und Klimaschutz werden wesentlich strenger“, erklärt Riehl. „Zudem werden konkrete Nachweise über die Ergebnisse von Compliance-Maßnahmen verlangt, anstelle rein formeller Pflichten.”
Bußgelder von bis zu fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes sind vorgesehen. Für viele Mittelständler wäre das existenzbedrohend. Umso wichtiger ist es, frühzeitig belastbare Strukturen aufzubauen, Kennzahlen zu erfassen und Risiken auch in der Lieferkette systematisch zu bewerten. Unternehmen, die sich bereits 2026 gründlich auf die Auswirkungen der CSDDD vorbereiten, [werden] im Vorteil sein. Sie können nicht nur finanzielle Strafen vermeiden, sondern auch Reputationsschäden und Kundenverlust vorbeugen und damit ihren Fortbestand sichern.
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