Künstliche Intelligenz verändert zunehmend die Führungsstrukturen in Unternehmen. Laut einer aktuellen IBM-Studie etablieren viele Organisationen neue Rollen wie den Chief AI Officer und passen Entscheidungsprozesse an KI-gestützte Modelle an. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Governance, KI-Souveränität und Weiterbildung an Bedeutung. Besonders in Deutschland und der Schweiz zeigen sich dabei teils unterschiedliche Entwicklungen.
Die zunehmende Verbreitung künstlicher Intelligenz zwingt Unternehmen weltweit dazu, ihre Führungsstrukturen neu auszurichten. Das zeigt eine aktuelle Studie des IBM Institute for Business Value, für die weltweit 2.000 CEOs befragt wurden – darunter auch Führungskräfte aus Deutschland und der Schweiz.
Demnach entwickelt sich KI zunehmend vom reinen Technologieprojekt hin zu einem zentralen Bestandteil unternehmerischer Steuerung und Entscheidungsfindung. Unternehmen passen dafür ihre Organisationsmodelle an und schaffen neue Rollen innerhalb der Führungsebene.
„Die Rolle des CEO bestand schon immer darin, durch Disruption zu führen. Was KI verändert, ist die Geschwindigkeit und die Tragweite von Führung“, erklärt IBM Vice Chairman Gary Cohn im Vorwort der Studie. „Erfolgreiche Unternehmen werden ‚AI-first‘ operieren – nicht als zusätzliche Technologieebene, sondern als neues Betriebsmodell.“
Chief AI Officer gewinnt an Bedeutung
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel bei der Einführung neuer Führungsrollen. Laut Studie verfügen inzwischen 76 Prozent der weltweit befragten Unternehmen über einen Chief AI Officer (CAIO). Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 26 Prozent.
Auch deutsche Unternehmen folgen diesem Trend mit einem Anteil von ebenfalls 76 Prozent. Schweizer Unternehmen liegen mit 65 Prozent dagegen noch etwas zurück.
Gleichzeitig rechnen die befragten CEOs damit, dass der Einfluss der KI-Verantwortlichen in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Die Verantwortung für KI beschränkt sich dabei laut IBM nicht mehr ausschließlich auf spezialisierte Rollen.
85 Prozent der weltweit befragten CEOs sind der Ansicht, dass funktionale Führungskräfte künftig stärker zu Technologieexperten werden müssen. In Deutschland und der Schweiz liegt dieser Wert bei jeweils 83 Prozent.
Mehr Vertrauen in KI-gestützte Entscheidungen
Mit dem zunehmenden Einsatz von KI wächst auch die Bereitschaft vieler Unternehmen, strategische Entscheidungen auf Basis KI-generierter Erkenntnisse zu treffen.
64 Prozent der weltweit befragten CEOs geben an, sich mit KI-gestützten Entscheidungen wohlzufühlen. In Deutschland liegt dieser Wert bei 54 Prozent, während Schweizer Führungskräfte mit 70 Prozent das höchste Vertrauen in KI-generierte Inhalte in Europa zeigen.
Parallel dazu rechnen die Unternehmen damit, dass KI künftig einen deutlich größeren Anteil operativer Entscheidungen übernimmt. Bis 2030 könnten laut Studie weltweit rund 48 Prozent der standardisierbaren operativen Entscheidungen vollständig durch KI-Systeme getroffen werden.
KI-Souveränität wird strategischer Faktor
Mit der stärkeren Integration von KI gewinnen Governance, Datensouveränität und Kontrollmechanismen an Bedeutung.
83 Prozent der weltweit befragten CEOs betrachten KI-Souveränität inzwischen als zentralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie. In Deutschland liegt der Wert bei 86 Prozent, in der Schweiz bei 83 Prozent.
Gleichzeitig geben viele Unternehmen an, Entscheidungsprozesse zunehmend zu dezentralisieren, um KI stärker in verschiedene Geschäftsbereiche einzubinden.
Laut IBM stehen Unternehmen dabei vor der Herausforderung, technologische Innovation mit Transparenz, Kontrolle und regulatorischen Anforderungen in Einklang zu bringen.
Weiterbildung wird zur Schlüsselaufgabe
Neben technologischen Veränderungen rückt auch der Faktor Mensch stärker in den Fokus. Die Studie zeigt, dass Unternehmen erhebliche Investitionen in Weiterbildung und Umschulung erwarten.
Zwischen 2026 und 2028 rechnen die weltweit befragten CEOs damit, dass rund 29 Prozent der Mitarbeitenden für neue Aufgaben umgeschult werden müssen. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten werde zusätzliche Weiterbildungen benötigen.
83 Prozent der global befragten CEOs betonen zudem, dass der Erfolg von KI maßgeblich von der Akzeptanz durch die Mitarbeitenden abhängt.
„KI verändert grundlegend, wie Arbeit funktioniert, indem sie Menschen und Software neu zusammenbringt“, erklärt Mohamad Ali, Senior Vice President IBM Consulting. „CEOs, die echte Ergebnisse erzielen, setzen KI nicht nur schneller ein – sie gestalten ihre Organisationen neu, um die besten Talente mit der besten Technologie zu verbinden.“
KI verändert die Rolle der Führung
Die Ergebnisse der IBM-Studie verdeutlichen, dass Künstliche Intelligenz zunehmend Auswirkungen auf Organisationsstrukturen, Entscheidungsprozesse und Unternehmenskulturen hat.
Neue Rollen wie der Chief AI Officer, wachsende Anforderungen an Governance und die stärkere Verzahnung von Technologie- und Talentstrategien dürften die Unternehmensführung in den kommenden Jahren nachhaltig verändern.
Für viele Unternehmen entwickelt sich KI damit nicht mehr nur zu einem Werkzeug für Effizienzsteigerung, sondern zu einem zentralen Bestandteil strategischer Unternehmenssteuerung.
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