Im Rahmen meiner Beratungstätigkeiten treffe ich Administratoren, die für die unterschiedlichsten Systeme verantwortlich sind: iSeries mit OS/400 (heute i5/OS), PCs unter Windows und Linux sowie sonstige Unix-Systeme. Was ich da oft an Netzwerken kennen lerne sowie die Probleme, die es zu lösen gilt, möchte ich Ihnen gerne hier aufzeigen. Bei Beratungen bezüglich der Implementierung neuer Dienste höre ich oft die Meinung, dass z.B. ein Web-Server nicht auf der iSeries genutzt wird, weil er auf der iSeries läuft und „dort alles anders“ – sprich proprietär – ist. Ist auf der iSeries wirklich alles anders oder sind hier Legendenbildung, Unkenntnis gepaart mit Berührungsängsten am Werk?

Betriebssysteme der iSeries i5 Server

Eine bemerkenswerte Eigenschaft der iSeries-Systeme besteht darin, dass die neuen Power5-basierten iSeries-Systeme eine ganze Reihe verschiedener Betriebssysteme nutzen können. Vornehmlich sicherlich i5/OS – jedoch ist eine zwingende Installation von i5/OS nicht notwendig wie bei vorherigen iSeries-Systemen. Neben i5/OS kann ebenfalls Linux für PPC in einer eigenen nativen Partition installiert werden, daneben aber auch Linux für i386 im Rahmen der Integrated X-Server-Technologie (IXS/IXA). Weiterhin kann AIX 5.2 in einer nativen Partition installiert werden und Windows wiederum im Rahmen der IXS/IXA-Technologie. Inwieweit derartige Installationen sinnvoll sind, ist sicherlich vom erzeugten Effekt abhängig und soll hier nicht näher besprochen werden.

Fakt ist jedoch, dass alle diese Betriebssysteme Dienste bereitstellen, die nicht nur im Rahmen eines spezifischen Systems – z.B. i5/OS – angeboten werden, sondern von einigen, wenn nicht sogar von allen: Linux, Windows, Unix etc.

Gemeinsame Nutzung von Druckern.

Eine Frage, die sich im Bereich heterogener Systeme stellt, bezieht sich auf den Bereich des Druckens. Welches System bzw. welche Systeme sollen als Printserver eingesetzt werden? Wobei für iSeries-Anwender oft das Problem im Vordergrund steht, wie können iSeries-Druckausgaben (SCS, IPDS und AFDS) auf Netzwerkdruckern ausgegeben werden. Doch die iSeries kann hier deutlich mehr Dienste leisten. Da sie Druckprotokolle des TCP/IP-Netzwerks – wie LPR, LPD, und IPP (als Client und als Server) – versteht, kann sie über die entsprechenden Protokolle Druckdienste von Windows und AIX/Unix/Linux (LPD/CUPS) relativ einfach ansprechen. Sie kann jedoch auch diese Dienste im heterogenen Netzwerk gut repräsentieren. Auch die Brücke zwischen Windows/Linux/i5OS kann weiterhin durch das Windows Netbios-Protokoll geschlagen werden. Der iSeries Netserver ist, was Drucken anbelangt, in etwa gleichzusetzen mit dem Linux Samba-Server, so dass eine iSeries via Samba drucken kann, aber auch ein Samba/Linux-Client via i5/OS und Windows – sowohl über den einen als auch über den anderen usw. Welches das geeignete Druck-Serversystem dann für Sie ist, ist eine Entscheidung, die von Ihnen gefällt werden muss. Aufgrund der robusten Natur der iSeries ist diese als Printserver für große Ausgabemengen sehr gut geeignet.

Speicherung von ASCII-Daten

Viele Windows- und Linux-Administratoren halten die Speicherung und Verarbeitung von ASCII-Daten für eine Domäne dieser Betriebssysteme. ASCII-Daten können jedoch auch im Integrated File System (IFS) gespeichert werden. Wobei der Zugriff aus der Windows/Linux/Samba-Welt durch den iSeries Netserver oder durch die IXS/IXA-Technologie ermöglicht wird. Aber auch nativen Unix-Clients können via Net File Services (NFS) auf IFS-Daten zugreifen und Unix-Server können Verzeichnisse exportieren, die dann ins IFS der iSeries gemounted werden können.

Die Verteilung von IFS-Daten durch FTP ist dann ein Gemeinplatz aller genannten Systeme.

Datenbankzugriffe

IBM bietet für alle hier betrachteten Systeme Versionen seiner DB2/UDB-Datenbank an, sodass hier via relativ einfach einzurichtender Replikationsvorgänge sowohl spontane als auch regelmäßige Datenaustauschvorgänge zu realisieren sind. Die Kommunikation zu fremden Datenbanksystemen lässt sich durch ODBC/JDBC-basierte Verfahren herstellen. Es muss an dieser Stelle jedoch erwähnt werden, dass hiefür unter Umständen weitere Software anzuschaffen ist oder Schnittstellen durch eigens erstellte Programme aktiviert werden. Seit einiger Zeit stellt IBM via Internet-Download einen iSeries Access für Linux zur Verfügung. Dieses Produkt beinhaltet einen ODBC-Treiber, der es möglich macht, iSeries DB2-Daten in Anwendungen wie Open Office und Star Office zu nutzen.

Web-Dienste

Dass die iSeries Web-Dienste wahrnehmen kann, ist ein alter Hut. Mittlerweile steht uns unter i5/OS ausschließlich der Apache Web-Server zur Verfügung, sodass sich hier kaum Alleinstellungsmerkmale für Linux ableiten lassen können. Apache wurde jedoch auf der iSeries dahingehend erweitert, dass die Net.Data-Schnittstelle zur iSeries DB2 unterstützt wird, sodass ein einfacher SQL- und Script-basierter Zugriff auf iSeries-Daten möglich gemacht wird.

Bei den Application Servern liefert IBM derzeit zwei Produkte aus: ASF Tomcat Application Server in einer relativ alten Version und Websphere Application Server Express für iSeries. Beide Produkte sind Bestandteil der IBM Software Subscription und werden mit i5/OS V5R3 ausgeliefert.

Sie sehen, selbst aus dieser kleinen Aufstellung, dass es zwischen den betrachteten Betriebssystemen und Ihren Diensten viele Berührungspunkte gibt. Wenn wir also von offenen Systemen sprechen, ist die iSeries mit Sicherheit keine Sollbruchstelle in unserem Netzwerk, sondern kann in vielfältiger Weise Dienste bereitstellen.

Fachautor: Klaus-Peter Luttkus