Automatisch ablaufende Prozesse sind das Ziel der Software-Entwicklung und -Modernisierung. An diesem Ziel wird nach wie vor gearbeitet. Anders sieht es im Bereich Office-Automation aus: Dort ist schon sehr viel erreicht, aber der Spalt zwischen schöner Theorie und schnöder Praxis klafft auf, je weiter das Faxgerät vom Kopierer entfernt steht – Medienbrüche sind hier an der Tagesordnung. Aller Programmier-Anfang war und ist einfach, das erste (obligatorische) Ziel dabei keine allzu hochgesteckte Hürde: Der Einstieg in fast jede Programmiersprache beginnt damit, eine Bildschirmausgabe mit dem „Hello World“-Schriftzug zu erzeugen. Mit jedem weiteren Schritt in die neue „Welt“ des Programmierens erlernt man weiter deren spezifische Sprache. Akzente lassen und ließen sich in der Geschichte der Programmiersprachen nicht vermeiden, ein babylonisches Sprachgewirr war die Folge. Böse Zungen behaupten, es gibt so viele Programmiersprachen wie es Programmierer gibt.

Sprachenwirrwarr

Um die Antwort auf die Frage, welche Programmiersprache denn die richtige und zukunftssicherste Plattform bietet, sind wahre Glaubenskriege entbrannt. Java, RPG, .NET, COBOL, C++, C# usw. haben zwar alle das gleiche Ziel, erreichen dieses aber auf unterschiedlichen Wegen, die sich zudem selten kreuzen und meist parallel nebeneinander laufen. An vielen Stellen wurden durch die Monopolstellung einiger Anbieter Quasi-Standards geschaffen und dadurch wenigstens ein relativ hohes Maß an Interoperabilität zwischen den Systemen gewährleistet.

Das Ziel: Plattformunabhängigkeit

Während die Software früher zwingend eine bestimmte Hardware voraussetzte, muss moderne Software heutzutage plattformunabhängig sein. Dieser Forderung des Marktes kommen die Software-Häuser gerne nach und bieten genügend unterschiedliche Produkte mit dem Etikett „plattformunabhängig“ an. Doch was bedeutet das überhaupt? Die meisten Software-Entwickler und -modernisierer sehen eine Lösung mit einem Browser als Frontend als das kleinste Maß aller Dinge an. Allerdings setzen diese Lösungen wiederum ein Betriebssystem eines bestimmten Herstellers beim Client voraus. Ist das die versprochene Plattformunabhängigkeit?

Sprachen des Mittelstands

Die heute in Unternehmen verwendeten Programme spiegeln nicht nur die Entwicklung der IT der letzten Jahre wieder, es findet sich oftmals auch die Entwicklung des jeweiligen Unternehmens darin. Eine Anwendung von der Stange wurde z.B. nach und nach an die eigenen Bedürfnisse angepasst oder es findet sich gleich eine von Grund auf neu auf Maß programmierte Lösung, die nun in die Jahre gekommen ist. Diese mit der Zeit gewachsenen Strukturen sind schwer pflegbar und kaum Release-fähig.

Und doch beinhalten sie so viel Know-how, dass sowohl das Unternehmen als auch der Unternehmer zwingend darauf angewiesen sind. Die Forderung der Unternehmer an die Software-Häuser lautet daher, das vorhandene Know-how in der Software zu erhalten, eine Umstellung auf moderne Hardware und Betriebssysteme zu ermöglichen und eine Integration mit neuen Funktionen zu erleichtern. Klassisch steht hier das Re-Engineering von Software an vorderster Stelle. Unternehmen wie die ML Software GmbH, Lansa, PKS, Asna, Magic Software, Seagull und NIIT – um nur einige zu nennen – haben sich auf Modernisierung, Migration und Integration bestehender IT-Strukturen spezialisiert.

Da es kaum einen Anbieter gibt, der alles kann, ist Integration hierbei das Schlüsselwort. Ein modernes Schlagwort, das in diesem Zusammenhang ebenfalls Beachtung finden muss, ist Business-Process-Engineering, erst durch das Zusammenfügen schlanker Prozesse und die Integration von Datenbeständen entstehen sinnvolle und effiziente IT-Systeme. Selbstverständlich macht es Sinn, so viele Funktionen wie möglich von ein und demselben Hersteller in Anspruch zu nehmen und bei Bereichen wie Personalabrechnung, Archiv- und Faxlösungen auf das Know-how von Spezialisten zurück zu greifen. In welcher Programmiersprache diese Lösungen letztendlich entwickelt wurde, ist meist unerheblich. Ebenso ist die benutzte Datenbasis (Oracle, DB2, MS-SQL) nicht von entscheidender Bedeutung.

Office-Automation

In modernen Büros findet sich bereits eine Vielzahl von automatisierten Abläufen: Eingangsrechnungen und Schriftverkehr werden per Scanner erfasst, nach Zuordnung zur richtigen Personenkontennummer im Archivsystem gespeichert und gegebenenfalls per e-Mail weiter an die FiBu übermittelt. Die Einsicht in die Unterlagen und deren Weiterverarbeitung ist dann von jedem Arbeitsplatz aus den entsprechend berechtigten Anwendern möglich. Weiteren Komfort in Sachen Eingangsrechnungen bieten Lösungen wie z.B. die der Gräbert Software + Engineering GmbH und der GFT Solutions GmbH: Dort laufen Belegerfassung, papierlose Weiterverarbeitung, Buchung relevanter Rechnungsdaten und die Zahlungsanweisung automatisch ab.

Ein DMS-System mit GDPdU-konformer Archivierung ist mittlerweile Pflicht. Aus dieser Pflicht wird eine Kür, wenn das DMS-System automatisiert mit OCR/Volltextindizierung auf einmal den Zusatznutzen einer Wissensdatenbank bietet. Das Suchen nach Dokumenten und Inhalten ist dann ein leichtes. Ganz nebenbei kann eine solche transparente Wissensdatenbank teure Mehrfacharbeit ersparen.

Ein Weggehen von Standard-Office-Lösungen kann sich heute niemand vorstellen – und es macht auch keinen Sinn. Immer wiederkehrende Dokumente, die in den einzelnen Software-Funktionen entstehen und auf Weiterverarbeitung warten, können in vordefinierten Workflows automatisch zwischen Kollegen, Front- und Backoffice sowie vom Kunden zum Lieferanten ablaufen. Dabei bietet das Abgreifen der Spools neben dem Versand per Computer-Fax, e-Mail oder im XML-/EDI-Format zudem die Möglichkeit, das Dokument optisch zu „modernisieren“ und z.B. mit dem aktuellen Firmen-Logo und einer persönlichen Signatur des Bearbeiters anzureichern.

M.W.