KI verändert nahezu jeden Arbeitsablauf und im Zuge dessen, ebenso unseren Blick auf die Produktivität. Thomas Zimmermann, General Manager Germany bei ADP, erläutert in diesem Kommentar, weshalb eine reine Zeitersparnis als Maßstab zu kurz greift. Entscheidend ist vor allem, wie Unternehmen KI, menschliche Expertise und Arbeitsorganisation sinnvoll – jetzt und zukünftig – miteinander verbinden.
Die Diskussion über mögliche ‚KI-Entlastungstage‘ zeigt, dass Künstliche Intelligenz inzwischen mehr als eine Technologiefrage ist. Es geht zunehmend darum, wie wir Arbeit organisieren, Leistung bewerten und Produktivitätsgewinne verteilen. Dabei sollten wir allerdings vorsichtig sein, aus der zunehmenden KI-Nutzung automatisch eine höhere Arbeitsbelastung abzuleiten.
Weniger Stress, aber auch weniger Produktivität?
Unsere aktuellen Daten aus der Studie „People at Work 2026“ zeichnen ein differenzierteres Bild. Beschäftigte, die KI täglich einsetzen, berichten deutlich seltener von negativem Stress als Menschen, die sie gar nicht nutzen. Gleichzeitig haben tägliche KI-Nutzer viermal häufiger das Gefühl, weniger produktiv zu sein als Nichtnutzer. Das klingt zunächst widersprüchlich, verweist aber auf eine zentrale Herausforderung: KI verändert nicht nur, wie wir arbeiten, sondern auch, was wir unter Produktivität verstehen.
Wenn KI Routineaufgaben übernimmt, verbringen Beschäftigte möglicherweise weniger Zeit mit Tätigkeiten, deren Ergebnis unmittelbar sichtbar oder leicht messbar ist. Stattdessen können komplexere, strategische oder kreative Aufgaben stärker in den Vordergrund rücken. Ein Arbeitstag wird dadurch nicht zwangsläufig intensiver oder weniger produktiv, aber die bisherigen Maßstäbe für Leistung können an Aussagekraft verlieren.
Der Blick muss sich auf Aufgaben richten
Genau deshalb greift es zu kurz, die Auswirkungen von KI allein daran zu messen, wie viel Zeit eingespart wird. ADP Research kommt in Zusammenarbeit mit dem Stanford Digital Economy Lab zu dem Schluss, dass sich der Fokus mit zunehmender Verbreitung von KI von den Arbeitsplätzen hin zu den Aufgaben verlagern sollte, aus denen diese bestehen. Das Verständnis dafür, wie KI Aufgabenbereiche umgestaltet, bietet eine aussagekräftigere Möglichkeit, ihre Auswirkungen auf die Wertschöpfung zu bewerten. Welche Aufgaben übernimmt KI tatsächlich? Wo führt dies zu einer stärkeren Vereinfachung? Wie nutzen wir diese Vereinfachung? Und erleben Beschäftigte die Technologie als Unterstützung oder lediglich als Instrument, um in derselben Zeit noch mehr Aufgaben zu erledigen?
Produktivität im KI-Zeitalter gestalten
Gerade in Deutschland stehen wir dabei noch relativ am Anfang der KI-Durchdringung. Nur 14 Prozent der Beschäftigten nutzen KI nahezu täglich. Gleichzeitig erwarten lediglich acht Prozent, dass KI ihre Arbeit deutlich zum Positiven verändern wird. Unternehmen haben deshalb jetzt die Chance, die Spielregeln für den Einsatz von KI aktiv mitzugestalten.
Dazu gehört aus meiner Sicht vor allem, Beschäftigte innerhalb von sicheren, rechtskonformen und verantwortungsvollen Rahmenbedingungen zu befähigen, sinnvoll mit KI zu arbeiten, und gleichzeitig transparent zu machen, wie sich Rollen und Erwartungen verändern. Denn Produktivitätsgewinne entstehen nicht allein dadurch, dass ein Unternehmen KI bereitstellt. Sie entstehen dann, wenn Technologie, menschliche Expertise und Arbeitsorganisation zusammenspielen. Die entscheidende Debatte sollte deshalb nicht lauten, ob KI automatisch mehr Arbeit oder mehr Freizeit bedeutet. Wir sollten darüber sprechen, wie wir Leistung in einer Arbeitswelt messen und gestalten, in der Menschen und KI zunehmend gemeinsam arbeiten.
Quelle: ADPHier finden Sie mehr Informationen zur ADP Employer Services GmbH.
