IT-Systeme dürfen nicht ausfallen – unter dieser Vorgabe punkten die IBM POWER-basierten Systeme sozusagen per Definition. Doch bei sehr hohen Anforderungen an die System- und Datenverfügbarkeit können spezielle HA-/DR-Technologien dafür sorgen, dass sich selbst extreme Anforderungen an Wiederherstellzeiten und minimale Ausfallzeiten erfüllen lassen. Im Interview mit dem Midrange Magazin (MM) erläutert Martin Rott, Geschäftsführer der BLUE Consult GmbH, welche Lösungsansätze zur Verfügung stehen und welche Anwendungsfälle nach High Availability (HA) bzw. Disaster Recovery-Lösungen (DR) verlangen.

MM: HA/DR ist kein neues Thema. Warum sollten sich die POWER-Anwender weiterhin damit beschäftigen?

Rott: Die Anforderungen an die Datenverfügbarkeit haben sich in den letzten Jahre deutlich erhöht. Daraus resultieren viele wichtige zusätzliche Aufgabenstellungen für die IT-Abteilungen. Industrie 4.0 und DSGVO sind nur zwei Beispiel hierfür. Zwar wachsen Anzahl und Größe der Projekte in den IT-Abteilungen, nicht aber deren Mannschaftsstärke. Darum ist es umso wichtiger, dass Themen wie Hochverfügbarkeit und Desaster-Recovery einfach, zuverlässig und mit geringstmöglichem Aufwand realisiert werden können.

MM: Wie haben sich die Anforderungen der Endanwender in unserer „Always On“-Zeit und im Zuge der allseits proklamierten Digitalisierungswelle verändert?

Rott: Die Zeitfenster für eine valide Datensicherung gehen immer mehr gegen Null. Zudem müssen vermehrt auch angeschlossene Satellitensysteme betrachtet werden. Der Rechtsraum und Anforderungen durch verschiedene Partner erhöhen den Druck zusätzlich. Und nicht zu vergessen: Datensicherung ist ja nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig sind die Restore-Zeiten, speziell im Katastrophenfall. Welches Unternehmen kann es sich heute noch leisten, längere Zeit ohne funktionierende IT auszukommen?

Martin Rott (links) und Marc-Ivo Schubert (rechts), beides Geschäftsführer der BLUE Consult GmbH, sind überzeugt: „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.“ Quelle: Blue Consult

MM: Welche Lösungsansätze empfehlen sich aus Ihrer Sicht, um eine Steigerung der Verfügbarkeit sicherzustellen?

Rott: Wichtig ist, für die Anforderungen des jeweiligen Kunden geeignete Konzepte zu entwickeln. Grundsätzlich sind die Aufgabenstellungen zwar oft sehr ähnlich, aber selten genau gleich. Daher sind die Möglichkeiten der einfachen Hardware-Spiegelung ebenso in Betracht zu ziehen wie die Vorteile durch transaktionsgenaue Software-Datenbank-Replikation. Nur so kann man auf der einen Seite verschiedene unabhängige Platten-Clone erzeugen, um etwa vor größeren Software- oder Betriebssystem-Updates einen Wiederaufsatzpunkt zu haben bzw. Test-, Dev- und Q-Systeme schnell zu erzeugen. Auf der anderen Seite ist man mit einer Software-Replikation immer schnell in der Lage, im K-Fall mit geringen RTO-Werten umzuschalten.

MM: Welche Rolle fällt dem Faktor „Easy to use“ im administrativen Bereich zu?

Rott: Da die Lösung aus dem IBM i-Betriebssystem heraus gesteuert werden kann (nicht muss), ist die Integration in die Kundenumgebung sehr einfach zu realisieren. Monitoring, E-Mail-Notifikation und Managed Services-Angebote runden die Lösung ab. Unsere Managed Services-Angebote umfassen unter anderem die Betreuung der Datensicherungen, regelmäßige K-Fall-Übungen – simuliert bzw. täglich auf Basis einer Flash-Copy, die mit MiMiX synchronisiert wurde –, das Monitoring sowie eine (Teil-)Übernahme der Betriebsverantwortung.

MM: Für welche Budget-Größenordnungen lässt sich die Datenverfügbarkeit schon steigern?

Rott: Wir sehen die Budgetfrage eher als Frage nach einer Vollkasko-Versicherung, bei der es um die Höhe der Selbstbeteiligung geht. Wobei sich die Höhe der Selbstbeteiligung für ein Unternehmen aus dem Grad der Dringlichkeit für RTO und RPO ergibt: Es entstehen Kosten für den Einsatz von MiMiX4Flash (Sonder-Edition) und bcStorage-Manager, die Reduktion der Anzahl der DR-Clone (Flash-Copies), eine wesentliche Steigerung der Verfügbarkeit, valide Datensicherungen sowie ein einfacheres Handling.

MM: Wie sieht das Zusammenspiel von Basis-Tools mit Zusatzprodukten am Beispiel von IBM Flashcopy und bcStorageManager aus?

Rott: Wir haben uns vor knapp zwei Jahren entschieden, mit dem IBM i Software-Hochverfügbarkeitshersteller Vision Solutions (jetzt syncsort) eine Lösung zu designen, welche die Vorteile von MiMiX Availability, IBM Storage Flashcopy und dem BLUE Consult bcStorageManager in sich vereint. Die Idee war, die Vorteile der einzelnen Lösungen zu kumulieren, getreu dem Motto „die Stärken stärken und die Schwächen schwächen“. Hierbei sorgt der bcStorageManager für das aufeinander abgestimmte Zusammenspiel der jeweiligen Lösungen, also von IBM Storage, MiMiX, HMC, IBM i LPAR, BRMS und den Kundenanwendungen. Eine gemeinsam entwickelte Schnittstelle (API) in MiMiX4Flash und dem bcStorageManager4MiMiX definiert das Rollenverständnis für die über IBM-Flashcopy erzeugten Clone und die Verarbeitungsschritte vor und nach dem Flash. Wichtig ist: Der Kunde hat immer mindestens zwei auf Transaktionsebene synchrone Systeme. Je nach Kundenanforderungen können aber noch viele weitere Clone erzeugt und verwaltet werden, um zusätzliche Bedarfe zu decken.

MM: Welche spezifischen Vorteile ergeben sich aus einer derartigen Kombination?

Rott: Erhöhung der Verfügbarkeit, mehr Flexibilität im Bereich Datensicherung, schnelle Bereitstellung von Clonen für Test-, Dev- und Q-Systeme und – ganz wichtig – das alles ohne wesentliche Erhöhung der Komplexität.

MM: Wie geht man sinnvollerweise ein HA/DR-Projekt im POWER-Umfeld an, und welche Hilfestellung kann ein qualifiziertes Systemhaus dabei bieten?

Rott: Viele Unternehmen sind sich der Wichtigkeit einer System- und Datenverfügbarkeit durchaus bewusst, ohne bisher wirklich einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Dieses Bewusstsein ist nach unseren Erfahrungen aber oftmals auch geprägt von Unsicherheit, so dass der erste Schritt für ein Systemhaus nur sein kann, den Kunden an die Hand zu nehmen und mit ihm gemeinsam zunächst die für ein optimales Konzept erforderlichen Parameter zu erörtern. Es gibt keine Lösung von der Stange, die Anforderungen und Wünsche der Kunden sind individuell und entsprechend gilt es ein HA/DR-Projekt anzugehen. Dabei ist auch der Blick über den Tellerrand von großer Bedeutung, also über die POWER-Plattform und ggf. den Storage hinaus. Eine redundante Systemauslegung bringt dem Kunden wenig, wenn im Notfall beispielsweise kein Netzwerk oder bestimmte Dienste zur Verfügung stehen. Natürlich spielt hierbei auch das Budget eine Rolle, denn je höher die Anforderungen an eine Verfügbarkeitslösung sind, desto größer die Investition. Aber selbst eine kostengünstige Lösung ist besser als gar keine.

MM: Wie wichtig ist dabei eine Business-Impact-Analyse mit zusätzlicher Risikobewertung?

Rott: Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts. Demzufolge ist eine redundante System- und Datenhaltung schon mal eine gute Basis für die Minimierung des unternehmerischen Risikos. Vor allem für mittelständische Kunden stellt sich dies im Kontext mit einem schriftlich fixierten und permanent aktualisierten Notfallplan häufig als ausreichend dar. Die Business-Impact-Analyse als weiteres Puzzlestück eines ganzheitlichen Business-Continuity-Konzepts geht hier noch einen Schritt weiter und ist insbesondere für größere Unternehmen und Konzerne von großer Wichtigkeit. Hier genügt es oftmals nicht, sich ein zusätzliches POWER- und/oder Storage-System in ein zweites Rechenzentrum zu stellen, etwa mit dem beruhigenden Wissen, im Notfall innerhalb kürzester Zeit auf die Backupressourcen zugreifen zu können. Im Falle eines Falles müssen auch etablierte Unternehmensprozesse und -funktionen und demzufolge deren zugrundeliegende Ressourcen schnell und effizient wieder zur Verfügung stehen. Hier setzt die Business-Impact-Analyse an – sie erfasst detailliert die Prozesse sowie deren Abhängigkeiten, priorisiert sie und bewertet das jeweilige Risiko. Dies geschieht auch in Zusammenarbeit mit den einzelnen Fachabteilungen. Im Ergebnis fließen die Informationen in ein Gesamtkonzept mit vollumfänglicher Betrachtungsweise ein.

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