Schon fast so alt wie die DV-gestützten Produktionsprozesse selbst ist das Problem der Abstimmung von PPS-Lösungen mit heterogenen Maschinen- und Leitstandsystemen. Auch in Bezug auf die Veränderung oder Ausweitung von Sachmerkmalen im Bereich der Variantenfertigung war bislang das Wörtchen „Flexibilität“ vielleicht gerade noch mit der Flexibilität jener Programmierer in Verbindung zu bringen, die alle erdenklichen Änderungen in mühsamer und zeitaufwändiger Kleinstarbeit in den Produktionsfluss umzusetzen hatten. Der folgende einschneidende Ansatz führt zum Umdenken, denn künftig wird es nur noch in der Hand des Fertigers liegen, mithilfe seiner PPS-Software und ohne fremdes Zutun Schnittstellenbeschreibungen aller Art zu implementieren und Anpassungen in der Produktion durchzuführen.

Wirtschaftlichkeit als Motivationsfaktor

Das Zusammenwachsen der Wirtschaftsräume hat in den letzten Jahren völlig neue Perspektiven hinsichtlich der Märkte eröffnet. Die Kehrseite der Medaille: Auch die Konkurrenz ist gewachsen, was zu immer kürzeren Innovationszyklen und entsprechendem Kostendruck führte. Für die Produktion bedeutet das: Flexibilität gereicht immer mehr zum Zünglein an der Waage. Denn wer heute schnell und flexibel sowohl die Produktvielfalt und -varianz anzupassen als auch die eingebundenen heterogenen Produktionssysteme auszutauschen vermag, verschafft sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Hinzu kommt, dass die weitgehende Unabhängigkeit von externen Anbietern der unterschiedlichsten Fertigungssysteme mittelfristig durch die Einsparung von Programmierkosten hohe Kostensenkungspotenziale birgt und letztendlich auch langfristig für Investitionsschutz und Zukunftssicherheit sorgt.

Babylon – Der Alptraum aller Fertiger

Noch bis vor wenigen Monaten hatte man das Problem, in der Produktionskette etliche Systeme unterschiedlichster Software-Firmen sozusagen in Handarbeit synchronisieren zu müssen. Der steinerne Weg führte über die Erstellung von Schnittstellenbeschreibungen zur Programmiervorgabe und Pflichtenheften in Form von Organisationsberichten. Teure Programme zur Bereitstellung von Daten an Maschinen wurden erstellt, und jegliche Arten von Anpassungen waren wegen der notwendigen Programmänderungen sehr kostspielig – ganz zu schweigen von dem Aufwand bei der Einbindung komplett neuer Maschinen oder Systeme samt entsprechender Programmieraufträge. Beispielsweise nur 20 verschiedene Lösungen von zehn unterschiedlichen Herstellern von Maschinen- und/oder Steuerungs-Software sorgten bislang zum ineffizientesten Inseldasein mit allen damit verbundenen Problemen.

Die Leichtigkeit des Seins

Heute haben wir völlig andere Möglichkeiten. „State of the Art“ sind auf Flexibilität und weitestgehende Unabhängigkeit ausgerichtete Ansätze – wie beispielsweise der des ERP-Systems cd2000 von r.z.w. cimdata. Hier wird die völlig frei konfigurierbare Steuerung aller Herstellungsprozesse durch die Kombination von so genannten Datasets und dem Produktkonfigurator ermöglicht.

Datasets – Offen nach allen Seiten

Aufbauend auf der Beschreibung der Sachmerkmale im Produktkonfigurator, wo detailliert definiert ist, was produziert wird und welche Eigenschaften das Produkt annehmen kann (so zum Beispiel Varianzen in Design, Format, Dekor und Funktion), erfolgt im PPS eine Dataset-Definition. Diese Parameter erstellt nicht etwa ein Stab von Programmierern, sondern der Fertiger selbst. Der Clou dabei ist, dass damit auch zur Datenbereitstellung an Leitstände oder Maschinen keinerlei individuelle Programmerstellung mehr notwendig ist. Der Fertiger beschreibt also nicht nur die Schnittstellen selbst, sondern definiert auch, welche Aktionen auszuführen sind.

Faktisches Ende von Individualprogrammierung

Auch die gesamte Anbindung von externen Systemen gestaltet sich absolut flexibel und als Standardfunktionalität. So kann der Anwender im Nachhinein ohne fremde Hilfe auch alle erdenklichen Anpassungen selbst durchführen: Ohne Programmieraufwand, allein über den Dialog im ERP-System lassen sich neue Maschinen anbinden oder auch veränderte Gegebenheiten aller Art abbilden – so zum Beispiel Modernisierungen im Bereich der Fertigungsautomation. Für diese Definition von flexiblen Schnittstellen sowie die gesamte Datenaufbereitung kommt der Reportgenerator Crystal-Report als Best-of-Breed-Produkt zum Einsatz.

Das Exempel Nickel-Türen GmbH & Co. KG

Ein besonders innovatives Beispiel, wie sich die Dataset-Logik operationalisieren lässt, ist bei dem in Weißwasser ansässigen Türen-Hersteller Nickel zu sehen, wo sich die Lösung nach Projektstart im Februar 2001 mittlerweile seit Oktober 2001 in erfolgreichen Testläufen im Einsatz befindet. Schon bei einem der ersten Arbeitsschritte wird an einer Presse ein Transponder in die Türrohlinge eingesetzt: Je nach Türart – zum Beispiel reine Zimmertür, Innen- oder Nassraumtür oder auch Brandschutztür – werden im Sandwich-Verfahren verschiedene Füllmaterialien zwischen so genannte Decks gepresst und zusätzlich mit Rahmenverstärkern fixiert. An einem dieser Verstärkungsriegel haftet ein etwa daumennagelgroßer, in Folie eingeschweißter Transponder.

Dieser Chip, der sich berührungslos beschreiben und auslesen lässt, enthält eine eindeutige Artikel-ID von der ERP-Lösung zugewiesen; der Datenträger begleitet daraufhin das rohe Fertigungsstück zu Format-, Folierungs-, Falzkanten- sowie zu verschiedenen sonstigen Anlagen, wo schließlich Arbeitsschritt für Arbeitsschritt aus dem Rohling eine fertig konfektionierte Tür entsteht, und zwar genau so ausgeprägt, wie es die cd2000-Konfigurator- und Fertigungsdaten, auf welche die Artikel-ID verweist, vorsehen. Das ist möglich, weil jede der involvierten Durchlaufmaschinen durch den Input aus dem Auslesen des Transponders und der Produktionsdaten, mit denen die Software die Fertigungsmaschinen versorgt, ermittelt, welche Aufgaben das ERP für das individuelle Fertigungsstück vorgesehen hat und diese entsprechend auch ausführt.

Der Aufbau der Identifikationsnummer lässt sich natürlich nicht nur als Transponder-ID, sondern unter anderem auch als Barcode, der auf herkömmlichen Arbeitspapieren gedruckt werden kann, verschlüsseln. Mit welchem Datenträger die Informationskette geschlossen wird, bleibt somit letztendlich dem Fertigungsunternehmen überlassen. Nickel-Türen hat sich für die innovative Transponder-Technologie entschieden. Das Prinzip des hohen Maßes an Flexibilität in der Prozesskette bleibt jedoch jeweils das gleiche; diese Flexibilität und ist in der schnellen und einfachen Änderbarkeit der Steuerungssequenzen per Datasets begründet, die darüber hinaus ohne großen Aufwand das Einbinden und Verändern beliebig vieler Durchlaufmaschinen der unterschiedlichsten Hersteller und Systeme ermöglicht.

Resümee

Durch die Kombination von Produktkonfigurator und Datasets halten Flexibilität und Unabhängigkeit Einzug in die Fertigungsindustrie. So kann sich beim Einsatz von ERP-cd2000 jederzeit das Herstellungsszenario ändern. Die Maschinen, die vom ERP-System online mit Daten versorgt werden, lassen sich beliebig modifizieren oder gar austauschen, ohne dass dafür für den Produktionsbetrieb aufwändige, mit hohen Kosten verbundene Änderungsprogrammierungen erforderlich wären. Denn sämtliche Anpassungsarbeiten erfolgen im Dialog mit dem ERP-System, wobei Crystal-Report als integriertes Werkzeug zur Datenaufbereitung bzw. -modifikation zum Einsatz kommt. Dieses Vorgehen bedeutet nicht weniger als die faktische Aufhebung der einschlägigen Nachteile vorgegeben heterogener Systemlandschaften im Fertigungsbetrieb.

r.z.w. cimdata AG

D–99425 Weimar

Telefon: (+49) 03643/8640-0

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