Aktuellen Umfragen zufolge können Anbieter von ERP-Lösungen für 2005 mit einer steigenden Investitionslust der Unternehmen rechnen – geplant sind Verbesserungen der Anwendungen, die Durchführung von Release-Wechseln, mancherorts gar die Implementierung ganz neuer ERP-Systeme. Wie managt vor dem Hintergrund dieser Prognose sowie der Entwicklung vergangener Monate ein typischer mittelständischer ERP-Anbieter sein Geschäft? Welche Anforderungen gilt es beispielsweise softwareseitig zu erfüllen bzw. was ist bereits umgesetzt? Zu diesem Thema stehen Karl Senftleber, Thomas Weiland und Marco Mancuso von der Schwetzinger Sou Systemhaus GmbH & Co. KG Rede und Antwort.
Sehen die Zukunft für den deutschen Mittelstand optimistisch. Von links: Marco Mancuso, Karl Senftleber, Thomas Weiland

Michael Wirt: Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Software mit grafischer Oberfläche zu versehen?

Karl Senftleber: Grundsätzlich sehen wir uns damit konfrontiert, mittelfristig eine plattformunabhängige Lösung anbieten zu können. Und technologisch gesehen ist eine grafische Oberfläche mittlerweile ein absolutes Muss.

Thomas Weiland: Der Green Screen hat mehr und mehr ausgedient. Zudem bietet ein GUI eine hohe Zahl zusätzlicher Funktionalitäten innerhalb unserer ERP-Lösung sou.MatriXX, die speziell im Vertrieb – ich spreche hier insbesondere vom Customer Relationship Management – von enormer Wichtigkeit sind.

Michael Wirt: Die grafische Oberfläche ist damit also auch ein Add-on im Bereich Funktionalität?

Karl Senftleber: Ja. Wir haben die grafische Oberfläche für das gesamte Netzwerk komplett integriert. Dies betrifft auch die Integration der verschiedenen Office-Produkte sowie die Anbindung von Mail-Programmen. Durch die offene Entwicklung erlaubt sou.MatriXX außerdem einen bequemen Wechsel der Produkte mithilfe einer Parametrisierung.

Marco Mancuso: Zudem sind Anwender im Mittelstand mittlerweile bereit, unter Kosten/Nutzen-Aspekten auf eine andere Hardware-Plattform umzusteigen. Daher haben wir uns produktstrategisch und preispolitisch umgestellt, um unseren Kunden hier von der Finanzierungsseite her flexible Möglichkeiten bieten zu können.

Michael Wirt: Stichwort i5: Welche Gewichtung hat die i5 vor dem Hintergrund Ihrer Marktkenntnis heute? Welche Rolle könnte sie morgen einnehmen?

Karl Senftleber: Ganz klar hat die i5 den Markt wieder belebt, wenn wir auch für unsere Kunden das Preis/Leistungs-Verhältnis immer noch etwas problematisch sehen – mit ein Grund für uns, unsere Lösung mittelfristig plattformunabhängig zu machen.

Thomas Weiland: Als Software-Anbieter passen wir uns den Anforderungen des Markts an, wobei die i5 nichtsdestotrotz ein ganz wesentlicher und wichtiger Markt für Sou ist und bleibt.

Marco Mancuso: Die Fragen, die wir in Bezug auf i5 oft hören, sind: Bietet sie mehr oder hat sich nur der Name geändert? Warum Geld für neue Hardware ausgeben, bisher hat sie doch auch ausgereicht? Da ist vielerorts noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten, auch wenn die Funktionalitäten überzeugen.

Thomas Weiland: Der Mittelstand will eine bezahlbare Maschine, die gestiegene Anforderungen an Kapazitäten und Performance – Stichwort: GUI und die Abbildung von immer mehr Prozessen – handeln kann. Das sind allerdings allgemeine Marktprobleme, keine IBM-spezifischen.

Michael Wirt: Apropos Markt: Kann man generell sagen, dass der Markt enger wird, und wo sehen Sie denn für sich unter diesen Umständen neue Märkte?

Marco Mancuso: Fakt ist, dass der Markt nicht wächst. Denn viele Anbieter geben auf und man kann dann im Ablösegeschäft aktiv werden. Darüber hinaus gibt es noch eine Menge Unternehmen, die nach wie vor veraltete Lösungen einsetzen. Auch hier sehen wir Chancen, genauso wie in für Sou neuen Branchen.

Michael Wirt: Setzen Sie diesbezüglich auf Synergien durch Partner in den Bereichen, die Sou noch nicht optimal abdeckt?

Karl Senftleber: Durchaus, auch wenn das Partnergeschäft nicht ganz oben auf unserer Liste steht.

Marco Mancuso: Meiner Ansicht nach geht der Trend weg von „Alles aus einer Hand” hin zum Agieren über Netzwerke und Connectivity. Will sagen: Ich halte meine Lösungen so flexibel und modular wie möglich, damit ich auch in schlechten Zeiten handeln kann, verfüge aber gleichzeitig über genügend Kontakte, um für große Projekte gerüstet zu sein oder Vertriebspartner zu gewinnen.

Michael Wirt: Sehen Sie in der Konzentration auf Kernpunkte Ihre besondere Stärke? Oder worin liegen die Vorteile in einer Zusammenarbeit mit Sou?

Thomas Weiland: Gerade vor dem Hintergrund, dass die ‚Big Player’ auf den Markt drängen, sehen wir unsere Stärke in der Flexibilität, uns auf den Kunden einzustellen und nicht umgekehrt.

Marco Mancuso: Gleichzeitig suchen wir Kunden, deren Prozesse nicht so speziell sind, dass sie eine individuelle Lösung bräuchten, die dann im Hinblick auf das speziell für den Mittelstand so wichtige Preis/Leistungs-Verhältnis in Sachen Release-Fähigkeit zu unkalkulierbaren Nachfolgekosten führt. Und davon gibt’s einige in Deutschland.

Michael Wirt: Wo sehen Sie im Mittelstand generell Wachstum generischer Natur, also natürliches Wachstum innerhalb der Unternehmung, oder dadurch, dass Fremdanbieter dem Markt bestimmte Wachstumsimpulse geben? Wie wachsen Ihre Kunden? Woher kommen Ihre Neukunden?

Karl Senftleber: Neu hinzu gekommene Mitbewerber stellen sich ganz anders auf als Sou. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ein Unternehmen aus sich heraus wächst, durch die eigene Initiative, und von daher ganz zwangsläufig irgendwann Anwendungen mit mehr Funktionalität benötigt.

Marco Mancuso: So ist es, denken Sie nur an die zunehmende Internationalisierung und Globalisierung. Hier sehe ich eher Wachstums-Chancen der Sou-Zielgruppe als bei neu gegründeten Unternehmen, diese Erfahrung machen wir auch bei der Unterstützung von Existenzgründern gemeinsam mit den IHKs. Außerdem werden sich durch Rationalisierung und Neustrukturierung auch in Zukunft genug Themen finden, die für uns als ERP-Anbieter Grund genug sind, neue Module und Lösungen auf den Markt zu bringen.

Thomas Weiland: Die Erfahrung zeigt einfach auch, dass viele Unternehmen zur Jahrtausendwende oder bei der Euro-Umstellung ihre zum Teil schon sehr alten Lösungen nur ausgebessert haben. Damit sie weiter wettbewerbsfähig bleiben, muss dringend etwas geschehen – und von daher wird sich der Investitionsstau irgendwann auflösen.