Die Cloud bleibt wichtig, verliert aber ihren Alleinanspruch. Laut einer aktuellen Studie von Cloudian planen viele Unternehmen, ihre On-Premises-Infrastruktur auszubauen. Gründe sind steigende Kosten, Anforderungen an Datensouveränität und neue KI-Workloads. Statt eines klaren Trends zeigt sich eine differenzierte Hybridstrategie. Unternehmen justieren ihre Cloud-Nutzung zunehmend gezielt nach.
Die Nutzung von Public-Cloud-Angeboten galt lange als strategische Einbahnstraße. Neue Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass viele Unternehmen ihre Entscheidungen überdenken und ihre IT-Landschaften neu ausbalancieren. Eine Studie von Cloudian zeigt, dass die Rückverlagerung von Workloads ins eigene Rechenzentrum deutlich an Bedeutung gewinnt.
So planen 89 Prozent der befragten Unternehmen, ihre On-Premises-Infrastruktur in den kommenden zwei Jahren auszubauen. Gleichzeitig haben bereits 75 Prozent in den vergangenen zwei Jahren Workloads zumindest teilweise aus der Public Cloud zurückgeholt. Auffällig ist dabei: Die befragten Organisationen zählen überwiegend zu erfahrenen Cloud-Anwendern mit hohem Nutzungsgrad.
Strategiewechsel statt Cloud-Abkehr
Die Ergebnisse sprechen weniger für eine Abkehr von der Cloud als für eine differenziertere Nutzung. Viele Unternehmen setzen weiterhin auf Cloud-Services, kombinieren diese jedoch gezielter mit eigenen Infrastrukturen.
„Hier geht es nicht darum, dass Unternehmen der Cloud den Rücken kehren“, sagt Sascha Uhl, Senior Solutions Architect Channels and Alliances von Cloudian. „Es geht darum, dass sie ihre Workload-Platzierung intelligenter gestalten. Unternehmen wissen inzwischen, wo die Cloud funktioniert und wo nicht. Die Daten zeigen klar, dass On-Premises bei Workloads mit hohen Anforderungen an die Datensouveränität, bei KI-intensiven Anwendungen und bei großvolumiger Datenspeicherung oft die bessere Wahl ist.“
Quelle: CloudianGerade bei datenintensiven oder sensiblen Anwendungen zeigt sich, dass klassische Cloud-Modelle nicht immer optimal sind. Stattdessen gewinnt die gezielte Verteilung von Workloads an Bedeutung.
Datensouveränität als zentraler Treiber
Ein wesentlicher Faktor für die Neuausrichtung ist die Datensouveränität. Nahezu alle befragten Unternehmen messen diesem Thema eine hohe Bedeutung bei.
99 Prozent geben an, dass Datensouveränität mindestens eine mittlere Rolle spielt, für 82 Prozent ist sie sogar ein zentraler Treiber. Gleichzeitig äußern 59 Prozent Bedenken hinsichtlich möglicher Zugriffe durch Cloud-Anbieter, etwa für Analysen oder das Training von Modellen.
„Die Compliance-Anforderungen sind deutlich komplexer geworden und haben sich schneller entwickelt als die Infrastrukturangebote der meisten Cloud-Anbieter“, sagt Uhl. „Wenn sich Anforderungen an Data Residency nicht sauber mit verfügbaren Cloud-Regionen abbilden lassen, ist On-Premises keine Legacy-Option mehr, sondern oft die einzig praktikable Lösung.“
Zusätzlichen Druck erzeugen regulatorische Entwicklungen: 45 Prozent der Unternehmen berichten von neuen Einschränkungen bei grenzüberschreitenden Datenübertragungen.
Kosten werden zum kritischen Faktor
Neben regulatorischen Anforderungen spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine zentrale Rolle. Viele Unternehmen sehen sich mit deutlich höheren Cloud-Kosten konfrontiert als ursprünglich geplant.
84 Prozent der Befragten überschreiten ihr Budget für Cloud-Speicher, knapp jedes fünfte Unternehmen sogar um mehr als 30 Prozent. Haupttreiber sind Data-Egress-Gebühren, steigende Datenmengen und höhere Preise für spezifische Regionen.
„Gerade Data-Egress-Gebühren sind für Unternehmen mit großen, aktiven Datensätzen zu einem erheblichen Kostenfaktor geworden“, sagt Sascha Uhl. „Die Kalkulation, die die Cloud für frühe Projektphasen oder variable Workloads attraktiv gemacht hat, funktioniert nicht mehr, wenn Petabytes gespeichert und regelmäßig genutzt werden.“
KI verstärkt den Trend
Ein zusätzlicher Beschleuniger dieser Entwicklung ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. 85 Prozent der Unternehmen geben an, dass KI-Anforderungen ihre Entscheidung zugunsten von On-Premises beeinflussen.
Insbesondere bei Latenzanforderungen und beim Umgang mit sensiblen Trainingsdaten stößt die Cloud an Grenzen. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht Defizite bei der Inferenzleistung in der Cloud, während 52 Prozent ihre Trainingsdaten aus Compliance-Gründen lokal vorhalten müssen.
„KI ist der entscheidende Beschleuniger“, verdeutlicht Uhl. „Unternehmen, die bei klassischen Workloads noch mit suboptimalen Cloud-Kosten oder Kompromissen bei der Datensouveränität leben konnten, akzeptieren diese Abwägungen bei KI nicht mehr. Die Anforderungen an Latenz sind höher, die Daten sensibler und die Kosten im großen Maßstab schwerer tragbar.“
Hybrid wird zur Zielarchitektur
Trotz der Rückverlagerung bleibt die Cloud ein zentraler Bestandteil moderner IT-Strategien. Rund 30 Prozent der Unternehmen bauen ihre Cloud-Nutzung sogar weiter aus.
Das dominante Modell ist daher nicht „Cloud oder On-Premises“, sondern eine gezielte Kombination beider Welten. Unternehmen entscheiden zunehmend differenziert, welche Workloads wo betrieben werden.
„Hybrid ist kein Kompromiss mehr, sondern eine bewusste Strategie“, resümiert Uhl. „Unternehmen, die das erfolgreich umsetzen, entscheiden sehr bewusst, welche Workloads wo laufen und warum: Die Cloud für flexible, unvorhersehbare Anforderungen und On-Premises für alles, was planbare Kosten, niedrige Latenz und klare Datenhoheit erfordert.“
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