Veraltete Anwendungen behindern die digitale Entwicklung vieler Unternehmen. Eine aktuelle Lünendonk-Studie zeigt, wie hoch der Modernisierungsbedarf in deutschen IT-Landschaften ist – und welche Rolle Cloud, KI und neue Strategiemodelle dabei spielen. Deutlich wird: Der Handlungsdruck wächst, die Umsetzung bleibt komplex.
Die Modernisierung der IT-Landschaft zählt für viele Unternehmen zu den strategischen Kernaufgaben – doch der Fortschritt bleibt häufig hinter den Erwartungen zurück. Eine aktuelle Lünendonk-Studie macht deutlich, warum: Systemkomplexität, Sicherheitsanforderungen und Ressourcenmangel erschweren die Umsetzung. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an moderne Technologien wie Cloud-Architekturen und generative KI.
Laut der Studie „IT-Modernisierung zwischen Legacy, Cloud und KI“ sehen 62 Prozent der befragten Unternehmen ihre geschäftskritischen Anwendungen bereits heute als technisch überholt. Für viele ist der Betrieb ihrer Altsysteme mittelfristig nicht mehr gesichert. Entsprechend gehen drei Viertel der Unternehmen davon aus, dass mindestens 20 Prozent ihrer Kernapplikationen in den nächsten fünf Jahren modernisiert werden müssen.
„IT-Modernisierung ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine dauerhafte Transformationsaufgabe. Unternehmen benötigen klare Zielbilder, abgestimmte Strategien und ein Zusammenspiel aus Technologie, Organisation und Kultur. Nur so lassen sich IT-Architekturen schaffen, die den Anforderungen von morgen gerecht werden“, erklärt Tobias Ganowski, Consultant bei Lünendonk und Studienautor.
Cloud und Composable IT setzen sich durch
Um dem Modernisierungsdruck zu begegnen, setzen viele Unternehmen auf modulare Strategien. So planen 79 Prozent der Befragten den Einsatz von Composable Architectures, die eine flexible und modulare Gestaltung der IT-Landschaft ermöglichen. Replatforming – die Migration bestehender Anwendungen in die Cloud – ist für 74 Prozent ein geeigneter Weg. Auch Refactoring und der Umstieg auf Standardsoftwarelösungen werden vielfach umgesetzt.
Die vollständige Neuentwicklung (Rebuild) wird hingegen nur von 47 Prozent als praktikabel angesehen – zu aufwendig, zu teuer, zu risikobehaftet. Insbesondere Software-as-a-Service (SaaS) wird noch mit Zurückhaltung betrachtet, wenn es um geschäftskritische Anwendungen geht. Dennoch setzen 43 Prozent der Unternehmen SaaS gezielt zur Ablösung von Legacy-Systemen ein.
„Es gibt nicht die eine richtige Modernisierungsstrategie. Stattdessen kombinieren viele Unternehmen mehrere Ansätze, um technische, wirtschaftliche und organisatorische Anforderungen auszubalancieren“, so Tobias Ganowski. „Die Komplexität bleibt dadurch hoch und erfordert von der IT eine hohe Kompetenz bei der Integrations- und Orchestrierungsfähigkeit.“
KI als Hoffnungsträger mit Anlaufproblemen
Besonders große Erwartungen richten sich auf den Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz. Drei von vier Unternehmen gehen davon aus, dass KI künftig in der Lage sein wird, Schwachstellen in Legacy-Systemen aufzudecken und sogar eigenständig zu beheben. Darüber hinaus erwarten 69 Prozent ein besseres Verständnis bestehender Codestrukturen durch KI-gestützte Analyse. In der Praxis steht der Einsatz allerdings noch am Anfang. Lediglich 8 Prozent der Unternehmen verfügen bereits über fortgeschrittene Verfahren zur automatisierten Codeanalyse mit KI. Immerhin 22 Prozent nutzen entsprechende Funktionen im Bereich der Dokumentation.
Budget und Zielbild entscheiden über den Erfolg
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Der Wille zur Veränderung ist vorhanden, doch die Umsetzung bleibt eine langfristige Herausforderung. Immerhin 83 Prozent der befragten Unternehmen planen, ihr IT-Modernisierungsbudget im Jahr 2026 zu erhöhen – jedes vierte davon um mehr als fünf Prozent.
Die Bedeutung hybrider Cloud-Infrastrukturen nimmt dabei weiter zu: Der Anteil cloudbasierter Anwendungen soll bis 2028 von derzeit 40 auf über 90 Prozent steigen. Unternehmen kombinieren dabei zunehmend verschiedene Betreibermodelle – ein Trend, der sowohl neue Chancen als auch Integrationsaufwand mit sich bringt.
Die Lünendonk-Studie wurde in Zusammenarbeit mit Cognizant, Cosmo Consult, Manage Now, msg, PKS und Sopra Steria erstellt. Sie basiert auf einer Befragung von über 150 IT- und Fachverantwortlichen aus mittelständischen und großen Unternehmen verschiedener Branchen.
Die Ergebnisse stehen ab sofort kostenfrei hier zum Download bereit.
