Für Unternehmen wird die Herkunft ihrer Software zunehmend zur strategischen Frage. Thomas Dold, Geschäftsführer der DYMATRIX GmbH, erläutert in diesem Beitrag, warum Datenhoheit und transparente Rechtsräume bei der Anbieterauswahl an Gewicht gewinnen – und worauf IT-Verantwortliche jetzt achten sollten.
Als Geschäftsführer eines Softwareunternehmens für Customer Experience Management fokussierten sich Erstgespräche mit potenziellen Neukunden bis vor einigen Jahren noch auf Funktionalität, Implementierungsaufwand und den Preis unserer Lösung. Heutzutage kommt eine weitere Dimension von Fragen hinzu: Wo liegen unsere Daten? Wer hat darauf Zugriff – und unter welchen gesetzlichen Bedingungen? Diese Fragen stehen mittlerweile ganz am Anfang des Auswahlprozesses. Vertrauen ist zum K.O.-Kriterium geworden, das früh darüber entscheidet, ob ein Anbieter überhaupt in die engere Auswahl kommt.
Geopolitische Entwicklungen erzeugen eine neue Sensibilität
Der Auslöser ist nicht allein technischer Natur. Geopolitische Entwicklungen haben in europäischen Unternehmen eine neue Sensibilität erzeugt. Die Diskussion rund um US-amerikanische Digital- und Datenpolitik hat in den letzten Jahren spürbar an Fahrt aufgenommen – nicht weil US-Technologie schlechter geworden wäre, sondern weil die Verlässlichkeit des rechtlichen Rahmens für viele Unternehmen schwerer einzuschätzen ist.
Instrumente wie der CLOUD Act, der US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen Zugriff auf Daten amerikanischer Unternehmen auch außerhalb der USA ermöglicht, sind nicht neu – er existiert bereits seit 2018. Neu ist die Aufmerksamkeit, die er inzwischen in den Vorstandsetagen erhält. Europäische Unternehmen fragen sich zu Recht, wie stabil der Rechtsrahmen ist, auf dem ihre Softwareinfrastruktur aufbaut.
Von der Compliance-Pflicht zum Produktmerkmal
In meiner täglichen Arbeit bei DYMATRIX spüre ich diese Verschiebung sehr deutlich. Wir sitzen in Pitch-Prozessen heute wesentlich früher mit den Abteilungen für Legal und Datenschutz am Tisch – und das ist auch der einzig richtige Weg.
Denn im Bereich der Customer Experience stehen Unternehmen vor einem latenten Risiko. Wer 1:1-Personalisierung betreiben will, arbeitet mit dem sensibelsten Gut des Unternehmens: den First-Party-Daten der Kundinnen und Kunden.
Die jüngsten Debatten rund um globale Plattformen, die Kundendaten standardmäßig – ohne aktives Opt-in – für KI-Training verwenden wollten, haben das Bewusstsein für dieses Risiko verschärft. Wenn Spielregeln einseitig und still geändert werden, ist das Vertrauen oft nachhaltig beschädigt – unabhängig davon, wie leistungsfähig die Technologie dahinter ist.
Für uns als Softwareanbieter im DACH-Raum ist das kein Randthema: Wir müssen die KI zu den sicheren Daten bringen, anstatt sensible Kundendaten an fremde KI-Ökosysteme auszuliefern. Eine Plattform, die hocheffiziente Personalisierung ermöglicht, während die vollständige Datenhoheit beim Kunden und auf europäischem Boden verbleibt, war vor einigen Jahren noch ein Zusatzargument im Vertriebsgespräch. Heute ist die Verbindung aus Performance und Datensouveränität für viele Entscheiderinnen und Entscheider ein
zentrales Kriterium. Infrastruktur lässt sich skalieren und austauschen. Die Verantwortung für sensible Kundendaten nicht.
Souveränität heißt nicht, US-Anbieter auszuschließen
Digitale Souveränität bedeutet in diesem Kontext nicht, US-Anbieter pauschal auszuschließen. Entscheidend ist, wie Unternehmen den Einsatz ihrer Produkte rechtlich sauber absichern und wie transparent sie dabei vorgehen. Digitale Souveränität heißt: Ich verstehe, wo meine Daten liegen. Ich weiß, wer Zugriff hat. Ich kann im Streitfall nachvollziehbar dokumentieren, dass ich alle relevanten Pflichten erfüllt habe. Und ich habe eine Exit-Strategie, falls sich Rahmenbedingungen ändern.
Anbieter mit europäischem Ursprung und europäischer Infrastruktur haben hier einen strukturellen Vorteil, weil Rechtsraum und Serverstandort in der Regel zusammenfallen – das ersetzt aber nicht die Einzelprüfung, sondern verkürzt sie.
Was heute für Kunden und Anbieter wichtig wird
Für Unternehmen, die aktuell Softwarelösungen evaluieren, empfehle ich eine strukturierte Prüfung ihrer Dienst- und Subdienstleister anhand konkreter Kriterien:
- Serverstandort und Rechtsraum: Wo genau werden die Daten verarbeitet und gespeichert – und welches Recht gilt dort?
- Subdienstleister-Transparenz: Werden Daten an Dritte weitergegeben – und wenn ja, an welche?
- Zertifizierungen: Liegen einschlägige Nachweise für die Datensicherheit vor (z. B. ISO 27001, C5-Testat)?
- Exit-Klauseln: Wie einfach lassen sich Daten im Kündigungsfall vollständig zurückholen?
Auswahlprozesse werden durch Kriterien, die Vertrauen nachweisbar machen sollen, anspruchsvoller – eine logische Folge der zunehmend fragmentierten Weltordnung. Genau hier wird sich der Markt künftig entscheiden: Wer Datenhoheit architektonisch verankert, statt sie nur zu versprechen, gewinnt das wichtigste Gut unserer Zeit zurück – Vertrauen.
Quelle: DYMATRIXThomas Dold ist Geschäftsführer der DYMATRIX GmbH, führender Anbieter einer daten- und KI-getriebenen Customer Experience Platform mit Hauptsitz in Stuttgart.
Weitere Informationen zur DYMATRIX GmbH finden Sie unter: www.dymatrix.de.
