Die Übernahme eines Softwarehauses durch ein anderes löst bei den Kunden meist Unsicherheit aus. Kommt dann noch eine Umbenennung des neuen „Herren“ hinzu, muss dieser sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, um sich das Vertrauens seiner Kunden zu sichern. Wolfgang Kobek, Vorstand infor business solutions, Thorsten Reuper, VP Development Infor XPPS EMEA, Tanja Hossfeld, Manager Marketing Communication EMEA und Bernd Hau, VP Sales EMEA Infor XPPS sprachen mit Michael Wirt über die Erfahrungen dieser Zeit.

Wolfgang Kobek, Vorstand infor business solutions

Michael Wirt: Wir haben im April über die Restrukturierung der ehemaligen Brain und anderer Firmen sowie den Trend der Erfolge gesprochen, die sich in den Umsatzzahlen widerspiegeln. Wie hat sich dieser Trend bis heute weiterentwickelt und was erwarten Sie im kommenden Geschäftsjahr?

Wolfgang Kobek: Durch die Restrukturierung und Fokussierung auf die Kerngeschäfte der einzelnen Gesellschaften ist es uns sehr schnell gelungen, unsere angestrebten Profitabilitätsziele zu erreichen. Erfreulicherweise erreichen wir auch in 2004 unsere gesteckten Umsatzziele, so dass wir heute mit ruhigem Gewissen sagen können: Wir sind eine erfolgreiche Firma! Wir planen für 2005 weiterhin ein moderates, organisches Wachstum. Dieses Wachstum wird jedoch wesentlich in Märkten außerhalb Deutschlands stattfinden. In der Fertigungsindustrie beobachten wir seit einiger Zeit den Trend zur Globalisierung. Aufgrund von Kostenvorteilen werden Fertigungsstandorte aus den traditionellen Produktionsländern nach Osteuropa und in zunehmendem Maße nach Asien verlagert. Als globale Firma sind wir nicht zuletzt auch deshalb optimistisch, unser Ziel von 500 Mio. Dollar weltweiten Umsatz in 2005 zu erreichen. Dieses Ziel bedingt natürlich weitere Akquisitionen, die weiterhin Teil unserer Firmenstrategie sein werden.


Tanja Hossfeld, Manager Marketing Communication EMEA

Michael Wirt: Mittlerweile ist ja auch die Umbenennung am Markt durch und akzeptiert. Welche Reaktion haben Sie von Ihren Kunden auf die Umbenennung in „Infor Global Solutions“ wahrgenommen?

Tanja Hossfeld: Zum Start des einheitlichen Unternehmensauftritts im September dieses Jahres haben wir sehr viele Veranstaltungen in ganz Europa durchgeführt, um von vornherein ein hohes Maß an Transparenz zu gewährleisten. Kunden wie auch Partner begrüßen den Schritt zur Umfirmierung und die damit verbundene globale Produktstrategie ohne Einschränkung. Vor allem die Ankündigung und Darlegung der Produkt-Roadmaps zur Infor World Edition stieß allerorts auf offene Ohren. Kunden und Partner erkennen in diesem Ansatz die branchenspezifische Ausrichtung und die daraus resultierende Flexibilität für Ihre speziellen Bedürfnisse. Mit dem Wachstum der Infor Global Solutions steigt gleichzeitig das Produktangebot und der Investitionsschutz. Zusammenfassend lässt sich resümieren, dass unsere Kunden in Infor weiterhin einen zuverlässigen, vertrauenswürdigen, globalen Anbieter von umfassenden und modernen Software-Lösungen sehen.


Bernd Hau, VP Sales EMEA Infor XPPS

Michael Wirt: Die IBM hat sich in großen Teilen der Server-Palette auf Linux als strategisches System festgelegt. Welchen Stellenwert messen Ihre Kunden heute diesem Betriebssystem bei?

Bernd Hau: Aktuell liegen uns erst vereinzelt konkrete Anfragen von unseren Bestandskunden vor, und auch bei Gesprächen mit potenziellen Neukunden scheint dieses Thema mehr und mehr an Bedeutung zu gewinnen. Wir beobachten diesen Trend sehr genau, sehen aber langfristig durchaus einen Trend zu einem möglichen Technologiewechsel, dass sich diese Technologie durchsetzen wird. Daher spielt diese Thematik eine maßgebliche Rolle im Hinblick auf unsere geplanten Produktentwicklungen. Aus diesem Grund basiert unsere globale Software-Lösung Infor World Edition auf der Java-Plattform und wird demnach auch auf Linux laufen. Fazit: Für die Zukunft planen wir plattformunabhängige Lösungen für unser Produktportfolio, um somit unseren Kunden die größtmöglichste Flexibilität und somit einen maximalen Investitionsschutz bieten zu können.


Thorsten Reuper, VP Development Infor XPPS EMEA

Michael Wirt: Welche Rolle wird Linux unter Berücksichtigung der geplanten und in einzelnen Teilen fälligen Produkt-Modernisierung übernehmen?

Thorsten Reuper: Bereits existierende Infor XPPS-Versionen werden wir auch weiterhin iSeries- bzw. Windows-kompatibel weiterentwickeln. Die schon angesprochene Infor World Edition hingegen basiert auf Java und wird demnach auch unter Linux zur Verfügung stehen.

Michael Wirt: Ich denke, Ihre Kunden warten auf Erneuerungen und Modernisierung der von Agilisys und infor business solutions erworbenen Produkte. Wer kommt da zuerst dran bzw. wie sieht die Roadmap für die Software-Modernisierung aus und was sind die Highlights?

Thorsten Reuper: Es stellt sich hier nicht die Frage, welcher Infor Bereich zuerst an der Reihe ist; in erster Linie stehen in unserem Unternehmen die Kunden und deren Investitionsschutz an vorderster Front. Wir sind unseren Kunden weiterhin verpflichtet, hier eine klare Release-Politik für alle Infor Lösungen zu haben. Neben den neuen Funktionsanforderungen unserer Applikationen hat auch die Software-Modernisierung einen hohen Stellenwert bei Infor. Erste Schritte in der Modernisierung ist beispielsweise eine einheitliche Benutzeroberfläche, welche ein erster Schritt in Richtung zur World Edition ist. Im Folgeschritt wird dann die modulweise Kapselung unserer Kernanwendungen – wie z.B. der Bereich Automotive – sein, um diese unter Java neu entwickelten Programme dann an unsere ERP-Systeme zu integrieren und um sie dann später wieder in unserer World Edition zu vereinen. Die neue Lösung für die Automobil- und Fertigungsindustrie steht unseren Infor AS-, XPPS- und COM-Kunden jederzeit auf Wunsch über Migrationspfade zur Verfügung.