Das Ministerium der Justiz und für Migration Baden-Württemberg treibt die Digitalisierung der Justiz mit einem neuen KI-Projekt voran. Gemeinsam mit IBM, CODEFY und Materna entsteht ein Werkzeug zur automatisierten Strukturierung komplexer Verfahrensakten. Ziel ist es, die Effizienz juristischer Prozesse zu steigern und Entscheidungsgrundlagen besser aufzubereiten. Grundlage sind erste Machbarkeitsstudien aus dem Vorjahr. Die Lösung setzt auf moderne Large Language Models und eine skalierbare Plattformarchitektur.
Die strukturierte Aufbereitung von Verfahrensakten zählt zu den zentralen, zugleich aber aufwändigsten Aufgaben in der Justiz. Mit dem Projekt „StruKI“ adressiert das Ministerium der Justiz und für Migration Baden-Württemberg genau diese Herausforderung und setzt dabei auf den Einsatz generativer KI. Ziel ist die Entwicklung eines Werkzeugs, das komplexe Akteninhalte analysieren, ordnen und entscheidungsrelevante Informationen herausarbeiten kann.
Das Vorhaben ist Teil der umfassenden Digitalisierungsstrategie der Justiz und baut auf Erkenntnissen aus Machbarkeitsstudien auf, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurden. Nun folgt die Weiterentwicklung in enger Abstimmung mit der Justizpraxis, um die Anforderungen aus dem operativen Betrieb frühzeitig zu berücksichtigen.
Die Herausforderung liegt in der hohen Komplexität juristischer Akten. Unterschiedliche Streitgegenstände, langfristige Sachverhalte sowie eng miteinander verknüpfte Schriftsätze und Anträge erschweren eine systematische Strukturierung erheblich. Klassische, regelbasierte Ansätze aus dem Bereich Natural Language Processing stoßen hier an ihre Grenzen, insbesondere wenn es um die semantische Erfassung und Einordnung umfangreicher Textmengen geht.
LLMs als Schlüsseltechnologie für die Aktenanalyse
Im Rahmen von „StruKI“ kommen daher moderne Large Language Models zum Einsatz. Diese sind in der Lage, umfangreiche Textbestände semantisch zu erfassen und relevante Inhalte kontextbezogen aufzubereiten. Dadurch wird eine strukturierte Darstellung komplexer Sachverhalte ermöglicht, die als Grundlage für juristische Entscheidungen dienen kann.
Als technische Basis dient die Plattform watsonx.ai von IBM. Sie ermöglicht den flexiblen Einsatz unterschiedlicher KI-Modelle, darunter sowohl proprietäre als auch Open-Source-Ansätze. Die Plattform deckt den gesamten Lebenszyklus generativer KI ab – von der Entwicklung über das Training bis hin zum produktiven Betrieb.
Ein zentrales Kriterium ist dabei die Skalierbarkeit und Sicherheit der Lösung. Gerade im Justizumfeld sind Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und Verlässlichkeit essenziell. Die eingesetzte Plattform soll diesen Anforderungen gerecht werden und eine nachhaltige Grundlage für den KI-Einsatz schaffen.
Zusammenarbeit von Justiz und Technologiepartnern
Das Projekt wird in Kooperation mit mehreren Partnern umgesetzt. IBM fungiert als strategischer KI-Innovationspartner, während dasLegal-Tech-Startup CODEFY sowie Materna Information & Communications SE ihre jeweiligen Kompetenzen in den Bereichen Softwareentwicklung und eJustice einbringen.
Die Lösung ist darauf ausgelegt, in unterschiedlichen Bereichen der Justiz eingesetzt zu werden – von der ordentlichen Gerichtsbarkeit über Fachgerichte bis hin zu Staatsanwaltschaften. Damit zielt das Projekt auf eine breite Wirkung innerhalb der Justizlandschaft ab.
Langfristig soll „StruKI“ dazu beitragen, die Effizienz von Verfahren zu erhöhen und gleichzeitig die Qualität juristischer Entscheidungen zu unterstützen. Die Kombination aus KI-gestützter Analyse und praktischer Anwendung in der Justiz stellt dabei einen zentralen Baustein der digitalen Transformation dar.
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