Als internationaler Hersteller von Software für Finanzwesen, Controlling und Personalwirtschaft sowie auch – bislang aber eher zurückhaltend – im AS/400- und iSeries-Markt hat sich die Varial Software AG einen Namen gemacht. Mit der Neuauflage ihrer bislang auf Structured-Analysis-Funktionalität basierenden Lösungen soll nun der Marktanteil innerhalb der IBM Midrange Gemeinde ausgebaut werden – „World wide“ versteht sich. Die Varial World Edition integriert bewährtes Know-how und moderne Konzeptionierung. Im Bereich „Lohn“ läuten die Hamburger mit variablen Rechenregeln und Strukturen die Personalwirtschaft der Moderne ein. Der Markterfolg beruht auf einem eindeutigen Geschäftsmodell: Sämtliche Produkte werden ausschließlich über ein Netzwerk unabhängiger Partnerunternehmen vertrieben. „Best-of-Breed“ erreichen verschiedene europäische ERP- und Business-Softwarehersteller, indem sie ihr Produktangebot mit der Software aus Hamburg komplettieren und ihren Kunden so eine nahtlos integrierte Gesamtlösung anbieten, d.h. eine, die verschiedenste Kernkompetenzen in sich vereint.

Die 1991 aus dem Philips-Konzern hervorgegangenen Varialer sind auf den Bereich Horizontalsoftware spezialisiert – im Regelfall ein Ergänzungsstück zu Applikationen wie WWS, PPS und anderen. Ein Grundsatz, den das Unternehmen konsequent verfolgt, ist Plattformunabhängigkeit. „Wir wollen uns einen größtmöglichen Kreis an Kunden und Partnern erschließen“, so Friedel Schwardtmann, CEO der Varial Software AG. „Und wer solche Pläne hat, kann kaum von seiner Seite aus die Installationsbedingungen vorgeben.“

Im iSeries-Markt tummeln sich – im Vergleich zu anderen Plattformen – relativ viele Anbieter, die integrierte Systeme inklusive Rechnungswesen anbieten. Kein leichter Stand also für Spezialisten? Der CEO beurteilt die Situation anders: „Wir sind der Ansicht, dass auf lange Sicht viel Kraft benötigt wird, wenn ein Anbieter diese Know-how-Vielfalt durchhalten will. Der Pflegeaufwand setzt für jedes Stück Software die Notwendigkeit einer bestimmten Umschlagmenge voraus.“ Baustein-Gesamtlösungen könnten dieses Problem lösen.

Bausteinprinzip

Der gesamte Softwaremarkt hat zu kämpfen. Die aktuelle Problemkategorie lautet: Modische Kollektionen. Das Saisondenken á la „Öfter mal was Neues“ ist zwar en vogue, behindert aber das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten. Einheitliches Look & Feel, Unterstützung von Internationalisierungsstrategien, ASP und andere Features werden vom Kunden heute vorausgesetzt. Dabei muss die Software möglichst einfach wartbar sein, damit die Kosten nicht explodieren. Systeme, die den neuen Anforderungen gerecht werden wollen, müssen entsprechend „designt“ sein. „Alter Wein in neuen Schläuchen“ war dem Softwarehaus nicht genug. „Wir haben uns entschieden, eine komplette Neuentwicklung zu starten“, so Friedel Schwardtmann, „Java-basierend und mit bewährtem Branchen-Know-how entwickelt.“ Man baue jetzt zwar nicht auf eine Finanzbuchhaltung, die auf Gefühl reagieren könne, aber auf eine moderne Lösung, welche sämtliche klassischen Komponenten integriere. Ehemals modularistische Strukturen wurden durch Objektorientierung mit komponentenbasiertem Ansatz und COBOL wurde durch JAVA abgelöst. Dieser Ansatz simpliziert nicht nur den Wartungsaufwand, sondern soll auch helfen, gänzlich neue Kundengruppen zu erschließen.

Handarbeit

Statt auf Entwicklung mit Hilfe von Tools setzte man auf „echte Handarbeit“. Neue Java-Spezialisten und auf die Programmiersprache umgeschulte Mitarbeiter brachten ihr branchen- und funktionsspezifisches Know-how in die Varial World Edition ein. „Nur neue Technologen ohne Basis-Know-how bringen ein Softwarehaus nicht weiter“, so Dr. Dieter Masak, Bereichsleiter Entwicklung. „Dabei entstehen Lösungen, deren funktionaler Gehalt nicht stimmt.“ Das Unternehmen beschäftigt sich seit den 70er Jahren mit einer evolutionären Weiterentwicklung seiner Produkte, in denen inzwischen selbst kleinste Kundenanforderungen abgebildet sind.

Kritisch sieht CEO Friedel Schwardtmann die Traditionsliebe des Wettbewerbs: „Im AS/400-Feld ist man ja manchmal erstaunt, wie viel Altlast sich noch verkraften lässt.“ Man selbst habe den Zeitpunkt, die Axt anzusetzen und die Moderne zu integrieren, nicht verpassen wollen. Der Schutzmantel, der den Markt bisher umgeben habe, öffne sich jetzt – mit dem komponentenbasierenden Modell der World Edition wolle man ihn erobern.

„Nur“ Auslandsversionen

Bisher bot das Unternehmen eine rein nationale Entwicklung an. Bei der World Edition sollte ein Modell gefunden werden, dessen Kern den kleinsten gemeinsamen Nenner für alle Landesversionen bilden sollte. Soll & Haben sei überall gleich, der Zahlungsverkehr aber unterschiedlich. Um sich nicht der Gefahr des bekannten Fahrwassers auszusetzen, hat Varial beim Neudesign mit der Version für Großbritannien begonnen. „Wir haben ganz bewusst mit dem englischen Produkt losgelegt, damit wir nicht deutsche Ausprägungen und anderswo Schwierigkeiten haben“, bestätigt der CEO. „Die deutsche Version ist ebenso Auslandsversion wie alle anderen.“

Speziell angelsächsische Produkte seien auf dem deutschen Markt weniger gut positioniert. Warum, weiß Friedel Schwardtmann spontan zu erklären: „Man geht davon aus, dass in Europa auch Englisch gesprochen wird und agiert nach dem Motto ‚Das wird schon passen’. Die Menschen aber, die mit diesen Lösungen arbeiten, sind völlig unterschiedlich.“

Spezialgebiet Personal

Der Bereich „Human Resources“ wird in zwei Bereiche gegliedert: in Personalinformationssysteme und in Lohn- und Gehaltsabrechnung. Erstere lässt sich nach Erfahrung der Hamburger leicht internationalisieren, es gebe keine gesonderten Vorschriften. Bei Lohn- und Gehalt aber sind nationales Recht und Steuergesetzgebungen zu berücksichtigen – und die sind mitunter sogar höchst kompliziert. Zudem sei enorme Schnelligkeit gefragt, wenn neu verabschiedete Gesetze kurzfristig in Kraft treten.

Das Softwarehaus hat jetzt ein international einsetzbares Lohn- und Gehaltssystem designt. Die Technik ist eigentlich simpel: Rechenregeln für Sozialversicherung und Steuern können von außen beeinflusst und auch das Ablaufprozedere kann angepasst werden. Ein nationaler Entwicklungspartner nimmt die spezifischen Anpassungen vor – innerhalb kürzester Zeit, wie Varial betont.

Im Bereich Lohnsoftware lebe der Markt noch die Siebziger-Jahre: Den ganzen Monat über würden Daten gesammelt, das Monatsende mutiere zur wiederkehrenden Stress-Situation und stehe für einen unverhältnismäßig hohen Aufwand. Auch dieses Problem habe man mit der neuen Software gelöst: Gerechnet wird sofort, der Monats-End-Stress entfalle, was auch positiven Einfluss auf die Systemlast habe. Mit der ebenfalls aus den Siebzigern stammenden Tradition, sämtliche Löhne und Gehälter 12-mal im Jahr neu zu berechnen, wurde ebenfalls aufgeräumt. „Gehaltsänderungen gibt es doch meist nur bei relativ wenigen. Warum also stets neu rechnen, wenn sich gar nichts ändert?“, fragt der CEO.

Varia(be)l

Die Programmierung der Varial World Edition erfolgte serverseitig ausschließlich in Java. Die Gestaltung der Oberflächen wurde flexibel gehalten und bietet damit OEM-Partnern, die die Lösung in ihre ERP-Applikationen integrieren, die Möglichkeit der Anpassung an das eigene Look & Feel – und damit der Vermarktung unter eigenem Label. Die funktionale Integration mit ERP-Anwendungen kann u. a. durch Corba-, DCom/Com-, ActiveX-, Java- und XML-Schnittstellen erzielt und eine nahtlose Zusammenarbeit der Applikationen sichergestellt werden. Die neue Produktgeneration der Varial-Software ist vollständig intranet- und internetfähig.

Mit der Lösung richtet sich das Unternehmen an Softwarehersteller im In- und Ausland sowie an national oder international orientierte Systemhäuser mit dedizierter Branchenfokussierung. Im Kern der World Edition sind bereits entscheidende Voraussetzungen für den internationalen Einsatz der Software erfüllt. Dies betrifft vor allem die einfache sprachliche und funktionale Lokalisierbarkeit der Software und die Möglichkeit der Verwendung länderspezifischer Formate, Symbole und Begriffe. Bislang wurden spezifische Landesversionen für den Einsatz in Großbritannien und Deutschland erstellt. Weitere Versionen sind in Arbeit.

Die neuen Möglichkeiten bei der Integration von Fremdanwendungen bieten Herstellern von ERP-Software die Chance, bei der Eigenentwicklung neuer Produkte alternative Strategien in Betracht zu ziehen. „Jeder Softwarehersteller kann sich wieder auf seine Kernkompetenzen konzentrieren“, so Friedel Schwardtmann. „Denkbar ist eine klare Arbeitsteilung in der Softwareindustrie, wie wir sie bereits zwischen Zulieferern und Herstellern aus der Automobilbranche kennen.“

Varial Software AG

D–22605 Hamburg

Telefon: (+49) 0180/51520-00

www.varial.de