Europäische Software stößt in deutschen Unternehmen auf deutlich mehr Akzeptanz als noch vor einem Jahr. Laut einer Studie von Myra Security schließen nur noch 4,6 Prozent der befragten IT-Entscheider deren Einführung grundsätzlich aus. Besonders relevant ist digitale Souveränität aus Sicht der Befragten bei Cybersicherheit, künstlicher Intelligenz und Cloud-Diensten. Kosten und fehlende Informationen über Alternativen erschweren jedoch weiterhin den Wechsel.
Europäische Software gewinnt bei deutschen Unternehmen an Bedeutung. Nach der Studie „State of Digital Sovereignty 2026: Uncharted Waters“ des Münchner Cybersicherheitsanbieters Myra Security schließen nur noch 4,6 Prozent der befragten IT-Entscheider die Einführung entsprechender Lösungen aus. Im Vorjahr hatte dieser Anteil noch bei 47,7 Prozent gelegen. Gleichzeitig befinden sich 39,7 Prozent der Unternehmen aktuell in der Einführung europäischer Lösungen, nach 20,4 Prozent im Jahr 2025.
Für die Studie wurden 1.007 IT-Entscheider in Deutschland befragt. Erstmals umfasst die Untersuchung außerdem 504 Entscheider in Frankreich sowie 307 Befragte aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland. Beim Anteil der Unternehmen, die bereits europäische Software einführen, liegt Deutschland mit 39,7 Prozent knapp vor Frankreich mit 38,5 Prozent und den nordischen Ländern mit 35,5 Prozent.
Auch die Forderung nach europäischen Digitalprodukten für staatliche Stellen und Betreiber kritischer Infrastrukturen findet breite Unterstützung. In Frankreich sprechen sich 93,6 Prozent der Befragten dafür aus, in den nordischen Ländern 88,9 Prozent und in Deutschland 87,5 Prozent. Hierzulande ist der Wert gegenüber 84,4 Prozent im Vorjahr damit weiter gestiegen.
Andrea Lindholz, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Vorsitzende der Kommission zu digitaler Souveränität, betonte bei der Vorstellung der Studie vor Journalisten:
„Unsere Daten sind das Gold der Gegenwart und der Zukunft. Insbesondere der Deutsche Bundestag sitzt auf dem größten Datenschatz des ganzen Landes. Wenn der Deutsche Bundestag bei digitaler Souveränität Vorbild sein will, braucht es den Mut stärker auf deutsche und europäische Lösungen zu setzen.”
Geopolitische Entwicklungen erhöhen den Handlungsdruck
Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass der Wunsch nach digitaler Souveränität nicht automatisch eine Abkehr von US-Technologie bedeutet. Im Durchschnitt gibt die Hälfte der europäischen Entscheider an, infolge aktueller geopolitischer Entwicklungen den Fokus auf digitale Souveränität verstärkt zu haben.
Gleichzeitig setzen 24,8 Prozent der französischen IT-Entscheider aufgrund geopolitischer Ereignisse stärker auf US-Software. In Deutschland beträgt dieser Anteil 19,8 Prozent, in den nordischen Ländern 16,9 Prozent.
Besonders wichtig ist digitale Souveränität für die Befragten in den Bereichen Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste. Cybersicherheit nennen 57,6 Prozent der deutschen und 57,1 Prozent der französischen IT-Entscheider. In den nordischen Ländern sind es 68,4 Prozent. Bei künstlicher Intelligenz liegen die entsprechenden Werte bei 50,1 Prozent in Deutschland, 52,4 Prozent in Frankreich und 48,6 Prozent in den nordischen Ländern.
Leonhard Kugler, Geschäftsführer Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDis), sieht insbesondere bei verfügbaren Alternativen Handlungsbedarf:
„Die Ergebnisse der Studie bestätigen, was wir in der Praxis täglich erleben: Der Bedarf an digitaler Souveränität ist groß. Jetzt geht es darum, diese umzusetzen und echte Wahlfreiheit zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass wir alles selbst entwickeln müssen. Wir brauchen aber auf jeder Ebene europäische Alternativen. Sprich, einen souveränen German-Stack.”
Kosten und fehlende Informationen erschweren Migration
Trotz der gestiegenen Bereitschaft bleibt der Wechsel zu europäischen Technologien mit praktischen Hürden verbunden. 34,6 Prozent der deutschen IT-Entscheider nennen hohe Migrationskosten als Hindernis. Darüber hinaus stufen die befragten Unternehmen insbesondere fehlende Informationen über verfügbare europäische Alternativen als Migrationshemmnis ein.
Dennoch zeigt die Studie eine vergleichsweise hohe Zuversicht hinsichtlich einer langfristig größeren digitalen Unabhängigkeit Europas. In Deutschland halten 54,6 Prozent der Befragten es für realistisch, dass Europa bis 2035 eine strukturelle digitale Unabhängigkeit erreichen kann. Noch optimistischer sind die Entscheider in den nordischen Ländern mit 64,5 Prozent. In Frankreich rechnen 46,4 Prozent mit diesem Szenario.
Hier finden Sie weitere Informationen zur Myra Security GmbH.
