Um sich im deutschen Wahlkampfdschungel zurechtzufinden, entwickelte der Wirtschaftsingenieur Daniel Saad einen eigenen KI-Agent: „BundesFlow“. Dieser sollte eine gründliche Vorbereitung auf die bevorstehende Bundestagswahl gewährleisten und bei der Wahlentscheidung dienen.
Kurz vor der Bundestagswahl liegen sie in sämtlichen Briefkästen: Wahlprogramme. Spätestens jetzt nutzen auch einige den bekannten Wahl-O-Mat oder das Internet, um für sich für die Stimmenabgabe vorzubereiten. Doch die Menge an öffentlich zugänglichen Daten ist einfach immens. Und immer wieder stehen Wahlberechtigte der großen Herausforderung gegenüber, die Wahlprogramme der Parteien zu entschlüsseln.
Daniel Saad, Wirtschaftsingenieur, seit 2022 deutscher Staatsbürger, steht zum ersten Mal vor dieser Aufgabe. Am kommenden Sonntag, den 23.02.2025, gibt er wie viele andere seine Stimme bei der Bundestagswahl ab. Allerdings nicht einfach auf „gut Glück“. Er wollte das komplexe parlamentarische System der Bundesrepublik besser verstehen. Und dafür die Daten durchsuchbar, verständlich und für die Wahlvorbereitung nutzbar machen. Aus diesem Wunsch entstand sein Projekt „BundesFlow“. Der mittels KI und Graphtechnologie entwickelte KI-Agent soll die Parteiprogramme und das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten verständlicher machen – und letztlich eine ungewöhnliche, gründliche Vorbereitung auf die Wahlentscheidung bieten.
Das Projekt „BundesFlow“
Der KI-Agent „BundesFlow“ basiert auf der Neo4j-Graphtechnologie und nutzt öffentlich verfügbare Daten aus diversen Quellen. Dazu gehören u. a. Abgeordnetenwatch, DIP (Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentsmaterialien) und Partei-Webseiten. Sämtliche Informationen sind mit ihrem Kontext innerhalb eines Knowledge Graphs verknüpft. Von dort können sie mit Hilfe verschiedener KI-Tools abgefragt werden.
Einem Nutzer von „BundesFlow“ ist es dadurch möglich, die Wahlprogramme der Parteien zu erkunden und miteinander zu vergleichen. Außerdem kann er sich Fragen zu einzelnen Wahlprogrammen beantworten lassen, Abstimmungen zu Gesetzesentwürfen analysieren und das Abstimmungsverhalten der Parteien gegenüberstellen. Daneben werden auch dazugehörige Dokumente geprüft und es sind Nebenjobs sowie angegebene Gehälter der Abgeordneten einsehbar.
Ein Werkzeug für fundierte Wahlentscheidungen
Die Anwendung finanzierte Daniel Saad privat. „BundesFlow ist für mich ein sehr persönliches Projekt“, sagt der 35-Jährige. „Ich bin Einwanderer und noch relativ neu in Deutschland. Bei der Bundestagswahl im Februar werde ich zum ersten Mal meine Stimme abgeben. Darauf wollte ich mich entsprechend vorbereiten. Bei meinen Recherchen habe ich aber schnell gemerkt, dass die Menge der öffentlich verfügbaren Daten riesig ist und es schwierig sein kann, sich einen Überblick zu verschaffen.“
Daniel Saad, der seinen Master als Wirtschaftsingenieur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gemacht hat, arbeitet bei Mercedes-Benz Tech Innovation als Data Engineer an KI-Anwendungen. Auch in seiner Freizeit beschäftigt er sich mit KI und GenAI. Nun nutzt er seine technischen Kenntnisse für die gewissenhafte Vorbereitung seiner ersten Bundestagswahl.
„BundesFlow ist ein Versuch, Bürgerinnen und Bürgern wie mir ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie fundierte Wahlentscheidungen treffen und ihre politische Zukunft aktiv mitgestalten können“, sagt der Entwickler der Anwendung.

Die Grundlage der Datenbank von „BundesFlow“ ist ein Knowledge Graph von Neo4j. Diese Knowledge Graphen speichern Daten als sogenannte Knoten und ihre Beziehungen als Kanten. Um komplexe Datenbeziehungen zu erfassen und zu verstehen, sind sie deshalb besonders gut geeignet. In Kombination mit Graph Retrieval Augmented Generation (GraphRAG) gelten Knowledge Graphen als ideale Basis für KI-Anwendungen, um die Genauigkeit zu erhöhen. Diesen Ansatz nutzt der KI-Agent gemeinsam mit dem LangGraph Framework von LangChain und einem dynamischen Cypher Query Generation Pattern, um Fragen präziser und kontextbezogener zu beantworten.
Graphtechnologie macht unübersichtliche politische Prozesse transparent
Heiko Schönfelder, Head of Sales DACH bei Neo4j, dem führenden Anbieter von Graphdatenbanken und -Analytics, freut sich über das Projekt: „Graphdatenbanken sind ein sehr gutes Werkzeug, um Transparenz in unübersichtliche politische Prozesse zu bringen. Neo4j kommt bereits in einer ganzen Reihe an gesellschaftlich relevanten Projekten zum Einsatz, um verborgene Zusammenhänge aus Datenmassen herauszuschälen. So werden politische Prozesse für Bürgerinnen und Bürger verständlicher – essenziel für die Demokratie.“

