Welche Tools braucht es bei der Softwareentwicklung auf der IBM i und wie passen IBM i und moderne Softwareentwicklung zusammen – zu Fragen wie diesen haben vier Software-Modernisierungsexperten ihr Feedback gegeben: Torsten Klinge, Geschäftsführer ML-Software GmbH, Heidi Schmidt, Geschäftsführende Gesellschafterin der PKS Software GmbH, Jörg Hamacher, Geschäftsführer der S.M.Hartmann GmbH und Andreas Strietholt, Geschäftsführer Task Force IT-Consulting GmbH.

„Grundsätzlich sollte die Frage nicht lauten ‚welche Tools?‘, sondern ‚welches Tool?‘. Auf einen bunten Mix an Werkzeugen zurückzugreifen ist nicht zielführend“, ist Jörg Hamacher überzeugt. „Um effizient und ökonomisch zu entwickeln, muss alles mit einem einzigen Tool in einer einzigen Umgebung und mit einer einzigen Sprache machbar sein.“ Nach seiner Einschätzung sind Low-Code-Entwicklungs-Tools das einzig adäquate Mittel, integrieren sie doch alle Aspekte der modernen und performanten Software-Entwicklung.

Quelle: S.M.Hartmann GmbH

Jörg Hamacher, Geschäftsführer der S.M.Hartmann GmbH

„Modernisierte und neue Apps für eine Vielzahl verschiedener Schnittstellen, diverse Endgeräte und Zielplattformen zu schaffen wird so zu einem leichten Spiel“, gibt sich Hamacher überzeugt und plaudert aus dem Nähkästchen: „Wir setzen selbst seit vielen Jahren Visual LANSA ein. Damit erstellen wir zeitgemäße Anwendungen für IBM i, PC, Web und mobile Endgeräte inkl. Responsive Design, ohne dass wir Spezialkenntnisse in C++, C#, Java, Java Script, HTML, CSS etc. brauchen. Unsere Programmierer – im Grunde alle reine RPG-Entwickler – erstellen damit in kürzester Zeit moderne und komplexe Applikationen. Dabei lassen sich die Anforderungen viel schneller umsetzen.“

„Wer heute noch in Green-Screen und PDM entwickelt, kann die heutigen Aufgaben nicht mehr zeit- und normgerecht stemmen und bekommt auch keinen Zuspruch der jungen Generation“ – so lautet die Überzeugung von Andreas Strietholt. „Wenn Unternehmen moderne Tools einsetzen, die ausschließlich auf RDi aufsetzen, ist die grundlegende Entwicklung-Strategie gut aufgestellt. Weder ein Change-Management-System mit Einbindung von DevOps, noch Analysewerkzeuge oder Testing-Frameworks dürfen in dem heutigen Entwicklungsprozess fehlen. Dadurch lässt sich sehr viel Zeit einsparen und die ausgelieferten Ergebnisse haben eine deutlich bessere Qualität.“

Heidi Schmidt, Erste Vorsitzende COMMON – Quelle: PKS Software

Ein Plädoyer für RDI kommt von Heidi Schmidt. Für sie ist das Tool die Basis seitens IBM und bietet eine Eclipse-Umgebung, die ein jeder Entwickler kennt. „Zudem empfehle ich das Tool eXplain, weil Programmierer mit diesem Analyse-, Dokumentations- und Re-Engineering-Tool auch alten Sourcecode einfach durchblicken, verstehen und handhaben können.“

„Die Softwareentwicklung auf IBM i ist mit FreeForm RPG und RDi schon deutlich komfortabler, verständlicher und wartbarer geworden“, stimmt Torsten Klinge zu. „Ein Blick über den Tellerrand zu anderen Entwicklungsumgebungen wie z.B. Microsofts Visual Studio zeigt, dass noch weit mehr möglich ist. Schon beim Coding erhalten die Entwickler dort weitreichende Unterstützung. So schlägt die Code Completion mögliche Befehle, Variablen, Komponenten, Eigenschaften, Ereignisse uvm. vor, um eine eingegebene Zeichenkette sinnvoll zu vervollständigen. Der Entwickler spart sich das Schreiben langer Zeichenfolgen und verhindert unnötige Tippfehler. In Kombination mit dem Permanent-Compiler und dem Just-in-Time-Debugger wird die Effizienz in der Softwareentwicklung um mind. 20-40 Prozent gesteigert.“

Neben Unterstützung beim reinen Coding sehen der Geschäftsführer der ML Software die dringende Notwendigkeit, den Anwendern smarte Bedienoberflächen für die IBM i-Software zur Verfügung zu stellen. „Klassische Greenscreens bieten weder intuitive Bedienung noch ausreichend Platz für die vielfältigen Informationen, die oftmals dargestellt werden müssen“, stellt Klinge fest und verweist auf die iNow UI Design- und Entwicklungsumgebung: „Sie liefert diese dringend erforderlichen Verbesserungen und bietet sowohl leistungsfähige und effizienzsteigernde Unterstützung bei der Programmierung, als auch beim Erzeugen moderner Benutzeroberflächen.“

Microservices und die IBM i-Welt

Quelle: Task Force IT-Consulting GmbH GmbH

Andreas Strietholt, Geschäftsführer Task Force IT-Consulting GmbH

„Die Ablösung alter monolithischer Programmstrukturen in die Zerlegung von einzelnen wiederverwendbaren Services ist dringend zu empfehlen“, betont Andreas Strietholt. „Hierbei ist nicht nur die Auslagerung in ILE-Serviceprogramme gemeint, sondern im zweiten Step auch die Einrichtung von Microservices rund um IBM i gemeint. Und das lässt sich hervorragend durch die Integration von Node.JS erreichen, denn hier kann man auf ein bestehendes Paket ibmmq unter NPM (Node Package Manager) zurückgreifen, um eine Art Message Queuing zu realisieren.“

Auch für Hamacher ist die Kommunikation über Web Services heutzutage Standard, wenn es darum geht, den Austausch von Daten und Informationen zwischen unterschiedlichsten Anwendungen bzw. zwischen Programmen abzuwickeln, die auf unterschiedlichen Plattformen laufen: „In der Regel erfolgt dieser Austausch über so genannte REST-Nachrichten. Um solch eine Interaktion über REST-Services zu aufzubauen, sind Kenntnisse des http-Protokolls und der darin verwendeten Kommunikations-Methoden notwendig: sehr spezifisches Knowhow also, über das der „normale“ IBM i-Programmierer nicht verfügt.“

Nach seiner Einschätzung kann ein gutes Entwicklungswerkzeug weiterhelfen: „Es bietet für solche Zwecke einfach bedienbare Elemente, über die sich REST-Agents und Clients – also empfangende und sendende Teile – und die dazugehörigen Schnittstellen unkompliziert definieren, abbilden und generieren lassen. Tiefer gehende Kenntnisse über die zugrunde liegenden Transferprozesse sind dabei für den Programmiererfolg nicht erforderlich.“

Das Realisieren von Microservice-Architekturen im IBM i-Umfeld bereitet laut Heidi Schmidt keine Probleme: Wir sehen hier keinerlei Einschränkungen“. Laut Torsten Klinge lassen sich Microservices sowohl innerhalb der IBM i mit klassischem RPG etc., als auch extern in Verbindung mit 5250-Automatisierungen oder Datenbankzugriffen abbilden: „Dies sollte allerdings sorgfältig eingesetzt werden, da hier gegenüber klassischen Calls Unterschiede im Laufzeitverhalten zu berücksichtigen sind.“

IBM i und der Zugriff aus dem Home Office

Die Pandemie gibt ihre Regeln vor – das Arbeiten aus dem Home Office ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil im Business geworden. Daher stellt sich die Frage, wie sich bestehende „Greenscreen-IBM i-Anwendungen“ fit für den sicheren Zugriff aus dem Home Office machen lassen.

Quelle: ML-Software GmbH

Torsten Klinge, Geschäftsführer ML-Software GmbH

„Am unkomplizierten für die Arbeit aus dem Home Office sind Anwendungen, die im Browser zur Verfügung gestellt werden können“, erklärt Torsten Klinge. „Damit dies auch mit klassischen Greenscreen-IBM i-Anwendungen funktioniert, benötigt man eine browserfähige Bedienoberfläche. Die hierfür erforderliche UI Modernisierung gelingt mit iNow UI beispielsweise besonders schnell, da die AutoGUI-Funktion einen extrem hohen Automatisierungsgrad erzielt. Besonders hervorzuheben sind zudem die überragende Sicherheit sowie Browser-, Plattform- und Geräteunabhängigkeit, die dank Verwendung von RDP erzielt werden. Hierbei werden nur Bildschirminformationen und keine Programmcodes übertragen, wodurch typische Angriffspunkte für SQL- und Code-Injections durch Hacker vermieden werden. Da die Lösungen in allen HTML5-Browsern uneingeschränkt und in identischer Qualität laufen, sind die Anwender im Home Office extrem flexibel bei der Wahl ihrer Plattform und Geräte.“

Auch für Andreas Strietholt spielt der Browser die dominierende Rolle: „Moderne Anwendungen laufen im Browser. Dass der Zugriff dann natürlich mit HTTPS verschlüsselt stattfindet, ist aus meiner Sicht selbstverständlich“ – und zitiert einen Anwender, bei denen als Oberfläche die Profound-UI Suite zum Einsatz kommt: „Wenn HTTPS für Privatpersonen sowie Unternehmen ausreicht, um Bank- und Aktientransaktionen online durchzuführen, dann reicht es sicherlich auch aus, um die Bestände der T-Shirts im Lager nachzusehen.“ (rhh)

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