Cloud Computing ist in aller Munde – spätestens seit dem vergangenen Jahr. Doch gerade kleinere und mittelständische Unternehmen zögern nach wie vor, wenn es um die Anbindung der eigenen IT-Infrastruktur an die Cloud geht. Dabei sind gerade sie es, die von der Flexibilität und Dynamik, die Cloud Computing ermöglicht, besonders profitieren könnten.

In der Regel legen sich die IT-Verantwortlichen mit ihrer IT-Infrastruktur für die kommenden drei bis fünf Jahre im Voraus fest. Darum sind sie bisher dazu gezwungen, Lastspitzen in die benötigten IT-Kapazitäten mit einzuplanen. Die Tendenz: KMUs planen zu groß. Doch angesichts der rasanten Geschwindigkeit, in der technologische Innovationen den Markt erobern, ist diese Zeitspanne einfach zu lang, um als Unternehmen mit seiner IT wirklich bedarfsgerecht und flexibel zu sein. Gerade mittelständische Unternehmen profitieren enorm davon, wenn sie die Möglichkeiten des Cloud Computings nutzen, um Flexibilität in ihrer IT-Infrastruktur zu gewinnen und den langfristigen Kostendruck zu reduzieren.

Cloud Computing made in Germany

Der große Vorteil des Cloud Computings liegt auf der Hand: das Unternehmen bindet sich nicht. Es schafft nicht dauerhaft eine teure IT-Infrastruktur an, die für den Regelbedarf an 350 Tagen im Jahr völlig überdimensioniert ist. Die Mindestvertragslaufzeit zur Nutzung eines Cloud-Servers beträgt lediglich eine Woche, und Verträge können zum Monatsende gekündigt werden. Dennoch schrecken Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Verfügbarkeit der Daten viele Mittelständler derzeit noch davon ab, Cloud-Services zu nutzen. Erwägt man die Cloud-Computing-Services internationaler Anbieter, mag diese Zurückhaltung verständlich sein – weiß man doch nie genau, wo der internationale Anbieter seine Rechenzentren betreibt und wohin die Daten genau gelangen. In Deutschland finden sich dagegen schon mehrere Anbieter, die sicheres Cloud Computing offerieren. Auch bezüglich der physischen Sicherheit werden deutsche Rechenzentren höchsten Anforderungen gerecht. Der Zutritt ist stark reglementiert, Räume sind durch Alarmanlagen gesichert, viele Rechenzentren sind sogar in unterirdischen Bunkern untergebracht. Auch auf Brandschutz legen deutsche Rechenzentren allergrößten Wert und setzen im Fall eines Feuers auf innovative Löschmittel und -techniken. Ausfallsichere, redundant ausgelegte Stromversorgungen gehören zum Standard. Und Backup-Rechenzentren sorgen für zusätzliche Sicherheit der Daten, denn in dem zweiten, räumlich getrennten Rechenzentrum werden sowohl Hardware als auch Software dupliziert. Kurz: die physische Sicherheit in einem professionellen Rechenzentrum ist fast immer höher als die im Serverraum eines KMU.

Datenschutz und Datensicherheit

Die Sorge um die Sicherheit von persönlichen Daten und Geschäftsdaten erklärte bisher die Cloud-Computing-Zurückhaltung vieler Mittelständler. Wenn es um seine geschäftskritischen Prozesse geht, darf sich natürlich auch ein KMU auf keinen Kompromiss einlassen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit geschäftskritischen Daten ist unverzichtbar – auch im Cloud Computing. Dies ist der zentrale Grund dafür, warum ein KMU einen deutschen Dienstleister wählen sollte, wenn er sich für die Anbindung seiner IT an einen Cloud-Server entscheidet. In Deutschland muss das Cloud Computing bei der Verarbeitung personenbezogener Daten mit dem Bundesdatenschutzgesetz konform sein, dessen Zweck es ist, „den Einzelnen davor zu schützen, dass er durch den Umgang mit seinen personenbezogenen Daten in seinem Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt wird.“ Dabei darf sich ein KMU allerdings nicht blind auf die Korrektheit des beauftragten IT-Dienstleisters verlassen. Denn das mittelständische Unternehmen selbst haftet dafür, dass auch bei der Datenverarbeitung im Auftrag, mithin bei der Datenverarbeitung durch Dritte, das strenge deutsche Datenschutzrecht erfüllt wird. Bei den internationalen, weltweit tätigen Dienstleistern weiß der deutsche Mittelständler aber nie genau, wo sich seine Daten momentan befinden – auch die Einhaltung der strengen deutschen Datenschutzbestimmungen ist im Ausland mehr als fraglich. Für ein deutsches Unternehmen ist solch ein Cloud-Computing-Angebot schlicht untauglich. Deshalb gilt: Cloud Computing kann überaus sinnvoll sein – aber nur mit einem deutschen Dienstleister.

Cloud Computing in der Praxis – was KMUs beachten müssen

Für KMUs oft besonders interessant ist eine Cloud-Computing-Variante namens „Infrastructure-as-a-Service“ (IaaS). IaaS bezeichnet ein Geschäftsmodell, bei dem eine IT-Infrastruktur on-demand genutzt wird. Das mittelständische Unternehmen mietet sich im Bedarfsfall also Rechenleistung zu und bindet die eigene IT-Infrastruktur an eine Cloud-Umgebung an. Ein externer Dienstleister stellt seinem Kunden eine bedarfsgerechte IT-Infrastruktur für eine gewisse Zeit zur Verfügung – entweder in Gestalt eines dedizierten Servers oder als dedizierte Serverinstanz. Jede der Serverinstanzen ist mit einem Backup-Client zur Datensicherung versehen. In der Praxis gilt es für Mittelständler darauf zu achten, dass die Anbindung an die Cloud über einen sicheren Kanal erfolgt. In der Regel geschieht die Anbindung der eigenen IT-Infrastruktur an die Cloud-Infrastruktur über ein Virtual Private Network (VPN), ein abgesichertes, verschlüsseltes virtuelles Teilnetz, auf das nur das Anwenderunternehmen mit seiner eigenen Authentifizierung Zugriff hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verfügbarkeit der Daten. Was würde es einem mittelständischen E-Commerce-Unternehmen nutzen, wenn es sich Web-Server-Kapazität in einem IaaS-Modell hinzugemietet hat, um die Zugriffsspitzen in der Vorweihnachtsszeit bedienen zu können, die Kunden auf den Web-Server in der Cloud aber nicht zugreifen können, weil auch er schlicht überlastet ist? Gerade ein Mittelständler, der mit Cloud Computing seine Lastspitzen abpuffern will, ist auf ein gut funktionierendes Load-Balancing zwischen seinen Cloud-Server-Instanzen angewiesen. Applikationen auf mehreren parallelen Servern – oder Instanzen – zu betreiben, ist überall dort sinnvoll, wo sehr viele Clients eine hohe Anfragendichte erzeugen. Der vorgeschaltete Load-Balancer verteilt die Zugriffe gleichmäßig auf die Server und verhindert damit den Ausfall von Serverinstanzen. Auch durch intelligentes Load-Balancing gewährleistet ein Rechenzentrum eine permanent hohe Verfügbarkeit der gespeicherten Daten und Anwendungen.

In Sachen Load-Balancing haben deutsche Rechenzentren einen wichtigen Vorteil gegenüber internationalen Cloud-Computing-Anbietern – den der Transparenz. Denn

was geschieht, wenn ein KMU befürchten muss, dass auch seine Cloud-Server-Kapazitäten zu bestimmten Zeiten voll ausgelastet sind und die Performancequalität seiner Anwendungen dadurch beeinträchtigt wird? Deutsche Rechenzentren beugen dem üblicherweise vor, indem sie ihren Kunden jederzeit Einblick in die Auslastung der verschiedenen Serverinstanzen gewähren – im Gegensatz zur internationalen Konkurrenz erhält der Kunde volle Transparenz. Regelmäßige Reportings über Performancetrends einer Applikation und Optimierungsvorschläge für eine Applikationsinfrastruktur erhöhen die Transparenz für ein KMU zusätzlich. Und eine Erweiterung seiner IT-Infrastruktur per IaaS kann ein Unternehmen nur dann wirklich bedarfsgerecht planen, wenn es über die tatsächliche Auslastung jederzeit informiert ist.

Mögliche Einsatzbereiche – zwei praktische Szenarien

Derzeit liegt die durchschnittliche Auslastung von Datenzentren deutscher Unternehmen nur bei rund zehn Prozent – im Mittelstand sieht das nicht besser aus. Der Grund: beim Sizing einer IT-Infrastruktur fließen Lastspitzen in die Planung der benötigten Rechenkapazitäten ein. KMUs verschwenden durch die Berücksichtigung von Lastspitzen eine Unmenge an Strom und Geld – hier eröffnet die Cloud ein enormes Einsparungspotenzial. Besonders im E-Commerce kommt es immer wieder zu unausweichlichen Lastspitzen. Bei Sonderaktionen oder im saisonalen Geschäft gerät ein Server oftmals an den Rand seines Leistungsvermögens und bricht aufgrund von Überlastung zusammen – wie unlängst wieder bei der Ausverkaufsaktion des Versandhändlers Quelle zu beobachten. Dadurch leidet nicht nur das Image, ohne arbeitenden Web-Server verliert der mittelständische Onlineshop sofort Umsatz – und im schlimmsten Fall seine Kunden. Um derartige Lastspitzen, die aufgrund temporär erhöhten Traffics auf einer Website auftreten, abzufedern, sollten KMUs unbedingt auf die Erweiterung der eigenen IT-Infrastruktur durch die Anbindung eines zusätzlichen Web-Servers in der Cloud setzen. Neben einem Zugewinn an Flexibilität reduziert ein mittelständisches Unternehmen gleichzeitig seine laufenden Kosten. Ein Rechenbeispiel: Hat ein Unternehmen in jedem Jahr vier Monate mit Lastspitzen und betreibt zu diesem Zweck zwei Rackserver mit einer CPU und 4 GB RAM, betragen die monatlichen Housingkosten für die Server in etwa 320 Euro. Diese Kosten fallen aber auch in den Monaten ohne Lastspitzen an. Im Jahr summiert sich dies auf 3.840 Euro. Mietet sich das KMU diese Rechenkapazität aber in der Cloud zu – nur für die vier Monate mit Lastspitzen – so ergeben sich dafür Kosten von nur rund 1.500 Euro.

Ein weiteres IaaS-Szenario: der Cloud-Server wird zur erweiterten, externen Werkbank der IT-Abteilung und dient der unternehmensinternen Qualitätssicherung. Stehen umfangreichere Softwaretests an, sind dafür im Regelbetrieb oftmals keine Serverkapazitäten in der unternehmenseigenen IT vorhanden. Die Vorhaltung eines eignen Testservers wird in Anbetracht der Cloud allerdings zu einem kostspieligen Luxus. Zusatzkapazität mieten – Anwendung testen – Bezug der Zusatzkapazität einstellen. So einfach und flexibel kann ein KMU heutzutage seine Testphasen gestalten.

Kein Cloud Computing ohne kompetente Beratung

Einen allgemeingültigen Königsweg, wie die Anbindung der IT-Infrastruktur eines mittelständischen Unternehmens an die Cloud zu erfolgen hat, gibt es nicht – zu unterschiedlich sind die Geschäftsprozesse, die eine unternehmensindividuelle IT-Infrastruktur unterstützen muss. In der Regel gibt ein Mittelständler eine Applikation zwar komplett in die Cloud, aber genauso gibt es Fälle, wo es sinnvoll ist, wenn ein Teil der Anwendungen weiterhin auf einem unternehmensinternen Server läuft, während der andere Teil in die Cloud ausgelagert wird. Will ein KMU sich für die richtige Cloud-Computing-Strategie entscheiden, ist es sehr ratsam, spezialisierte Berater zu involvieren, die mit einer fundierten Methodik dabei helfen, unternehmensindividuellen Bedarf zu ermitteln. Dabei muss der Cloud-Computing-Berater nicht mit dem Cloud-Computing-Anbieter und Rechenzentrumsbetreiber identisch sein. Verschiedene Faktoren haben Einfluss darauf, welche Cloud-Computing-Strategie die im konkreten Fall richtige ist: neben der Branche, in der ein KMU tätig ist, spielen die rechtlichen Anforderungen, denen die KMU-IT entsprechen muss, eine ebenso wichtige Rolle wie die allgemeine IT-Strategie, die der Mittelständler verfolgt. Auch hier sammeln deutsche Anbieter wieder Pluspunkte: eine individuelle Beratung und Betreuung kann ein internationaler Dienstleister nicht bieten. Während ein KMU dort nur eine Cloud-Computing-Standardlösung erhält, kann ein deutscher Anbieter genau auf die Bedürfnisse seines Kunden eingehen und ein auf die Anforderungen maßgeschneidertes IaaS-Konzept erstellen. Steht das Konzept, kann die Anbindung der KMU-IT-Infrastruktur an ein deutsches Hochgeschwindigkeitsnetz innerhalb eines Werktags erfolgen. Benötigt der Mittelständler weitere Ressourcen, stellt das Rechenzentrum schnell zusätzliche Kapazitäten bereit – Kostentransparenz und Flexibilität sind die großen Stärken von Infrastructure-as-a-Service. Auch wenn man das Infrastructure-as-a-Service-Modell zum Application-Hosting ausweitet, wenn der IT-Dienstleister auch noch den Betrieb der Applikation auf der gemieteten Server-Instanz betreuen und überwachen soll, kann ein internationaler Anbieter nicht denselben Service wie ein nationaler Dienstleister bieten. Ein deutscher IT-Dienstleister ist beim Application-Hosting in der Lage, sich genau am individuellen Bedarf des KMU zu orientieren. Gerade durch solch eine Kombination von Cloud-Dienstleistungen und Hosting-Dienstleistungen versetzen deutsche IT-Dienstleister ihre KMU-Kunden in die Lage, durch Cloud Computing maximale Dynamik und Flexibilität zu erzielen.

Sparen durch die deutsche Cloud

In allen zentralen Kriterien, die ein mittelständisches Unternehmen bei der Wahl seines Cloud-Computing-Dienstleiters beachten sollte, sind deutsche Anbieter der internationalen Konkurrenz voraus. Entscheidet sich ein KMU für ein nationales Cloud-Angebot, kann er sich auf die kompetente Beratung und Betreuung eines Spezialisten verlassen und muss sich nicht mit den Standardlösungen international tätiger Anbieter begnügen. Die Cloud-Rechenzentren, in denen die Daten und Anwendungen der Kunden gehostet werden, genügen höchsten Anforderungen hinsichtlich Datensicherheit und Verfügbarkeit, und die Anbindung der KMU-IT-Infrastruktur mittels VPN schützt sensible Daten vor unberechtigtem Zugriff. Auch beim Thema der Datenverarbeitung durch Dritte gilt, dass deutsche Rechenzentrumsbetreiber Garantien zum rechtskonformen Umgang mit den Daten geben können, die ein KMU von einem internationalen Cloud-Computing-Anbieter vergeblich einfordern wird. Auch bei der Auslastung der diversen Serverinstanzen und beim Load-Balancing gewähren erst deutsche Cloud-Anbieter jene Transparenz, die es dem Mittelständler erlaubt, auf den tatsächlichen und sich verändernden Bedarf bei Lastspitzen angemessen zu reagieren und entsprechend flexibel zu planen. Beachtet ein Mittelständler diese Spielregeln, werden Cloud Computing und Infrastructure-as-a-Service für ihn zu einer überaus attraktiven Alternative zur eigenen, kostspieligen und tendenziell überdimensionierten IT-Infrastruktur. Cloud Computing ist im Mittelstand angekommen.

Nionex GmbH, Güterloh
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