Auf den verschiedenen Stufen der konventionellen Software-Entwicklung gehen oft wertvolle Informationen verloren. Ursache dafür sind die Systemwechsel, die zwischen den einzelnen Phasen wie der Erstellung des Pflichtenhefts, dem Software-Design und der Implementierung erfolgen. Die Model Driven Architecture (MDA) wählt daher einen anderen Weg: Entwickler beschreiben zunächst die Unternehmensprozesse in einem unabhängigen Modell. Daraus wird anschließend die Implementierung abgeleitet. Der Praxistest zeigt, dass dadurch nicht nur die Flexibilität von IT-Systemen steigt – es wird auch Zeit gespart. Ein häufiger Grund für Schwierigkeiten bei der Software-Entwicklung ist die Sprachbarriere zwischen den drei beteiligten Gruppen: Business Analysten denken in Geschäftsprozessen, Software-Architekten in übergreifenden technischen Strukturen und Entwickler in Codes. Abhilfe kann hier nur durch die Definition einer gemeinsamen Sprache geschaffen werden, mit der alle am Entwicklungsprozess beteiligten Personen sicher kommunizieren können. Zurzeit werden große Hoffnungen in die Version 2.0 der Modellierungssprache UML gesetzt. UML ist allerdings eine Sprache, die nicht primär zur Abbildung fachlicher Inhalte geschaffen wurde. Nach der Definition der Object Management Group (OMG) – ein Standardisierungsgremium – ist die UML „eine standardisierte Notation und Semantik zur Visualisierung, Konstruktion und Dokumentation von Modellen für die objektorientierte Software-Entwicklung“. Geschäftsprozesse können damit allerdings – jedenfalls bisher – nur rudimentär abgebildet werden.

Geschäftsprozessmodellierung mit Prozessketten

Die von August-Wilhelm Scheer entwickelte ARIS (Architektur integrierter Informationssysteme)-Methode eignet sich besser zur Darstellung von Geschäftsprozessen, schließlich wurde sie genau dafür geschaffen. Bei ARIS werden unternehmensrelevante Geschäftsabläufe aus verschiedenen Perspektiven abgebildet. Ein Schwachpunkt dieses Ansatzes ist die begrenzte Fähigkeit, technische Beschreibungen für die IT-Entwicklung mit einzubeziehen. In vielen IT-Projekten entstehen dadurch Informationsverluste und logische Brüche zwischen betriebswirtschaftlicher Anforderungsdefinition und technischer Realisierung.

Praxisbeispiel Best-of-Breed

Eine Lösung kann eine Verbindung dieser beiden Ansätze bringen, im folgenden Beispiel also eine Verknüpfung zwischen ARIS und UML. Dafür müssen sowohl die Geschäftsprozess- als auch die IT-Beschreibungen in einem miteinander in Verbindung stehenden Repository abgelegt werden. Die durchgängige Nutzung eines Werkzeuges ist die Voraussetzung für den Projekterfolg. Keinesfalls dürfen neue Schnittstellen zwischen diversen Tools entstehen.

Das Gummersbacher Systemhaus Opitz Consulting nutzte diesen Ansatz bei einem Projekt für das „Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler“ (EDE). Dirk Stähler, Bereichsleiter Business Engineering bei Opitz Consulting: „Wir haben damit ein Software-System zur klassifizierungskonformen Verwaltung von Artikelstammdaten und der integrierten Erstellung von Produktkataloginhalten entwickelt.“ Im Rahmen der Geschäftsprozessmodellierung wurden alle für das Software-System relevanten Funktionen, Abläufe, Daten und Masken-Layouts erstellt. Dazu wurde ein gemeinsames ARIS-Repository verwendet. Die IT-Modellierung erfolgte mit Hilfe des ARIS UML Designers. Auf diese Weise wurde das „Sprachproblem“ zwischen der fachlichen und der IT-technischen Sichtweise beseitigt. Wesentliche Teile des Softwarecode-Gerüsts konnten so generiert werden. Einen klar messbaren Vorteil der Methode stellt die Geschwindigkeit dar: „Im Ergebnis brachte die Entwicklung in dieser Form einen Zeitvorteil von zwölf Prozent verglichen mit einem konventionellen Ansatz. Das zeigt, welches Potential in der Kombination aus Geschäftsprozess- und IT-Modellierung steckt“, so Dirk Stähler. Die Verbindung von Geschäftsprozessmanagement und Software-Entwicklung verspricht auch agilere Reaktionsmöglichkeiten bei der Anpassung komplexer IT-Systeme an veränderte Anforderungen.

Walter Liedtke, Journalist, pressto – agentur für medienkommunikation

OPITZ CONSULTING GmbH

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