Die Bedrohungslage durch Cyberkriminalität verschärft sich weiter. 2025 war geprägt von ausgeklügelten Angriffen, KI-Experimenten und wachsendem Identitätsmissbrauch. Für 2026 erwarten Experten eine neue Dynamik – mit CEO-Deepfakes, Insiderrisiken und steigender Bedeutung regulativer Vorgaben wie NIS2 oder DORA. Unternehmen stehen unter Druck, ihre Sicherheitsarchitektur zu überdenken und gezielt zu modernisieren.
Cyberangriffe werden immer raffinierter, schneller und schwerer zu durchschauen. Das Jahr 2025 hat deutlich gemacht, wie anpassungsfähig und kreativ Bedrohungsakteure agieren. Mit dem wachsenden Einsatz von KI und dem Fokus auf identitätsbasierte Angriffe nimmt die Komplexität der Lage weiter zu. 2026 dürfte in vielerlei Hinsicht einen Wendepunkt markieren – sowohl technisch als auch regulatorisch.
Rückblick: Die Bedrohungslage im Jahr 2025
Die Entwicklung im vergangenen Jahr zeigt ein zunehmend professionelles Vorgehen von Cyberkriminellen. Zu den dominierenden Trends zählten:
- Ransomware-Kampagnen westlicher Gruppen: Gruppen wie Scattered Spider oder DragonForce setzen auf gestohlene Zugangsdaten und Identitätsdiebstahl. Vor allem nicht-russischsprachige, westlich geprägte Akteure gewannen an Einfluss auf dem globalen Ransomware-Markt.
- Angriffe auf digitale Lieferketten: Zwar noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau, nehmen Kompromittierungen von Software- und Serviceanbietern zu – mit dem Ziel maximaler Skalierbarkeit.
- Erste Anwendung generativer KI durch Angreifer: Bedrohungsakteure experimentierten mit KI für Phishing, Deepfakes und automatisierte Angriffe. Größere Durchbrüche blieben bislang aus.
- Nordkoreanische Scheinselbstständige als Sicherheitsrisiko: Getarnt als IT-Fachkräfte schleusten sich Agenten in Organisationen ein, um gezielt Code und Zugangsdaten zu exfiltrieren.
- Social Engineering bleibt ein zentrales Einfallstor: Phishing per QR-Code, gefälschte Helpdesk-Anfragen und „MFA-Müdigkeit“ zählen weiterhin zu den erfolgreichsten Taktiken.
- Chinesische Cyberspionage als Dauerbedrohung: Angriffe auf Netzwerkgeräte und Cloud-Infrastrukturen spiegeln die geopolitischen Ambitionen Chinas wider.
Ausblick: Was 2026 bringt
Die Experten der Sophos X-Ops sehen in 2026 eine neue Qualität von Angriffsmustern – unterstützt durch KI und automatisierte Tools, die Identitätsmissbrauch, Täuschung und Social Engineering auf die nächste Stufe heben.
Deepfake-Stimmen und CEO-Fakes
Täuschend echte, KI-generierte Stimmen könnten künftig dazu genutzt werden, Prozesse wie Passwortzurücksetzungen oder Finanztransaktionen zu unterwandern. Die Kombination aus Voice Cloning und Social Engineering schafft neue Risiken – besonders in Geschäftsbereichen mit telefonischer Authentifizierung.
Eine neue Dimension erreicht der sogenannte „Agentengestützte CEO-Betrug“: Angreifer erstellen Deepfake-Stimmen und -Videos von Führungskräften, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gespräche zu verwickeln, Vertrauen aufzubauen und anschließend sensible Informationen oder Freigaben zu erschleichen.
Insider-Risiken durch KI-Werkzeuge
Nicht nur böswillige Akteure, auch sorglose Nutzende werden zum Risiko. Mitarbeitende verwenden generative KI zur Produktivitätssteigerung, ohne die Auswirkungen auf Datenschutz und Informationssicherheit zu kennen. Falsch konfigurierte Apps, geleakte Prompts oder Schatten-Integrationen setzen sensible Daten unbeabsichtigt aufs Spiel.
Professionalisierung krimineller Identitäten
Infolge des Fachkräftemangels drängen kriminelle Akteure mit gefälschten Identitäten in den Arbeitsmarkt – insbesondere aus Nordkorea. KI-gestützte Agenten helfen ihnen, realistische Bewerbungsprozesse zu simulieren, in Organisationen aufgenommen zu werden und Zugriff auf kritische Systeme zu erhalten.
Ransomware bleibt das dominierende Risiko
Trotz neuer Methoden bleibt Ransomware eine der größten Cybergefahren. Der Markt differenziert sich weiter aus, die Beteiligung englisch- und chinesischsprachiger Gruppen nimmt zu, und die Attacken werden schwerer zu erkennen – insbesondere durch modulare Baukastensysteme.
„Die Bedrohungslandschaft erweitert sich von groß angelegten Ransomware-Kampagnen hin zu identitätszentrierten Angriffen, KI-gestütztem Betrug und Insiderrisiken, die durch die zunehmende Automatisierung noch verstärkt werden“, erklärt Michael Veit, Cybersecurity-Experte bei Sophos.
„Sicherheitsverantwortliche müssen ihre Kontrollmechanismen für Identität, KI-Governance und Insiderrisiken effektiv aufstellen, um einen Schritt voraus zu sein.“
Auswirkungen auf den Channel: Compliance und Effizienz
Neben den technischen Herausforderungen wächst der Druck durch neue gesetzliche Vorgaben. Sven Janssen, VP Sales EMEA Central bei Sophos, nennt zwei zentrale Entwicklungen:
- Regulatorische Anforderungen durch NIS2 und DORA: 2026 wird ein Jahr zunehmender Compliance-Pflichten. Mittelständische Unternehmen sind gefordert, Security-Prozesse zu professionalisieren und externe Expertise einzubinden – etwa durch Managed Detection & Response (MDR) oder Security-as-a-Service (MSSP).
- Fokus auf Effizienz und Automatisierung: Angesichts steigender Kosten und Fachkräftemangels stehen Vereinfachung, Automatisierung und Transparenz im Fokus. KI-basierte Security-Automatisierung, SoC-Dienste und konsolidierte Security-Plattformen gewinnen an Bedeutung.
„Wir stellen fest, dass Partner technische Lösungen zunehmend mit Schulungs- und Awareness-Angeboten kombinieren“, so Janssen. „Last but not least erwarte ich zudem eine Fortsetzung der Konsolidierung im Channel. Auch 2026 wird im Zeichen weiterer Zusammenschlüsse, Kooperationen und Aufkäufe stehen.“
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