KI hat sich in kürzester Zeit vom Innovationsprojekt zum strategischen Muss für Unternehmen entwickelt. Doch der Wandel bringt massive Herausforderungen mit sich. CEOs müssen unter Hochdruck fundierte Entscheidungen treffen, Strukturen anpassen, Talente gewinnen und gleichzeitig Technologie nutzbar machen. Die neue IBM-Studie liefert einen aktuellen Lagebericht, wie Unternehmenslenker diesen Spagat meistern und wo sie an ihre Grenzen stoßen.
Die neueste Studie vom IBM Institute for Business Value, welche in Kooperation mit Oxford Economics durchgeführt wurde, beleuchtet die strategischen Prioritäten und Herausforderungen von CEOs im KI-Zeitalter. Befragt wurden dafür 2.000 CEOs aus 33 Ländern, 24 Branchen, im Zeitraum von Februar bis April 2025. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt, unklarer Infrastruktur und steigenden Anforderungen an Führung und Talentmanagement.
KI-Investitionen im Aufwind
Laut Studie erwarten CEOs, dass sich das Wachstumstempo von KI-Investitionen in den kommenden zwei Jahren verdoppeln wird. Bereits 61 Prozent der Unternehmen nutzen aktiv KI-Agenten und bereiten deren Skalierung vor. Bis 2027 rechnen 85 Prozent mit einem positiven ROI durch Effizienzgewinne, 77 Prozent erwarten diesen durch Wachstum und Expansion. Allerdings haben bislang nur 16 Prozent eine unternehmensweite Skalierung erreicht, lediglich 25 Prozent den angestrebten ROI realisiert.
Daten als Schlüsselressource – doch Infrastruktur hinkt hinterher
CEOs sehen eine robuste Datenstrategie als entscheidend für den KI-Erfolg. Die Realität sieht oft anders aus: 50 Prozent der Unternehmen kämpfen mit fragmentierter, unkoordinierter Infrastruktur als Folge überhasteter Investitionen. 68 Prozent halten eine integrierte Datenarchitektur für die Grundlage funktionsübergreifender Zusammenarbeit. 72 Prozent sehen in proprietären Daten das Fundament für den effektiven Einsatz generativer KI. Dennoch mangelt es häufig an der technischen Basis.
Zwischen ROI-Druck und Innovationsstrategie
Zwei Drittel der CEOs priorisieren KI-Projekte nach potenziellem ROI. Gleichzeitig haben 59 Prozent Schwierigkeiten, bei unerwarteten Veränderungen zwischen operativen Aufgaben und Innovationsvorhaben zu balancieren. 67 Prozent wünschen sich mehr Budgetflexibilität, um digitale Chancen gezielter zu nutzen. Nur 37 Prozent verfolgen beim Technologietransfer die Devise „schnell und falsch“ statt „richtig und langsam“.
Fachkräftemangel und Führung als Wachstumshebel
Die Umsetzung erfolgreicher KI-Projekte hängt stark von Führung und Talentmanagement ab. 69 Prozent der CEOs sehen den Unternehmenserfolg direkt mit einer diversen, strategisch denkenden Führungsriege verbunden. 67 Prozent betonen, dass Differenzierung davon abhängt, ob Expertise an den richtigen Positionen mit passenden Anreizen verankert ist.
Als größte Innovationshürden nennen CEOs:
- Mangelnde bereichsübergreifende Zusammenarbeit
- Risikoaversion und Widerstand gegen Veränderung
- Fehlendes Fachwissen und Know-how
Zur Überbrückung von Qualifikationslücken setzen 65 Prozent auf Automatisierung. 31 Prozent der Belegschaft müssen laut Studie in den nächsten drei Jahren umgeschult oder neu qualifiziert werden. Bereits heute gibt es laut 54 Prozent der CEOs KI-bezogene Stellen, die vor einem Jahr noch nicht existierten.
Fazit: Führung mit KI und Augenmaß
Die IBM CEO-Studie 2025 macht deutlich: KI ist ein strategischer Imperativ. Nur Unternehmen mit klarer Datenstrategie, Investitionsmut, Innovationskultur und gezieltem Kompetenzaufbau werden nachhaltige Wettbewerbsvorteile realisieren.
Gary Cohn, Vice Chairman von IBM, betont: „Wenn das Geschäftsumfeld unsicher ist, ist es ein Wettbewerbsvorteil, […] KI zusammen mit Unternehmensdaten zu nutzen, um […] einen entscheidenden Mehrwert erzielen zu können.“ Wer KI nicht strategisch einsetzt, trifft laut Cohn eine „bewusste Entscheidung gegen die eigene Wettbewerbsfähigkeit“.
Auch Mohamad Ali, Senior Vice President und Leiter von IBM Consulting, warnt: „CEOs müssen bei der Einführung von KI eine Balance zwischen dem Druck auf kurzfristigen ROI, und der Notwendigkeit der langfristigen Investition in Innovationen finden.“
