Mit einer virtualisierten Umgebung können SW-Hersteller die Entwicklungszyklen optimieren, das Versionsmanagement vereinfachen und neue Versionsstände schneller auf den Markt bringen. Mit der Auslagerung der Entwicklungsumgebung an einen Provider entfällt darüber hinaus der Aufwand für den Aufbau und die Administration der Infrastruktur.

Ein Managed-Hosting-Anbieter betrachtet die Virtualisierung aus Anwendungs- bzw. Service-Sicht. Er stellt Unternehmen eine virtualisierte IT-Infrastruktur bereit und betreibt deren Applikationen. Der Managed-Hosting-Anbieter NTT Europe Online etwa setzt in seinen Rechenzentren die Virtualisierungstechnologien von VMware ein.

Zunehmend genutzt wird eine virtualisierte Infrastruktur von unabhängigen Softwareherstellern (ISVs = Independent Software Vendors). Sie haben damit die Möglichkeit, für die verschiedenen Stufen des Entwicklungsprozesses (Design, Codierung, Test, Betrieb) unterschiedliche virtuelle Maschinen im Rechenzentrum eines Managed-Hosting-Providers zu nutzen. Dahinter steckt das Modell einer vierstufigen IT-Architektur: Entwicklung, Test (Staging), Produktion und Backup/Recovery (Business Continuity). Die einzelnen Bestandteile dieser Architektur sind auf unterschiedlichen virtuellen Rechnersystemen (VMs) auf Basis einer physischen Infrastruktur untergebracht. Für den Betrieb dieser Gesamtinfrastruktur, physisch und virtuell, trägt der Managed-Hosting-Provider die Verantwortung. Softwarehersteller profitieren damit von Vorteilen einer outgesourcten und virtualisierten Infrastruktur, denn sie können sich so auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Sie reduzieren die Aufbauzeit der Infrastruktur und vereinfachen deutlich den Betrieb.

Zu den typischen Merkmalen der Server-Virtualisierung gehört die Trennung der Hardware-Infrastruktur von der darüber angesiedelten Software: Eine Virtualisierungsschicht entkoppelt die Hardware (Prozessor, Hauptspeicher, Festplatte) vom Betriebssystem und den Applikationen. Dabei übernimmt die direkt auf der physikalischen Hardware installierte Virtualisierungsschicht die Aufgaben eines herkömmlichen universellen Betriebssystems. Diese (auch als Hypervisor Layer bezeichnet) ermöglicht und kontrolliert den Zugriff der virtuellen Maschinen auf die Hardware des physischen Servers (Host) und ist für die Ausführung sowie Ressourcenverwaltung und zuordnung der VMs zuständig.

Flexibilität durch eine dynamische Nutzung von Ressourcen

Jede VM verfügt über ihr eigenes Betriebssystem, das wiederum mit individuellen Anwendungen und Diensten versorgt ist. Die einzelnen VMs sind voneinander isoliert und können daher unterschiedlichste Applikationen und Betriebssysteme parallel auf einem Server bereitstellen. Mehr noch: Jede VM lässt sich einzeln schließen und starten, ohne dass andere VMs davon etwas merken. Durch die Verknüpfung der Anwendungen mit jeweils „eigenen“ VMs lassen sich problemlos Patches und Upgrades aufspielen und in einer abgeschlossen Systemtestumgebung prüfen, ohne den Betrieb anderer Applikationen zu stören. Darüber hinaus können Kunden von NTT Europe Online ihre virtuellen Maschinen auf der dediziert bereitgestellten Virtualisierungsinfrastruktur selbstständig administrieren und beispielsweise auch SnapShots anlegen, um verschiedene Versionsstände zwischenzuspeichern oder im Fehlerfall die VM aus einem sicheren Snap-Shot wiederherzustellen – eine höchst sinnvolle Funktion für Software-Entwickler, wenn im Test eine Applikation „abstürzt“. Gemeinsam sorgen all diese Funktionen für ein sehr hohes Maß an Flexibilität.

Die Verwendung spezieller Features von Mehrprozessor- und Mehrkernsystemen versteht sich von selbst. Insbesondere Datenbank-, Messaging-, Streaming-Media- und andere Multi-Threaded-Applikationen profitieren von Mehrprozessor-Servern, bei denen die höhere Rechenleistung auf mehrere, parallel arbeitende virtuelle Maschinen verteilt wird, was die Anpassungsfähigkeit einer virtualisierten Infrastruktur zusätzlich fördert.

Für VMs und ESX bietet NTT Change‑, Ressource- und Servicelevel-Management über das Kundenportal. Quelle: NTT Europe Online

Die Flexibilisierung der Ressourcen zeigt sich auch in deren Verwaltung. So können Administratoren ihre virtuellen Maschinen problemlos vom einen auf einen anderen Server verschieben, um notwendige Ressourcen freizugeben oder abzurufen. Da diese Aufgaben im laufenden Betrieb vorgenommen werden können, kommt es zu keinen Ausfallzeiten. Auch für Wartungs- und Business-Continuity-Anforderungen oder Load Balancing lassen sich die VMs dynamisch verwalten, während User ihre Applikationen nutzen. Ein großer Vorteil der Virtualisierung mit VMware: Die Zugriffe von den VMs auf die Hardware werden mehr oder minder nur durchgereicht, damit lässt sich eine stabil hohe Performance erzielen.

VMware Infrastructure verfügt über ein Cluster-Dateisystem, das speziell für die Virtualisierung entwickelt wurde. Das VMFS (Virtual Machine File System) bietet volle Unterstützung für die Live-Migration. Aber auch wenn es um das Thema Business Continuity (unter Einbeziehung einer virtualisierten Storage-Umgebung) und Verfügbarkeit geht, erweist sich das Cluster-Dateisystem als sehr nützlich. Business Continuity wird damit zu einem wesentlichen Baustein einer vierstufigen IT-Architektur, deren Unterbau die Virtualisierung liefert.

Die wichtigsten Vorteile einer virtualisierten Umgebung lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:

  • Durch die Konsolidierung lässt sich die Zahl der physischen Server deutlich reduzieren und die Serverinfrastruktur ist einfacher zu verwalten. Schätzungen von Experten zufolge kann durch die Server-Konsolidierung die Auslastung vorhandener Hardware von 10 bis 15 auf bis zu 80 Prozent gesteigert werden.
  • Eine virtualisierte Infrastruktur ermöglicht mehr Flexibilität, denn Ressourcen können passgenau eingesetzt werden. Aus Unternehmenssicht lässt sich mit einer solchen Infrastruktur besser auf unvorhersehbare oder kurzfristige zusätzliche Leistungsanforderungen reagieren.
  • Mit Hilfe von Funktionen für die Fehlerfrüherkennung, einer optimierten Kapazitätsplanung und der Fähigkeit, die für eine Aufgabe am besten geeigneten Server aus einem vorhandenen Ressourcenpool auszuwählen, wird mit einer Virtualisierungslösung die Verfügbarkeit der Server deutlich gesteigert.

Nur wenige Unternehmen verfügen über die personellen und finanziellen Ressourcen, um eine anspruchsvolle und komplexe virtualisierte Umgebung aufzubauen. Denn der Aufbau einer eigenen Virtualisierungsplattform ist aufwendig, schwierig und ressourcenintensiv. Durch die Nutzung der Services eines Managed-Hosting-Providers vereinfachen sich Planungs-, Implementierungs- und Betriebsanforderungen. Allerdings sollten Interessenten im Detail auf die Management- und Reportingmöglichkeit achten. Sind diese vorhanden, kann der ISV das volle Potenzial der Virtualisierungstechnologie ausschöpfen. Gerade unter Kostengesichtspunkten wird dann eine Managed-Hosting-Lösung, bei der die benötigten Server- und Storagekapazitäten „gemietet“ werden, zu einer attraktiven Alternative.

Eine Lösung nach dem Baukastenprinzip

Speziell bei Softwareherstellern kann das Konzept der virtuellen Maschinen sehr effizient für unterschiedliche Versionsstände oder auch für branchenspezifische Varianten, beispielsweise eine CRM-Lösung, genutzt werden. Vorgefertigte Images der Lösung werden in verschiedenen vorkonfigurierten VMs „gelagert“ – bei Bedarf lässt sich so eine individuelle Lösung nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen.

Eine virtualisierte Umgebung liefert damit die notwendigen Instrumente, die es einem Software-Entwickler ermöglichen, sehr flexibel auf unterschiedliche Anforderungen zu reagieren und Updates oder neue Versionen seiner Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Die dazu benötigte virtualisierte Infrastruktur stellt ein Managed-Hosting-Provider bereit. Er übernimmt auch die Verantwortung für den Betrieb, die Wartung und Administration. Die Verfügbarkeit der virtualisierten Infrastruktur und der Support sind über Service Level Agreements geregelt.

Eine wichtige Rolle im Umfeld der Software-Entwicklung spielen die ständig steigenden Compliance-Anforderungen an Applikationen. Wenn es um Vorschriften für einen ordnungsgemäßen Betrieb geht, bietet das Managed Hosting der Applikation auf einer regelkonformen virtualisierten Server- und Storage-Infrastruktur deutliche Vorteile. Exemplarisch dafür steht der ISO-27001-Standard für Informationssicherheit. Die Zertifizierung nach ISO 27001 erfordert u. a. einen eigenen Business-Continuity-Plan, ein Team für das Informationssicherheits-Management sowie Prozessabläufe, deren Einhaltung regelmäßig extern geprüft wird. NTT Europe Online ist einer der ersten Managed-Hosting-Anbieter in Europa, der die Zertifizierung nach dem ISO-27001-Standard für das Informationssicherheits-Management erreichte und damit die ISVs bei der Auslagerung ihrer Konfigurationen in eine virtualisierte Umgebung unterstützen kann.

NTT Europe Online GmbH, Frankfurt am Main
www.ntteuropeonline.de