KI wird in SAP-Projekten zunehmend zum konkreten Produktivitätshebel. Von S/4HANA-Transformationen über Supply Chain bis zur Softwareentwicklung entstehen neue Möglichkeiten, Prozesse schneller und effizienter zu gestalten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenqualität, Governance und Sicherheit. Wir sprachen im MIDRANGE-Interview mit Florian Aiblinger, Partner bei der CONSILIO GmbH. Er zeigte auf, wo KI heute bereits Mehrwert schafft und welche Entwicklungen die kommenden Jahre prägen werden.
Herr Aiblinger, wo setzen Sie heute bereits KI in Kundenprojekten konkret ein – und in welchen Geschäftsprozessen bringt sie den größten Mehrwert?
Im Supply-Chain-Umfeld unterstützt KI Forecasts, Engpasserkennung, Neuplanung und Ressourcenprognosen, etwa mit SAP IBP und EWM. Weitere Felder sind Dokumentenanalyse und Prozesszuordnung. Bei der Custom Code Conversion in S/4HANA-Transformationen beschleunigt Agentic Coding in ABAP Analyse und Entwicklung.
Welche KI-Anwendungsfälle werden von Ihren Kunden aktuell am häufigsten nachgefragt – beispielsweise im Einkauf, in der Produktion, in der Logistik oder im Finance-Bereich?
Am häufigsten geht es um S/4HANA-Transformationen und Custom Code: fehlende Dokumentation, tatsächlich genutzter Code und Neugenerierung im Sinne des Clean-Core-Ansatzes. In Discovery Workshops identifizieren wir gemeinsam Use Cases mit messbarem Mehrwert.
Können Sie ein Projekt beschreiben, bei dem KI einen messbaren Nutzen erzielt hat? Welche Ergebnisse konnten Sie erreichen?
Bei der Analyse von E-Mail-Anhängen sank der Zeitaufwand um rund 50 Prozent. Eine Custom Code Conversion wurde mit einem statt fünf Entwicklern bearbeitet – der Aufwand sank um 80 Prozent. KI ist hier ein Produktivitätshebel.
Wie verändert generative KI die tägliche Arbeit Ihrer SAP-Berater – etwa bei Konzeption, Customizing, Dokumentation oder Testing?
Generative KI beschleunigt nahezu alle Projektphasen – von Analyse und Konzeption bis Entwicklung, Dokumentation und Testing. So bleibt mehr Zeit für anspruchsvolle Aufgaben. Die Ergebnisse müssen fachlich, technisch und sicherheitsbezogen geprüft werden.
Welche Rolle spielen SAP Business AI, Joule oder andere KI-Funktionen innerhalb von SAP S/4HANA-Transformationen?
SAP Business AI, Joule und ISLM werden zunehmend Bestandteil von S/4HANA-Transformationen. Einsatzfelder sind Custom Code Conversion, eine KI-gestützte Projektmethodik und automatisierte Projektdokumentation. Entscheidend ist die Integration in Prozesse und Methoden.
Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen schaffen, bevor KI produktiv eingesetzt werden kann – insbesondere hinsichtlich Datenqualität, Prozessen und Governance?
Eine unternehmensweite KI-Governance muss zulässige KI-Lösungen festlegen und unkontrollierte Schatten-IT vermeiden. Wichtig sind klare Prozesse und eine belastbare Datenbasis. Die Datenqualität muss analysiert und verbessert werden; dabei kann KI unterstützen.
Wo erleben Sie aktuell die größten Hürden bei der Einführung von KI in Unternehmen: Technik, Organisation, Datenschutz oder Akzeptanz der Mitarbeitenden?
Eine große Herausforderung ist der Schutz sensibler Informationen, insbesondere von Betriebsgeheimnissen und personenbezogenen Daten. Hinzu kommen ethische Bedenken und Vorbehalte. Neben technischen und regulatorischen Fragen ist die Akzeptanz entscheidend.
Wie verändert KI die Zusammenarbeit zwischen Beratern und Kunden? Wird Beratung dadurch stärker strategisch oder eher technischer?
Die Beratung entwickelt sich stärker in Richtung strategischer Prozessfragen. Im Mittelpunkt steht weniger die Technologie als ihr sinnvoller Einsatz in Geschäftsprozessen. Prozessverständnis, Erfahrung, Kommunikation und Einordnung bleiben entscheidend.
Welche Kompetenzen sollten SAP-Berater heute entwickeln, um auch in einer zunehmend KI-gestützten Arbeitswelt erfolgreich zu bleiben?
Der kompetente Umgang mit KI wird wichtiger. Dazu gehört „The Art of Prompting“: Fragestellungen präzise zu formulieren und strukturiert zu denken. KI-Outputs müssen fachlich bewertet, hinterfragt und in den Unternehmenskontext eingeordnet werden.
Wenn Sie auf die nächsten drei bis fünf Jahre blicken: Welche KI-Anwendungen werden Ihrer Einschätzung nach den größten Einfluss auf SAP-Projekte und Geschäftsprozesse haben?
An Bedeutung gewinnt die Orchestrierung von KI-Agenten, etwa über SAP Joule Studio. Die Entwicklung geht zur Autonomous Enterprise, in dem spezialisierte AI Agents Aufgaben und Prozessschritte übernehmen und koordinieren. In der SAP-Entwicklung verliert manuelle ABAP-Entwicklung an Bedeutung; Steuerung, Qualitätssicherung und Integration KI-generierter Lösungen rücken in den Vordergrund. CONSILIO steht für „Clarity by Design“: klare Prozesse und messbare Mehrwerte.
Vielen Dank für das Interview!
Quelle: CONSILIO
