Die Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern stellt mittelständische Unternehmen vor wachsende Herausforderungen. Laut einer Studie der easy software AG bewerten 72 Prozent der Unternehmen mit 500 bis 999 Beschäftigten ihre technische Abhängigkeit als hoch oder sehr hoch. Gleichzeitig erschweren komplexe Altsysteme, Migrationskosten und fehlende Wechselmöglichkeiten die digitale Handlungsfreiheit. Fünf Handlungsfelder zeigen, wie Unternehmen ihre digitale Souveränität gezielt stärken können.
Cloud-Dienste, künstliche Intelligenz und zentrale Geschäftsanwendungen sind aus dem Unternehmensalltag kaum noch wegzudenken. Mit ihrer zunehmenden Verbreitung wächst jedoch auch die Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern. Für mittelständische Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, wie sie ihre IT-Infrastruktur flexibel gestalten und die Kontrolle über geschäftskritische Daten und Anwendungen behalten können.
Wie ausgeprägt diese Abhängigkeiten bereits sind, zeigt eine Studie der easy software AG. Demnach bewerten 72 Prozent der befragten Unternehmen mit 500 bis 999 Beschäftigten ihre technische Abhängigkeit als hoch oder sehr hoch. Zugleich wären 31 Prozent bereit, für mehr digitale Souveränität höhere Kosten zu akzeptieren.
Auch auf europäischer Ebene gewinnt das Thema an Bedeutung. Im Juni 2026 verabschiedete die EU-Kommission ein Technologie-Souveränitätspaket, das unter anderem europäische Cloud- und KI-Kapazitäten stärken soll. Für den Mittelstand geht es allerdings weniger um vollständige technologische Unabhängigkeit als um die Möglichkeit, Anbieter, Anwendungen und Betriebsmodelle selbstbestimmt auswählen und bei Bedarf wechseln zu können.
Anbieterwechsel und Vendor Lock-in
Ein wesentliches Risiko für die operative Souveränität ist der sogenannte Vendor Lock-in. Unternehmen sind dabei so stark an einen Technologieanbieter gebunden, dass ein Wechsel nur mit erheblichem Aufwand möglich ist.
Laut Studie halten lediglich 34 Prozent der Befragten den Wechsel eines zentralen IT-Anbieters für einfach oder sehr einfach. Mehr als ein Viertel rechnet mit Übergangszeiten von über sechs Monaten, rund sieben Prozent halten einen Wechsel sogar für unmöglich.
Abhilfe schaffen dokumentierte Schnittstellen, portable Datenformate, vertraglich geregelte Ausstiegsmöglichkeiten und frühzeitig entwickelte Migrationspläne. Insbesondere bei ERP-, CRM- und KI-Systemen sollten Unternehmen mögliche Alternativen und Wechselkosten kennen.
Legacy-Systeme erschweren die Modernisierung
Neben Anbieterabhängigkeiten stellen gewachsene IT-Landschaften eine Herausforderung dar. 38,1 Prozent der befragten Unternehmen sehen die Komplexität ihrer bestehenden Systeme als eines der größten Hindernisse für digitale Souveränität. Bei Unternehmen mit 500 bis 999 Beschäftigten sind es 46,9 Prozent. Weitere 37,5 Prozent nennen Budgetbeschränkungen und hohe Migrationskosten.
Eine vollständige Ablösung bestehender Anwendungen ist dabei nicht zwingend erforderlich. Stattdessen können Unternehmen technische Altlasten schrittweise reduzieren, kritische Komponenten modernisieren und bestehende Geschäftsanwendungen über standardisierte Schnittstellen anbinden.
Datenhoheit in hybriden Cloud-Umgebungen
Bei der Datensouveränität steht die Kontrolle über Speicherorte, Zugriffsrechte und Datenverarbeitung im Mittelpunkt. Knapp 40 Prozent der befragten Unternehmen wollen souveräne Cloud-Lösungen künftig verstärkt einsetzen. Gleichzeitig betrachten 46,9 Prozent On-Premises-Systeme weiterhin als Ergänzung zur Cloud.
Hybride IT-Architekturen können beide Ansätze verbinden. Während besonders sensible Informationen im eigenen Rechenzentrum verbleiben, lassen sich andere Anwendungen über Cloud-Plattformen betreiben.
Voraussetzung sind eine Klassifizierung der Daten nach Schutzbedarf, transparente Zugriffsregelungen und nachvollziehbare Datenflüsse. Dass hier weiterer Handlungsbedarf besteht, zeigen die Studienergebnisse: 54,3 Prozent wünschen sich mehr Transparenz bei Zugriffsprotokollen und Betriebsabläufen souveräner Cloud-Angebote.
KI-Souveränität erfordert kontrollierten Datenzugriff
Auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz müssen Unternehmen zwischen Leistungsfähigkeit und Kontrolle abwägen. Laut Studie priorisieren 24 Prozent der Mittelständler bei Hosting-Entscheidungen die Performance. Bei Großunternehmen liegt dieser Anteil bei elf Prozent.
Besonders relevant wird die KI-Souveränität, wenn KI-Agenten auf internes Unternehmenswissen zugreifen. Dann muss nachvollziehbar bleiben, welche Informationen verarbeitet werden, ob Daten für Trainingszwecke verwendet werden und welche Kontrollmechanismen greifen.
Ein Dokumentenmanagementsystem (DMS) oder digitales Archiv kann hierfür eine Grundlage schaffen. Zentral verwaltete Informationen, eindeutige Berechtigungen und gezielte Datenfreigaben ermöglichen es, den Zugriff von KI-Anwendungen auf geschäftskritisches Wissen zu begrenzen.
IT-Sicherheit bleibt Unternehmensverantwortung
Für 54 Prozent der befragten Mittelständler ist IT-Sicherheit der erste Begriff, den sie mit digitaler Souveränität verbinden. Auch bei der Auswahl externer Sicherheitsdienstleister spielen entsprechende Anforderungen eine wichtige Rolle.
So achten 71 Prozent bei einem Managed Security Operations Center (SOC) auf eine Datenhaltung innerhalb der EU. 70 Prozent legen Wert auf eine Zertifizierung nach ISO 27001 auf Basis des BSI-IT-Grundschutzes.
Allerdings garantiert weder ein europäischer Anbieterstandort noch eine regionale Datenhaltung automatisch mehr Unabhängigkeit. Entscheidend sind überprüfbare Sicherheitsstandards, dokumentierte Prozesse und klar geregelte Verantwortlichkeiten.
Digitale Handlungsfreiheit statt vollständiger Autarkie
Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass digitale Souveränität nicht allein durch die Auswahl bestimmter Technologien entsteht. Entscheidend ist vielmehr, ob Unternehmen ihre Systeme kontrollieren, Alternativen nutzen und bestehende Entscheidungen revidieren können.
„Digitale Souveränität zeigt sich nicht allein daran, welchen Anbieter ein Unternehmen nutzt, sondern auch daran, ob es sich gegen ihn entscheiden könnte“, erklärt Marcel Etzel, Chief Product & Technology Officer der easy software AG.
Quelle: easy softwareUnd weiter: „Am Ende geht es nicht um technologische Autarkie, sondern um Handlungsfreiheit. Gerade mittelständische Unternehmen müssen die Kontrolle über ihr Unternehmenswissen behalten und selbst entscheiden können, wo und wie sie ihre Informationen managen. Und sie müssen diese Entscheidungen bei Bedarf auch wieder ändern können. Dafür braucht es einen realistischen Plan B.“
Für mittelständische Unternehmen bedeutet das vor allem, bestehende Abhängigkeiten systematisch zu erfassen und technische sowie organisatorische Alternativen vorzubereiten. Schrittweise Modernisierung, offene Schnittstellen und transparente Datenverwaltung können dazu beitragen, die digitale Handlungsfähigkeit langfristig zu sichern.
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