Die Solitas Informatik AG ist seit vielen Jahren eine feste Größe im IBM Midrange-Markt. Im Interview mit Tanja Maršal spricht Geschäftsführer Siegmar Deuring unter anderem über das Archivierungs- und DMS-System InfoStore, das über Integrationen zu nahezu allen Business-Software-Lösungen, die im deutschsprachigen System i-Markt eine Rolle spielen, verfügt.

Tanja Maršal: Auf der CeBIT 2009 hat Solitas einen ersten Einblick in das Release InfoStore 10 gegeben, das unter dem Codenamen „Apollo“ ein Projekt zur Entwicklung komplett neuer Client-Applikationen beinhaltet. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Siegmar Deuring: „Apollo“ ist nicht nur wegen des gerade gefeierten 40. Jubiläums der Mondlandung hochaktuell. Wir haben im größten Entwicklungsprojekt, das Solitas seit dem ursprünglichen Design der Software unternommen hat – daher der hohe Anspruch des Projektnamens – ein komplett neues Framework für unsere Client-Applikationen konzipiert. Zusammen mit externen Ergonomie-Spezialisten haben wir ein neues „Look and Feel“ entwickelt, das den Ansprüchen moderner Windows- und Internet-User entspricht und höchsten Usability-Kriterien gerecht wird. Noch in diesem Jahr können Anwender auf diese neuen Clients – Document Viewer, Windows-Retrieval, Scan-Client etc. – umsteigen.

Tanja Maršal: Worin besteht der Nutzen dieser neuen Applikationen?

Siegmar Deuring: Zunächst einmal besteht ein grundlegender Vorteil darin, dass die bisher separaten Applikationen auf einem gemeinsamen Framework basieren und umfassend miteinander integriert sind.

Siegmar Deuring, Geschäftsführer Solitas Informatik AG

Die Anwender profitieren in der täglichen Arbeit vor allem von der gleichzeitig eingeführten Plugin-Technologie des Clients. Funktionen aus anderen Softwareanwendungen wie zum Beispiel Zugriff auf das Kreditorenkonto in der Buchhaltungssoftware während der Eingangsrechnungsprüfung oder Workflow-Anwendungen können sehr einfach direkt in den Apollo-Client integriert werden.

Das völlig neuentwickelte Design orientiert sich an den aktuellsten Microsoft Styleguides für Windows Vista bzw. Windows 7, welche den Anwender nicht mit überfrachteten Menüleisten überfordern. Durch die Möglichkeit der benutzer- und rollenbasierenden Konfiguration stellt das System genau die Funktionen bereit, die aktuell benötigt werden. Dadurch können Anwender schneller und konzentrierter arbeiten und das volle Potenzial der neuen Funktionen nutzen.

Auf Server- und Middleware-Ebene wird mit der neuen Technologie unter anderem die Integration – also das Entwickeln und Optimieren von Schnittstellen für ERP‑, PPS‑, CRM- und andere Lösungen an das DMS – viel einfacher. Durch die neue PlugIn-Technologie im Apollo-Client können Funktionen von anderen Programmen wie zum Beispiel ERP-Software oder Workflow-Systemen sogar direkt in unseren Client integriert werden oder umgekehrt. Unsere Partner haben nunmehr die Möglichkeit, ihre eigenen Lösungen und DMS-Erweiterungen mit sehr geringem Aufwand in den neuen Client zu integrieren.

Außerdem ist der neue Apollo-Client offen für verschiedene Repositories auf unterschiedlichen Plattformen. Das heißt, die neue Technologie ist nicht mehr nur auf das InfoStore-Archiv auf IBM AS/400 und System i beschränkt, sondern kann auch Windows- oder Linux-basierte Repositories ansprechen.

Für unsere Kunden und Partner bedeutet das enorme Kosten- und Zeiteinsparungen bei der Einführung oder Erweiterung von InfoStore sowie völlig neue Lösungsmöglichkeiten bei der optimalen Integration der Softwarelösungen eines Unternehmens.

Tanja Maršal: Wie begegnen Sie dem Trend, dass Unternehmen zu Microsoft-basierten Systemen wechseln?

Siegmar Deuring: Die meisten unserer Kunden nutzen schon lange auch MS-Betriebssysteme auf ihren Clients oder Servern für unterstützende Anwendungen wie zum Beispiel MS Exchange Mailserver oder MS SharePoint-Services. InfoStore verbindet diese Anwendungen mit dem robustesten zuverlässigsten Serversystem – iSeries und System i. Die neue Middleware, die erstmals mit dem Apollo-Client zum Einsatz kommt, ermöglicht sogar die Anbindung von DMS-Repositories unter MS-Serverbetriebssystemen.

Tanja Maršal: Solitas ist bisher stark fokussiert auf den System i-Markt. Kann man hier noch Wachstum erzielen?

Siegmar Deuring: Die IBM Plattform wurde von den Rivalen im Servermarkt seit ihrer Einführung im Jahre 1988 totgesagt, doch die iSeries erweist sich als zählebig. Die Kunden wissen zu schätzen, dass IBM eine langfristige Plattform-Strategie verfolgt. Dies wird durch Ankündigungen unterstrichen, wie Anfang dieses Jahres die i-Roadmap, in welcher die Neuerungen dargelegt wurden, die IBM i 6.2 und i 7 2009 und 2010 bringen werden. Dadurch ist System i ein stabiler Markt, auch mit Wachstumspotential für uns als DMS-Anbieter. So konnten wir in den vergangenen Jahren jeweils rund 30 Neukunden pro Jahr gewinnen.

Tanja Maršal: Statt von Dokumentenmanagement (DMS) sprechen die Anbieter heute zunehmend von Enterprise Content Management (ECM). Ist das ein bloßer Namenswechsel oder stehen dahinter auch neue Inhalte?

Siegmar Deuring: Mit ECM wird ein gewachsenes Aufgabenspektrum bezeichnet. Der Begriff DMS steht für das Archivieren und Dokumentverwalten. ECM-Systeme gehen darüber hinaus und führen Daten und Dokumente aus allen Anwendungen eines Unternehmens inklusive Daten und Dokumenten von Partnern und Lieferanten in einer Lösung zusammen. Vor allem bei der Verarbeitung von eingehenden Dokumenten wie Eingangspost, Fax, E‑Mails oder EDI lassen sich durch ECM-Systeme erhebliche Effizienzpotenziale erschließen. Denn der hohe manuelle Anteil, der durch Medienbrüche und die Verarbeitung des papierbasierten Beleggutes entsteht, führt zu hohen Erfassungskosten sowie Fehlerfrequenzen.

Tanja Maršal: Zu welchen ERP-Systemen bietet InfoStore Schnittstellen?

Siegmar Deuring: Wir haben mittlerweile Installationen mit allen gängigen ERP-Systemen realisiert. An vorderster Stelle stehen natürlich die Lösungen unserer Partner – beispielsweise die Softwarelösungen unserer Konzernmutter SoftM sowie von Ametras, oxaion, Veda, um nur eine Auswahl zu nennen –, aber ebenso haben wir InfoStore in Umgebungen mit SAP- und Infor-ERP-Lösungen eingeführt. Zusammen mit unseren mehr als 30 Partnern in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien sind wir in der Lage, auch individuelle Lösungen mit überschaubarem Kostenaufwand an InfoStore anzubinden, und die neue Apollo Plugin-Technologie macht das nochmal einfacher.

Tanja Maršal: Wie ist der Status bei den Themen IT-Compliance und Elektronische Signatur – welche Lösung bieten Sie Ihren Kunden?

Siegmar Deuring: Aufgrund steigender Nachfrage seitens InfoStore-Kunden und auch unserer Partner bieten wir seit diesem Jahr auch Beratungsleistungen zu den rechtlichen Anforderungen an DMS-Systeme an. Bei mehr als 10.000 Informations- und Dokumentationspflichten in deutschen Unternehmen kann man doch sehr schnell den Überblick verlieren. Zu diesem spannenden Thema haben wir im letzten Quartal eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe an 14 Orten durchgeführt. Diese Veranstaltungen sind natürlich auch für uns als Hersteller sehr wichtig, denn hier findet ein reger Informationsaustausch mit unseren Anwendern statt und wir können Wünsche und Anregungen, zum Beispiel zur digitalen Signatur, sehr schnell umsetzten. Mit InfoStore besteht die Möglichkeit, eine Vielzahl von Trustcentern einzubinden, über welche sowohl archivierte Dokumente im Langzeitarchiv digital zertifiziert als auch via E‑Mail versandte Dokumente mit digitaler Signatur versehen werden können.

Tanja Maršal: Über welche Vertriebswege bringen Sie InfoStore an den Markt?

Siegmar Deuring: Wie schon erwähnt, gibt es für InfoStore ein ausgeprägtes Partnernetzwerk von mehr als 30 Partnern in Europa, die sich auf verschiedene Lösungen, wie zum Beispiel die Anbindung unterschiedlicher ERP-Systeme, spezialisiert haben. Dieses Partnernetzwerk bauen wir weiter aus und fördern besonders solche Partner, die sich ausschließlich auf InfoStore als DMS/ECM-System konzentrieren. Kunden, die direkt bei uns anfragen, bringen wir mit dem passenden Partner in Verbindung. Strategische Projekte können in der Konzeptions- und Realisierungsphase auch direkt von unserer Vertriebs- und Consultingabteilung betreut werden. Sei es durch das Partnernetzwerk oder direkt durch uns – wir realisieren die passende Lösung für den Kunden. Wir stehen für Kompetenz in Sachen DMS und ECM im System i-Markt. So werden wir auch wahrgenommen: Geben Sie doch mal „DMS iSeries“ in Google ein …

Solitas Informatik AG, Buchs (CH)
www.solitas.com