Microsoft treibt den Ausbau seines KI-Ökosystems konsequent voran und setzt dabei auf KI-Agenten, die eigenständig agieren können und sich tief in Prozesse einfügen. Tomislav Karafilov, Principal Consultant bei SoftwareOne Deutschland GmbH, beschreibt Mehrwerte und Voraussetzungen, die Unternehmen beachten sollten.
Mit der Einführung von Microsoft 365 Copilot wurde zunächst eine Brücke zwischen generativer KI und produktiver Arbeit geschlagen. Copiloten erstellen Inhalte, fassen Informationen zusammen und unterstützen die tägliche Kommunikation. Sie bleiben jedoch reaktiv und reagieren nur auf Anfragen. Die nächste Entwicklungsstufe setzt früher an: KI-Agenten initiieren Aufgaben selbstständig, bewerten Kontexte und verfolgen definierte Ziele.
Dafür verzahnt Microsoft die Umgebung von Microsoft 365 Copilot zunehmend mit spezialisierten Entwicklungsplattformen, die eine differenzierte Steuerung der Agenten erlauben. Für einfache KI-Agenten-Anwendungsfälle steht der Agent Builder als Low-Code-Tool innerhalb der gewohnten Copilot-Oberfläche bereit. Unternehmen können damit deklarative Agenten definieren, etwa für IT-Support, HR-Services oder SharePoint-gestützte Informationsprozesse. Für komplexere Anforderungen bietet das Copilot Studio erweiterte Möglichkeiten. Hier lassen sich mehrstufige Agenten mit eigener Logik, API-Anbindung und Systeminteraktion entwickeln. In Verbindung mit Microsoft Graph, der zentrale Unternehmensdaten erschließt, entstehen neue Automatisierungsoptionen. Ergänzt wird das Angebot durch vorgefertigte Agenten für Standardprozesse, die Microsoft kontinuierlich erweitert.
Externe Systeme nahtlos einbinden
Ein wesentlicher Aspekt dieser Entwicklung ist die zunehmende Offenheit des Microsoft-Ökosystems. Über standardisierte Schnittstellen wie das „Model Context Protocol“ (MCP) lassen sich unterschiedlichste Plattformen wie Salesforce oder ServiceNow einbinden, sodass Agenten kontextbezogene Informationen auch über Systemgrenzen hinweg nutzen können. Parallel arbeitet Microsoft mit NLWeb an einem offenen Webstandard, der es Agenten erlaubt, in natürlicher Sprache mit Webinhalten zu interagieren. Sicherheit und Governance sind dabei fest verankert.
Der von Microsoft in Copilot integrierte Responsible AI Layer stellt sicher, dass sämtliche KI-Aktivitäten mit definierten Richtlinien übereinstimmen. Kombiniert mit den Möglichkeiten von Microsoft Purview, beispielsweise Sensitivity Labels, können Unternehmen präzise festlegen, auf welche Daten Agenten zugreifen dürfen und welche Inhalte ausgeschlossen werden, etwa personenbezogene Informationen oder sensible Finanzdaten. Die Integration in Microsoft Purview bietet erweiterte Möglichkeiten zur Überwachung und Steuerung. So lassen sich regulatorische Anforderungen wie der DSGVO oder dem EU AI Act technisch leichter absichern.
Lizenzmodell passend zum KI-Einsatz wählen
Auch die Lizenzierung folgt einer klaren Strategie. Während einfache Copilot-Funktionen im Rahmen bestehender Microsoft-365-Abonnements kostenfrei verfügbar sind, erfordern leistungsstarke Agentenfunktionen zusätzliche Ressourcen und optionale Add-ons. Microsoft setzt verstärkt auf nutzungsbasierte Abrechnung, was Flexibilität verspricht, aber auch neue Anforderungen an Kostenkontrolle und Monitoring stellt. Unternehmen sollten daher frühzeitig ein Lizenzmodell wählen, das zu ihrer Nutzungsstrategie passt. Die Beratung durch einen externen CSP-Partner kann helfen, günstigere Konditionen zu erzielen und versteckte Kostenrisiken zu erkennen.
Ob sich Microsoft 365 Copilot und die neuen Agentenfunktionen lohnen, hängt weniger von der Technologie selbst als vom konkreten Anwendungsfall und der Integration in Unternehmensprozesse ab. KI entfaltet ihren Nutzen dort, wo Prozesse klar definiert, Ziele präzise formuliert und Daten strukturiert zugänglich sind. Der erfolgreiche Umgang mit KI-Agenten erfordert mehr als technisches Wissen. Anwender müssen verstehen, wie die KI-Systeme arbeiten, wie sie auf Anweisungen reagieren und wie sie Datenquellen verknüpfen. Auch wenn Plattformen wie ChatGPT und Copilot auf derselben Modellbasis beruhen, unterscheiden sich ihre Implementierungen teils erheblich. Entscheidend ist, wie präzise Instruktionen formuliert und wie intelligent Datenquellen angebunden werden. Schulungen und praktische Trainings, etwa in virtuellen Lab-Umgebungen, helfen, dieses Wissen aufzubauen.
Technologie ist nicht alles
Wichtig ist zudem, die Menschen – die Nutzerinnen und Nutzer – nicht zu vergessen. Um KI-Agenten im Geschäftsalltag erfolgreich zu integrieren, sind gezielte ACM-Maßnahmen notwendig. Mitarbeitende werden durch Trainings, Kommunikation und kontinuierliche Unterstützung begleitet, um Technik und Kultur optimal zusammenzubringen. Erfahrene Partner unterstützen diesen Prozess.
KI-Agenten markieren einen Wendepunkt. Sie entlasten nicht nur, sondern verändern die Art, wie Arbeit geplant, delegiert und organisiert wird. Microsoft liefert dafür eine stabile, richtlinienkonforme Plattform mit wachsendem Funktionsumfang und tiefer Integration in bestehende Systeme. Doch Technologie allein reicht nicht aus. Unternehmen müssen bereit sein, Verantwortung für ihre Daten, ihre Prozesse und nutzenbringende Ergebnisse zu übernehmen.
Ein Beitrag von Tomislav Karafilov, Principal Consultant bei SoftwareOne Deutschland GmbH.
Quelle: SoftwareOneTomislav Karafilov ist Principal Consultant bei der SoftwareOne Deutschland GmbH und ein erfahrener Experte für Microsoft-Technologien. Seine Expertise liegt in den Bereichen Power Platform, Microsoft 365 und Copilot. Seit 2020 wird Tomislav von Microsoft als Most Valuable Professional (MVP) in den Kategorien „Business Applications“ und „M365“ ausgezeichnet.
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