eLogistics bedeutet: die Anwendung internetbasierter Technologien auf die traditionelle Logistik. Eine globale Sichtweise versteht „eLogistics“ als Überbegriff für Planung, Steuerung und Kontrolle des Waren-, Informations- und Geldflusses entlang der gesamten Supply Chain. Diese globalere Definition des Begriffs eLogistics erlangt angesichts voranschreitender Outsourcing-Bestrebungen, die auch externe Logistik-Dienstleister (so genannte Third Party Logistics Provider oder Kontraktlogistiker) mit einschließen, immer stärker an Bedeutung. Nach Branchenstudien wächst der europäische Markt für Logistik-Outsourcing mit durchschnittlich 10 bis 15 Prozent per Annum. Dabei werden in Deutschland etwa 25 Prozent aller Logistikaufgaben (gemessen an den Kosten) fremdvergeben.

Logistische Mehrwertdienste

Für die gesamte Logistik-Branche ist dabei von strategischer Bedeutung, künftig zu den klassischen Dienstleistungen – wie Transport, Umschlag und Lagerung – weitere logistische Mehrwertdienste zu erbringen. Dazu zählen zum Beispiel Aufgaben wie Bestandsmanagement, Kommissionierung, Ordermanagement, Retourenmanagement, Efficient Customer Response sowie die Bereitstellung der dafür notwendigen IT-Infrastrukturen als Dienstleistung. Hier finden sich nicht nur weitaus höhere Margen als im klassischen Speditionsumfeld, denn hier gelingt auch eine stärkere Bindung der Kunden aus Handel und Industrie an den jeweiligen Logistik-Partner.

Umgekehrt stehen Produktions- und Handelsunternehmen immer häufiger vor der strategischen Frage, inwieweit logistische Aktivitäten zu den Kernkompetenzen gehören und als unverzichtbar gelten. Oder, ob vielmehr im Rahmen einer umfassenden Partnerschaft mit einem Logistik-Dienstleister wichtige Rationalisierungspotentiale und Effizienzsteigerungen zu erlangen sind.

Eine effiziente eLogistics-Infrastruktur muss deshalb offen sein, um nahtlos auf den Geschäftsprozessen der Handels- und Industrieunternehmen aufzusetzen und im Sinne der logistischen Dienstleistungen in Richtung Kunden fortzusetzen. Das bedeutet, dass ergänzend zum Warenumschlag beim Logistiker auch ein Wertumschlag erreicht werden muss. Web-Services – wie zum Beispiel Internet-basierte Auftragserfassung, Order Tracking and Tracing und vor allem die notwendige Transparenz der Geschäftsprozesse gegenüber Auftraggebern und Partnern – müssen in einen flexiblen Workflow eingebunden sein, der je nach Kundenanforderung und Auftragsart auch ohne großen Aufwand modifiziert werden kann. Schnittstellen zu den ERP-Lösungen der Hersteller und Kunden fehlen oftmals ganz. Hier herrscht nicht selten die klassische Kommunikation per Fax oder Telefon vor. Zu einer effizienten Infrastruktur gehört es jedoch, diese Geschäftsprozesse durchgängig und ohne Medienbrüche zu organisieren.

eLogistics und e-Commerce wachsen zusammen

Zugleich übernimmt der Logistik-Dienstleister zusätzliche Aufgaben der Kommunikation mit dem Endkunden oder dem Verbraucher. Von der Übernahme der Auftragsdaten bis zur Führung von Kundenkonten sowie das Management von Retouren ergeben sich zusätzliche Mehrwertdienstleistungen. Für den Logistiker hat dies zur Folge, dass er in der Beziehung zwischen Lieferant und Kunden zusätzliche Kommunikations- und Verarbeitungsaufgaben übernimmt.

Im B2C-Bereich bedeutet dies für eine eLogistics-Infrastruktur die Bereitstellung von:
– Shop und Warenwirtschaft
– Lagerverwaltung und Bestandsmanagement
– Kommissionierung und Versand
– Kundenservices wie OTT und Retourenmanagement
– Fakturierung und Inkasso

Im B2B-Umfeld kommen Aufgaben hinzu wie:
– Kundenindividuelle Listungen und Konditionen
– Verwaltung von Kundenkonten
– Schnittstellen zu Einkauf und Verkauf

Mit der Auslagerung von Logistikprozessen an spezialisierte Dienstleister verwischen die Grenzen zwischen e-Commerce und eLogistics zusehends. Das führt dazu, dass erfolgreiche Logistik-Unternehmen – zum Beispiel im Versandhandel – zunehmend Teile, auch Teile des Verkaufsprozesses, wie zum Beispiel Online-Shops, mit in ihr Dienstleistungsportfolio übernehmen. Erfolgreiche eLogistics-Konzepte beziehen zum Beispiel die Bereitstellung von Webfunktionen für die Auftragserfassung mit ein: Dies können Services für Call-Center-Shopsysteme für B2B- und B2C-Beziehungen, oder aber auch Integrationslösungen für den Point-of-Sale (Kassensysteme, Kioske) bzw. EDI-Schnittstellen (Electronic Data Interchange) sein.

Gleichzeitig erhöht sich der Bedarf an ein flexibles Workflow-Management für die eLogistics-Prozesse, das je nach Anforderungen des Auftraggebers, seiner Kunden und je nach Produktpalette unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Für den Logistiker ist damit die Herausforderung verbunden, schnell und flexibel auf veränderte Prozesse reagieren zu können. Er muss auch in der Lage sein, gegenüber seinen Kunden die Geschäftsprozesse und den ordnungsgemäßen Ablauf minutiös zu dokumentieren.

Die GUS Group hat auf der Basis ihrer in Java geschriebenen, webfähigen eLogistIQ-Lösung eine Reihe von Projekten realisiert.

Praxisbeispiel Advanced Commerce

Die advanced commerce AG wurde im April 2001 gegründet. Neben dem eigenen Portal myparadise.de werden rund 20 weitere Internet-Shops (Primus Online, youSmile.de, Ihr Platz etc.) unterstützt. Die dort durch Endverbraucher (Consumer) erteilten Aufträge werden durch ein eigenes WWS-System gebündelt und an das Lagerverwaltungssystem des Logistik-Dienstleisters TX Logistik AG, Bad Honnef, übergeben.

Hier erlaubt die Logistik-Infrastruktur mehrere Varianten der Weiterverarbeitung, die durch das Workflow-Management von eLogistIQ-LVS automatisch erkannt werden:

– Alternative 1: Shop-Betreiber mit geringem Auftragsvolumen
Sie unterhalten typischerweise ein eigenes Lager, nutzen jedoch keine eigene Datenverarbeitung und erhalten insofern sämtliche Papiere für den Versand per Kurier. Dabei generiert das LVS anhand der Aufträge die Papiere kundenindividuell.

– Alternative 2: Shop-Betreiber und Logistik-Dienstleister
Hier wird das Fulfillment – also Kommissionierung, Versand und Transport – der Waren durch einen externen Logistik-Dienstleister (Deutsche Post Fulfilment GmbH, Braunschweig) geleistet. Das eLogistIQ-LVS in Köln, auf das remote von Braunschweig aus zugegriffen wird, generiert automatisch Kommissionieraufträge, disponiert Waves, aktualisiert die Bestände und druckt Versandpapiere.

– Alternative 3: Shop-Betreiber und Lieferanten in einer Supply Chain
Hier erfolgt das Warenangebot durch den Shop-Betreiber, das Fulfillment übernimmt jedoch der Lieferant der angebotenen Produkte (Streckengeschäft). Zu diesem Zweck werden die Auftragsdaten an das Lieferanten-Portal übergeben. Das webbasierte Informationssystem erlaubt es den Lieferanten, sich regelmäßig über eingehende Aufträge zu informieren, die Verfügbarkeit zu bestätigen und Kommissionieraufträge zu disponieren.

Werden über den Shop Produkte mehrerer Lieferanten bestellt, generiert das eLogistIQ-LVS automatisch einen Auftrags-Splitt und ordnet die Kommissionieraufträge den zuständigen Lieferanten zu. Die Kommissionierung und der Versand erfolgt direkt beim Lieferanten, die Rückmeldung über das Lieferanten-Portal wird automatisch durch das LVS gebucht. Der Druck der Versandpapiere erfolgt ebenfalls remote.

Praxisbeispiel eParts Solutions / VEGA

Das Kölner Unternehmen VEGA beliefert Automobil-Händler und Vertragswerkstätten mit Auto-Ersatzteilen und -Zubehör). Die Produkte werden über einen B2B-Shop angeboten. Dabei können Händler über Artikelkataloge Produkte auswählen, online Verfügbarkeiten abfragen sowie den aktuellen Auftragsstatus abrufen. Die Lieferaufträge werden über das eLogistIQ-LVS an den Logistik-Dienstleister ePSO übergeben.

Die eParts Solutions AG betreibt als Logistik-Dienstleister mehrere Lagerflächen in Köln und bietet die entsprechenden Logistik-Dienstleistungen wie Bestandsführung, Kommissionierung im Kundenauftrag und Versand an. Zur Abwicklung dieser Dienstleistungen nutzt ePSO das eLogistIQ-LVS und -WWS von TX Logistik über eine Remote-Verbindung via Internet.

Die Logistik-Infrastruktur ist so ausgelegt, dass mehr als 800 Niederlassungen in Deutschland über das Kundenportal (B2B-Shop) Ersatzteile und Zubehör bestellen und den Auftragsstatus verfolgen können (Order Tracking and Tracing).

Tower24 oder die „letzte Meile“

Die Erfahrungen der letzten Jahre im Online-Versandhandel haben deutlich gezeigt, dass neben den sich verändernden Aufgaben im Order-Management und im Bestandsmanagement auch auf der Transportseite neue Herausforderungen entstehen. Durch die Atomisierung der Sendungsgrößen bei gleichzeitiger Vervielfachung der Lieferadressen im Consumer-Geschäft entstehen vor allem „auf der letzten Meile“ neue Logistikkosten. Ihr Anteil am Gesamtpreis wird oftmals so hoch, dass ein wettbewerbsfähiger Preis gegenüber dem Einzelhandel gar nicht zu erreichen ist. Im Einzelhandel nämlich übernimmt ja der Kunde wesentliche Logistikaufgaben, weil er selbst die Abholung der Ware übernimmt. Hier beschränken sich die Lieferaufwendungen auf die Belieferung des Einzelhandels.

Mit Tower24 (www.tower24.de/), das jetzt in einem Pilotprojekt des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund entsteht, soll das Prinzip der Selbstabholer-Terminals im Online-Versandhandel wieder eingeführt werden – und damit die Logistikkosten der „letzten Meile“ eingespart werden. Dieser Tower24 ist ein kleines, geschlossenes Hochregallager, in dem Transportdienste die Ware deponieren und die Adressaten ihre Artikel abholen, um sie mit nach Hause oder zum Arbeitsplatz zu nehmen. Die letzte Meile wird also wieder dem Endkunden überlassen.

GUS Group AG & Co. KG

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