Rochester – das ist uns ein Begriff, wenn es IBM Forschung und Entwicklung geht. Aber es gibt noch 29 andere R&D-Stätten, an denen Big Blue Produkte wie Lösungen designt und weiterentwickelt. Rund fünf Milliarden US-Dollar lassen sich die Amerikaner ihr Forschungsnetzwerk jährlich kosten, das größte Labor außerhalb Amerikas liegt in Böblingen. Es hält inzwischen mehr als 1.900 Patente und wurde jüngst 50 Jahre alt.

Blaue Meilensteine aus Deutschland

Mit acht Mitarbeitern nahm das Böblinger Labor 1953 die Arbeit auf. Schon im Gründungsjahr meldeten die deutschen Forscher ein weltweites Patent an, es ermöglichte den Einsatz von Transistoren als Schalter – die bisher genutzten Röhren und Relais wurden abgelöst. Speicherchips aus Silizium, der Umstieg von Bipolar-Transistoren auf CMOS-Prozessoren (Complementary Metal Oxid Semiconductor) – viele Meilensteine des IBM Hardwaregeschäfts haben ihren Ursprung bei der IBM Deutschland Entwicklung GmbH. Heute zählt die Ideenschmiede mehr als 1.700 Mitarbeiter, allein im Jahr 2001 wurden von den Böblingers mehr als 160 Patente eingereicht.

Im Bereich Software konzentrierte man sich zunächst auf die Betriebssysteme der hauseigenen Rechner-Range. Seit den 90ern übernimmt Böblingen zunehmend Verantwortung in der Entwicklung von Middleware, Data Management-Lösungen und Pervasive Computing-Produkten – darunter auch Search- und Sprachtechnologien. Tradition hat auch die Unterstützung und Weiterentwicklung offener Standards, wie zum XML oder Web Services.

Seit Mitte des letzten Jahrzehnts ist das Entwicklungssegment Software in zwei Unternehmensbereiche geteilt: AIM (Application Integration & Middleware) und Data Management (DM). Letztere konzentriert sich auf Produkte wie Intelligent Miner oder den DB2 Performance Monitor, die AIMler sind auf Workflow-Lösungen spezialisiert und haben im Jahr 2000 u.a. die weltweite Verantwortung für die Entwicklung des IBM WebSphere Portal Server übernommen. Verblüffendes Alleinstellungsmerkmal: Das Deutsche Entwicklungszentrum ist das einzige innerhalb der IBM Corporation, das für alle Software Brands entwickelt – darunter WebSphere, DB2, Tivoli, Lotus und Rational. Hier steht auch die blaue Linux-Wiege, die ersten Schritte in Richtung weltweiter IBM Pinguin-Strategie gingen von Böblingen aus.

Heute für morgen entwickeln

Herbert Kircher, Geschäftsführer der Ideenschmiede, blickt anlässlich des 50-jährigen Bestehens nach vorn. „Die strategischen Entwicklungsprojekte für die Zukunft stehen in Böblingen ganz im Zeichen des e-business on demand,“ so Kircher. Man arbeite an Technologien, mit denen IT-Ressourcen, Dienstleistungen und Geschäftsprozesse individuell auf die Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnitten werden können – bedarfsorientiert und kostengünstig. In diesen Bereich fallen strategische Themen wie beispielsweise Grid Computing und die „autonome“ IT-Infrastruktur, die sich selbst steuert, wartet und heilt.

Auch wenn schon beeindruckende Erfolge zu verzeichnen sind, die Ziele sind hoch gesteckt, der Weg ist weit. Dem halben Jahrhundert deutscher IBM Entwicklung dürften noch einige Meilensteine folgen – auch mit 50+ steht jede Menge Arbeit auf dem Programm…