RPG-Programmierer haben den Anfang von Windows und dem Internet miterlebt. Sie haben gehofft, dass Software-Anbieter hochwertige und einfach zu bedienende Werkzeuge entwickeln, die helfen, die Power der iSeries auf diesen neuen Plattformen zu entfalten. Viele warten immer noch auf diese Produkte, andere haben erkannt, dass sie sich zwischen zwei Welten entscheiden müssen: dem Java-basierenden IBM-WebSphere oder .NET von Microsoft.

Besonders die Europäer haben die Einführung neuer Produkte zur iSeries-Modernisierung sehr genau verfolgt. Wie wir alle wissen, ist es kein einfaches Unternehmen, so genannte Legacy-Anwendungen der iSeries auf Windows zu integrieren. Es entstanden Produkte, die arbeiteten, die aber teilweise unüberschaubaren Code produzierten und deshalb vom Markt nicht angenommen wurden. Niemand wollte die Verantwortung für einen Einsatz dieser Werkzeuge auf sich nehmen. Aus diesen und anderen Gründen – wie z.B. den Kosten – blieben die iSeries-Anwender mit ihren grünen Bildschirmen ‚verheiratet’, sogar große Firmen entwickeln immer noch für Green Screen.

Das IT-Leben ist schwer

Der Technologie-Wettstreit zwischen Microsoft mit .NET und IBM mit Websphere macht das Leben von IT-Managern nicht leichter. Noch vor einem Jahr hat es so ausgesehen als gäbe es keine Alternative zu Java. Eine Entscheidung in Richtung Java zu treffen, bedeutet, das komplette Team neu zu schulen und dazu Websphere oder am besten gleich eine neue iSeries zu kaufen. Entsprechend schlecht waren die Zukunftsaussichten für RPG-Programmierer.

Inzwischen haben sich die Dinge geändert. Um Websphere attraktiver zu machen, hat IBM mit massiven Investitionen die Performance der iSeries gesteigert und somit diese Entwicklung angeheizt. Paradoxerweise hat die Energie, die Microsoft in diesen Kampf gesteckt hat, dazu geführt, dass RPG-Programmierer unterstützt, man könnte sagen, für die ferne Zukunft abgesichert werden.
Derek Cooper, geschäftsführender Manager von ASNA, erklärt dazu: „Vor vier Jahren wurden wir von Microsoft eingeladen einen RPG-Compiler für VisualStudio zu erstellen. Um die vollständige Integration sicherzustellen, hatten wir 100-prozentige Unterstützung. So schufen wir ein Umfeld, in dem sich auch der Green-Screen-Programmierer wohlfühlen kann. .NET ist extrem robust und der SQL-Server hat, wenn wir an die neue Version denken, gewaltig aufgeholt“. Er fügt hinzu: „Derzeit sind 30 Prozent unserer Kunden bereits auf .NET. Wir erwarten, dass wir die 50-Prozent-Marke innerhalb der nächsten Monate erreichen. ASNA hat derzeit 20.000 Kunden, die VisualRPG und die iSeries nutzen. Das sind eine Menge neuer .NET-Anwender.“

Als Gründungsmitglied des Midrange-Alliance-Program (MAP), aber auch als IBM-Partner, dessen Software auf der IBM-Developer-Roadmap zu finden ist, versichert Cooper, dass das Angebot von ASNA eine volle Integration der iSeries in .NET ist und dass es nicht nötig ist, die iSeries zu verlassen. Das Ziel ist es, robuste Anwendungen zu erstellen, die auf viele Server-Plattformen zugreifen können.

„Als .NET herauskam, waren viele skeptisch, ob die Plattform auch stabil genug sein wird“, erinnert er sich, „aber Microsoft hielt die Beta solange zurück, bis das Produkt alle Startschwierigkeiten hinter sich hatte.“ Das rentierte sich, denn heute verwenden die Londoner Börse, Banken und Versicherungen sowie viele Industrieunternehmen .NET. Cooper erklärt weiter: „Es gibt für die Weiterentwicklung nur zwei strategische Möglichkeiten: Java/WebSphere oder .NET“. Um seinen Standpunkt zu erklären, verweist er darauf, dass WebSphere eine gute Entscheidung für große Unternehmen ist, die sich den Weg einer jahrelangen Migration und Umschulung der Mitarbeiter leisten können. „IBM ist mit diesem Weg bei kleineren oder mittleren Unternehmen gescheitert. WebSphere ist kostspielig und verlangt trotz fragwürdiger Performance eine Menge technischer Ressourcen. Und was ist mit den Human Resources? Es kann 6 Monate dauern, Ihre Programmierer auszubilden, ohne dass es für die Zeit danach eine Erfolgsgarantie gibt“.

Cooper meint, dass die Abneigung der IT-Manager gegen Java das Haupthindernis für die Erneuerung der iSeries-Anwendungen ist. Als Übergangslösung kann ein ScreenScraper dienen, der die Anwendungen ‚behübscht’ und somit kurzfristig den Erneuerungsdruck wegnimmt. ASNA erwartet, dass auf längere Sicht mehr große Anwender auf .NET wechseln, da es sich um eine außerordentlich gute Technologie handelt.

Die Zukunft von .NET auf der iSeries

Branchen-Insider wissen, dass IBM zwar lange Zeit Geld in Entwicklungen investiert hat, dass es aber nicht wirklich in entsprechende, am Markt verwertbare Produkte umgesetzt werden konnte. Es gibt Beispiele von großen Unternehmen, bei denen man annehmen würde, dass sie automatisch auf Websphere gehen – stattdessen setzen sie auf .NET.

Generell herrscht die Meinung, dass es von der Unternehmensgröße abhängt, welche Technologie eingesetzt werden sollte. .NET ist gegenüber WebSphere nicht so gut skalierbar und unterstützt keine Multi-Prozessor-Transaktionen, die sehr große Unternehmen brauchen. Auf der anderen Seite sieht es aus, als müsste IBM sein Websphere vereinfachen, damit es auch nur halbwegs so attraktiv wie .NET ist. Nach Expertenmeinung werden sich 80 Prozent der kleineren und mittleren Unternehmen für .NET entscheiden.

Auch aus der Sicht von IBM ist es notwendig, sich mit .NET auseinander zusetzen – weniger um damit Anwendungen zu erstellen, wohl aber um die Kunden zufrieden zustellen. Viele iSeries-Kunden verwenden .NET und viele Software-Anbieter haben in Windows-Anwendungen investiert. Sie werden auf .NET gehen. Für IBM ist klar, dass es in der nächsten Zeit eine Menge .NET-Clients geben wird, mit denen zusammengearbeitet werden muss.

IBM hat seit den frühesten Tagen mit Windows und DOS gearbeitet und erkennt den Wert, den ein guter Zugang von .NET auf die iSeries-Datenbank für den Kunden hat.
Man kann .NET als direkten Rivalen zu J2EE und Websphere sehen. Beide Plattformen bieten einen stabilen skalierbaren Rahmen zur Erstellung von Anwendungen. Der wesentliche Unterschied ist, dass man .NET im Gegensatz zu WebSphere nicht auf der iSeries fahren kann. WebSphere arbeitet auf jeder Plattform, man kann aber nur in Java programmieren.

Im Gegensatz dazu gibt es heute für jede bekannte Sprache einen Compiler auf .NET; ein Highlight aber ist die Unterstützung der Rich Clients – also PCs mit Windows als Betriebssystem. Diese Clients haben von Java-basierten Anwendungen kaum Vorteile, da IBM dafür keine Strategie hat.

Ein Kostenvergleich zeigt, dass .NET preisgünstiger ist als WebSphere da die Costs of Ownership wie auch die Kosten einer Entwicklung bei Websphere wesentlich höher sind. Einer der Gründe dafür ist das Fehlen von Midrange-Angeboten, das die Anforderungen eines kleinen bis mittleren Unternehmens abdeckt. Auch die Preise zwischen der Version für die kleine iSeries und der Windows-Version sind nicht vergleichbar.

IBM hat angekündigt, noch einige Bewegung in WebSphere zu bringen. Das werden wir abwarten und sehen, was sich dann entwickelt.

Fachautor: Christian Neißl