Die zunehmende Vernetzung von Produktions- und Industrieanlagen erhöht die Angriffsfläche für Cyberattacken. NTT DATA beschreibt typische Schwachstellen in OT-Umgebungen und erklärt, welche Ziele Angreifer verfolgen. Besonders problematisch sind veraltete Systeme, unsichere Fernzugriffe und fehlende Netzwerksegmentierung. Unternehmen stehen dadurch unter wachsendem Druck, ihre OT-Sicherheit auszubauen.
Durch die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung industrieller Anlagen geraten OT-Infrastrukturen zunehmend in den Fokus von Cyberkriminellen. Laut NTT DATA steigt damit nicht nur die Zahl möglicher Angriffspunkte, sondern auch das Risiko für Produktionsausfälle und wirtschaftliche Schäden.
Während OT-Systeme früher häufig isoliert betrieben wurden, sind sie heute eng mit IT-Systemen verbunden. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten zur Überwachung und Steuerung industrieller Prozesse – gleichzeitig öffnen sich aber auch zusätzliche Einfallstore für Angriffe.
Ransomware, Datendiebstahl und Sabotage
Cyberkriminelle verfolgen laut NTT DATA unterschiedliche Ziele bei Angriffen auf OT-Umgebungen. Besonders häufig komme Ransomware zum Einsatz, um Produktions- oder Steuerungssysteme lahmzulegen und Lösegeld zu erpressen.
Dabei verschlüsseln Angreifer nicht nur operative Systeme, sondern oft auch vorhandene Backups. Die Folge können langanhaltende Produktionsstörungen und erhebliche finanzielle Schäden sein.
Ein weiteres Ziel ist der Diebstahl geistigen Eigentums. Angreifer versuchen dabei, sich schrittweise Zugang zu sensiblen Daten wie Konstruktionsplänen oder Produktionsverfahren zu verschaffen. Die Informationen werden anschließend für Erpressungen oder den Weiterverkauf genutzt.
Darüber hinaus warnt NTT DATA vor gezielter Manipulation von OT-Systemen. Solche Angriffe könnten die Fertigungsqualität beeinträchtigen oder sogar Sicherheitsrisiken für Menschen und Umwelt verursachen.
Alte Systeme gelten als Schwachpunkt
Als besonders problematisch gelten laut NTT DATA ungepatchte Schwachstellen in älteren OT-Systemen. Viele Anlagen seien seit Jahren oder sogar Jahrzehnten im Einsatz und verfügten nicht mehr über aktuelle Sicherheitsupdates.
Quelle: NTT DATA DACH„OT-Security ist kein Nice-to-have, sondern ein Muss, denn durch die Digitalisierung wächst die Angriffsfläche und die Zahl der Attacken auf Industrieunternehmen erreicht Jahr für Jahr neue Höchststände“, betont Christian Koch, Senior Vice President Cybersecurity IT/OT, Innovations & Business Development bei NTT DATA DACH.
Hinzu kommen veraltete Protokolle, unzureichende Authentifizierungsmechanismen und fehlende Verschlüsselung. Auch moderne IoT-Geräte bringen laut Unternehmen häufig keine ausreichenden Sicherheitsfunktionen mit.
Da sich auf vielen OT-Systemen keine klassischen Endpoint-Security-Lösungen installieren lassen, bleiben Sicherheitslücken oft dauerhaft bestehen.
Fernzugriffe und gestohlene Zugangsdaten
Ein weiteres Risiko sieht NTT DATA in schlecht abgesicherten Fernzugängen. Viele OT-Systeme werden remote gewartet – häufig jedoch mit schwachen oder gemeinsam genutzten Passwörtern.
Zusätzlich fehlen laut Unternehmen oft Sicherheitsmechanismen wie Multi-Faktor-Authentifizierung, rollenbasierte Zugriffskontrollen oder eine Protokollierung von Zugriffen.
Cyberkriminelle nutzen darüber hinaus gestohlene Zugangsdaten aus dem Darknet oder greifen Unternehmen gezielt mit Phishing und sogenannten Infostealern an. Durch KI-gestützte Fälschungen würden solche Angriffe zunehmend schwerer erkennbar.
Fehlende Segmentierung erhöht Risiken
Besonders kritisch bewertet NTT DATA fehlende Netzwerksegmentierung. Sobald Angreifer Zugriff auf ein System erhalten, können sie sich innerhalb unzureichend getrennter Netzwerke leichter weiterbewegen und zusätzliche Systeme kompromittieren.
Auch unsichere Lieferketten stellen laut Unternehmen ein wachsendes Risiko dar. Angreifer manipulieren dabei Software-Updates, Firmware oder Hardware-Komponenten, um Zugang zu mehreren Unternehmen gleichzeitig zu erhalten.
Hinzu kommen DDoS-Angriffe, die Systeme gezielt überlasten oder Sicherheitsmechanismen umgehen sollen.
„Das haben auch die EU und die Bundesregierung erkannt und verpflichten Industrieunternehmen mit der NIS-Richtlinie, dem Cyber Resilience Act, der Maschinenverordnung und dem IT-Sicherheitsgesetz zu umfassenden Sicherheitsmaßnahmen. Diese lassen sich allerdings nur umsetzen, wenn Unternehmen vollständige Sichtbarkeit innerhalb ihrer gesamten OT-Umgebung herstellen. Erst dann können sie Risiken ermitteln und ein geeignetes Sicherheitskonzept entwickeln, zu dem mindestens Basics wie Netzwerk-Segmentierung, Patch-Management und sichere Fernzugriffe zählen sollten“, so Christian Koch.
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