Die Arbeitsbelastung in Security- und Netzwerkteams nimmt weiter zu. Laut einer Studie von Netskope und Cybersecurity Insiders berichten 81 Prozent der befragten Unternehmen von einem gestiegenen Arbeitsaufkommen, während nur 11 Prozent die anfallenden Aufgaben zuverlässig bewältigen können. KI-Agenten sollen insbesondere bei der Bearbeitung von Sicherheitswarnungen für Entlastung sorgen. Allerdings bestehen erhebliche Zweifel daran, ob Unternehmen diese Systeme ausreichend kontrollieren können.
Die zunehmende Zahl an Sicherheitswarnungen und die Komplexität der IT-Infrastrukturen bringen Security-Operations-Teams (SOC) an ihre Kapazitätsgrenzen. Zwar erkennen viele Unternehmen potenzielle Bedrohungen inzwischen schneller, bei der Reaktion und Behebung von Sicherheitsvorfällen bestehen jedoch weiterhin erhebliche Rückstände. Das geht aus dem Report „State of AI Agents in Security and Network Operations“ von Netskope und Cybersecurity Insiders hervor, für den 921 Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Security, Netzwerk und IT befragt wurden.
Demnach haben 60 Prozent der Befragten ihre Fähigkeiten zur Bedrohungserkennung innerhalb der vergangenen zwei Jahre verbessert. Bei der Reaktion und Behebung von Sicherheitsvorfällen trifft dies hingegen nur auf 49 Prozent zu. Müssen mehrere Teams zusammenarbeiten, dauert die Eindämmung eines Vorfalls bei 31 Prozent der Unternehmen mindestens einen Tag. Gleichzeitig berichten 81 Prozent von einer gestiegenen Arbeitsbelastung. Lediglich 11 Prozent geben an, mit dem Arbeitsaufkommen zuverlässig Schritt halten zu können.
Ein wesentlicher Teil der verfügbaren Ressourcen fließt weiterhin in manuelle Tätigkeiten. Bei 61 Prozent der Teams beanspruchen Aufgaben wie die Erstbewertung von Sicherheitswarnungen, die Zusammenführung von Informationen, Dokumentation und Reporting mindestens 40 Prozent der Arbeitszeit.
Sicherheitswarnungen bleiben unbearbeitet
Die personellen und organisatorischen Engpässe wirken sich unmittelbar auf die Bearbeitung von Sicherheitsvorfällen aus. Bei 42 Prozent der befragten Unternehmen bleiben Warnmeldungen, Fälle oder Tickets vollständig unbearbeitet. Als Ursachen nennt die Studie vor allem das hohe Alarmaufkommen (41 Prozent), Personalengpässe (34 Prozent) sowie Fehlalarme und doppelte Meldungen (30 Prozent).
Bei 24 Prozent der Unternehmen führt dies dazu, dass sensible Daten, Systeme oder Benutzerkonten länger als erforderlich potenziellen Risiken ausgesetzt bleiben.
Erschwerend kommt die fragmentierte IT-Werkzeuglandschaft hinzu. Nur 9 Prozent der Befragten bewerten ihre Security- und Netzwerk-Tools als hoch integriert. Für 51 Prozent stellen verteilte Signale und Kontextinformationen das größte Hindernis bei der schnellen Behebung von Sicherheitsvorfällen dar. Zudem verbringen 46 Prozent mehr als ein Viertel ihrer Arbeitszeit damit, Informationen zwischen verschiedenen Anwendungen, Dashboards und Ticketsystemen zu übertragen.
KI-Agenten sollen Routineaufgaben übernehmen
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Einsatz von KI-Agenten in Security Operations an Bedeutung. Laut Studie planen 47 Prozent der Unternehmen, innerhalb des kommenden Jahres KI-Agenten für bestimmte Arbeitsabläufe einzusetzen. Zusätzliche Stellen wollen dagegen lediglich 32 Prozent schaffen.
Im Unterschied zu herkömmlicher, skriptbasierter Automatisierung können KI-Agenten eigenständig weitere Untersuchungsschritte auswählen und ihre Vorgehensweise anhand neuer Erkenntnisse anpassen. Besonders geeignet erscheint dafür die sogenannte Alert-Triage, also die erste Bewertung und Priorisierung eingehender Sicherheitsmeldungen.
46 Prozent der Teams sehen in diesem Bereich den größten manuellen Aufwand. Ebenso viele wären bereits bereit, diese Aufgabe an einen KI-Agenten zu übertragen.
Fehlendes Vertrauen begrenzt die Automatisierung
Trotz der erwarteten Entlastung stehen viele Unternehmen einer weitreichenden Autonomie von KI-Agenten zurückhaltend gegenüber. 68 Prozent würden den Systemen derzeit keine uneingeschränkte Befugnis für operative Änderungen einräumen. Davon schließen 38 Prozent automatisierte Änderungen vollständig aus, während weitere 30 Prozent eine vorherige menschliche Freigabe verlangen.
Die Studie zeigt zudem eine deutliche Lücke zwischen dem praktischen Einsatz und der Fähigkeit zur Kontrolle. Während 29 Prozent der Unternehmen bereits KI-Agenten produktiv nutzen, sind lediglich 9 Prozent sehr zuversichtlich, diese zuverlässig steuern zu können. 45 Prozent haben dagegen nur geringes oder gar kein Vertrauen in ihre entsprechenden Governance-Fähigkeiten.
„SOC-Teams sehen klar das Potenzial von KI-Agenten, ihren wachsenden Arbeitsdruck abzufangen. Gleichzeitig trauen sich viele derzeit nicht zu, diese Agenten zuverlässig zu steuern“, erläutert Mathias Widler, Vice President Central & Eastern Europe bei Netskope. „Das spricht nicht gegen Automatisierung. Governance muss aber von Anfang an mitgedacht werden. Dazu gehört, dass alle Agenten auf demselben Kontext arbeiten und denselben Regeln folgen. Sonst schaffen Unternehmen nur eine weitere Ebene, die niemand überblickt.“
Für den kontrollierten Einsatz formulieren die Befragten konkrete Anforderungen. 55 Prozent wünschen sich einen gemeinsamen Informationskontext über sämtliche Workflows hinweg. 51 Prozent bevorzugen offene Schnittstellen zur Integration bestehender Tools. Weitere 46 Prozent halten ein einheitliches Governance-Modell für notwendig, das unabhängig vom jeweiligen Entwickler für alle KI-Agenten gilt.
Reifegradmodell unterstützt die Einführung
Der Report enthält außerdem ein Reifegradmodell, mit dem Unternehmen ihren Entwicklungsstand beim Einsatz von KI-Agenten anhand von sechs Kategorien bewerten können. Ergänzend beschreibt ein sechsstufiger Praxisleitfaden den Weg von ersten Pilotprojekten zum kontrollierten produktiven Betrieb.
Die Ergebnisse verdeutlichen damit ein zentrales Spannungsfeld: KI-Agenten können Security- und Netzwerkteams bei zeitaufwendigen Aufgaben entlasten. Voraussetzung ist jedoch, dass Unternehmen die Integration, Zuständigkeiten und Kontrollmechanismen parallel zur Automatisierung weiterentwickeln.
Hier finden Sie weitere Informationen zu Netskope und zu Cybersecurity Insiders.
