Die wirtschaftlichen Zeiten sind nicht gerade rosig, auch in den IT-Abteilungen wird der Rotstift angesetzt. Rational sind die Investitionsentscheidungen aber nicht immer – wie unter anderem die Thin Client-Marktzahlen belegen … Seit Jahren predigen die Auguren den Durchbruch der „dummen Terminals“: Sie seien kostengünstig in Anschaffung und Betrieb, Installation und Wartung und machten es den Administratoren vergleichsweise leicht: Gen Benutzer erhobene Zeigefinger in Sachen Fremdsoftware sind nicht nötig, deren Spieltrieb wird schon von der Hardware unterdrückt. Die Geräte verfügen weder über ein Disketten- noch über ein CD-ROM-Laufwerk, es besteht also auch keine Gefahr, sich durch diese Nebentüren Viren einzufangen oder Probleme mit Lizenzrechten für nicht unternehmenseigene Software zu bekommen.

Dummheit

Dass sich das Thin Client-Modell dennoch nicht so recht durchsetzen will, liegt vielleicht an dem Spitznamen der Client-Geräte, den „dummen Terminals“. Möglicherweise hängt der eher verhaltene Siegeszug aber auch mit der inflationären Verwendung des Begriffes TCO (Total Cost of Ownership) zusammen. Klar spielt der bei Investitionsentscheidungen eine Rolle – genauso wie „deutliche“ Preisreduzierungen im Einzelhandel. Beide Begriffe sind aber auch Interpretationssache, sonst könnten nicht derlei viele Hersteller mit ihnen werben. Werbewirksam und entscheidungsrelevant sind die TCO-Vorteile nicht wirklich, sonst hätte die IBM in Sachen AS/400- und iSeries-Sales einen ganz anderen Siegeszug für sich verbuchen können.

Wer die Vorteile seiner Thin Client-Projekte und -Produkte verdeutlichen will, muss also weiter ausholen, neben den TCO auch Einzelkosten aufführen, ins Details verzweigen. Der Gesamtrahmen der Projekte ist entscheidend, aber für den nehmen sich immer noch wenige CIOs und IT-Verantwortliche Zeit. Vielleicht liegt das schlicht an deren eigenem Spieltrieb, der PC ist jedenfalls weiterhin das beliebteste Desktop-Gerät und selbst die Notebook-Verkäufe toppen den Thin Client-Absatz um einen zweistelligen Faktor. Die gute Nachricht ist: Die TC-Verkaufszahlen steigen kontinuierlich, auch wenn die Analysten lange sehr unterschiedliche Wachstumsraten prognostiziert haben. Der eine glaubte die Millionengrenze schon in 1999 erreicht, der andere sagte sie für das Jahr 2000 voraus. Fakt ist, dass dieser Meilenstein erst in 2001 genommen wurde – rund 1,09 Millionen Einheiten gingen hier über den Tisch. Laut IDC sollte die Zahl der Enterprise Thin Clients im vergangenen Jahr immerhin schon 1,4 Millionen Stück erreichen.

Glänzend und solide

Wyse, Melchers, Igel, HP, eSeSIX – die Liste der Anbieter ist lang. Der Name IBM taucht nicht mehr auf, Big Blue hat sich in 2002 aus dem Terminalmarkt zurückgezogen. Eigentlich unverständlich, wo doch die Aussichten für den weltweiten Thin Client-Markt laut Bob O’Donnell, Research Direktor Gerätetechnologie bei IDC, glänzend und die Wachstumschancen weiterhin solide seien. Fast 30 Prozent Plus seien jeweils in den nächsten Jahren zu erwarten. Der Prognosezeitraum: Bis 2006.

Mehr als die Hälfte der in 2001 abgesetzten Thin Clients gingen in die USA, doch Westeuropa holt auf: 36,8 Prozent des Gesamtmarktes machten die Europäer in 2002 bereits aus. Dieser Markt ist fest in der Hand Windows-basierter Geräte, drei von vier
Devices nutzen dieses Betriebssystem. Eine deutliche Verschiebung ist laut IDC nicht in Sicht, bis 2006 bleibe dieser Anteil „relativ konsistent“. Trendthema im Thin Client-Markt sind LC-Displays. Auf die werde in Zukunft deutlich mehr Wert gelegt, so die Auguren.

Plus / Minus

Die Verkaufszahlen und die Funktionalitätsvielfalt steigen, bei den Preisen hingegen ist ein Abwärtstrend auszumachen. Wyse z.B. hat vor kurzem einen Thin Client für 299 Euro vorgestellt. Drahtlos und „dumm“ geht auch, das Unternehmen kündigte erst kürzlich einen Tablet Thin Client für den Wireless-Einsatz an. Auch die besonders im iSeries-Umfeld bekannten Firmen, darunter Melchers und IGEL, haben eine umfangreiche Produktpalette im Programm, die den unterschiedlichen Ansprüchen an günstiges, zuverlässiges und modernes Server Based Computing gerecht werden.

Weichen stellen

Ein Router ist ein digitaler, mit Software ausgestatteter Switch, der Daten von einem Computer zum anderen schickt. Der weltweite Markt für High-End Router (Service Provider Router, kurz SPR) erreichte im dritten Quartal 2002 laut Gartner ein Volumen von 445 Millionen US-Dollar, 10 Prozent weniger als noch in Q2. Unter SPRs verstehen die Gartners Geräte, die in der Lage sind, Multigigabit-Bandbreite für die Unterstützung von High Speed WAN Interfaces vorzuhalten. Diese Geräte werden vornehmlich von Carriern und ISPs eingesetzt, sind für die Installation in Netzwerkinfrastrukturen vorgesehen und unterstützen die Internet Protocol Suite. Die vergleichsweise schlechten Zahlen im dritten Quartal des letzten Jahres führt Gartner auf den Preisverfall durch verstärkten Wettbewerb um die bestehenden Budgets zurück. Außerdem hätten Service Provider Investitionen verschoben, weil sie auf Geräte der nächsten Generation warteten. Die Nachfrage nach Midrange- und Low-End-Routern hingegen stieg – um 1 Prozent, aber immerhin.

Den ersten Platz im weltweiten SPR-Markt hat weiterhin Cisco inne – vor Juniper, Redback, Nortel und anderen. In Q3 2002 hat das Unternehmen fast doppelt so viele Geräte abgesetzt wie der Zweitplazierte, auch im Hinblick auf die Umsatzzahlen liegt Cisco vorn. Nach Schätzungen von Gartner lag der Marktanteil des Netzwerkspezialisten im gleichen Zeitraum bei 62,5 Prozent. Auch 2003 bleibe „relatively flat“, so schätzen die Auguren, Erholung sei erst für 2004 zu erwarten.

Printer: good news – bad news

Die gute Nachricht vorweg: Im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum konnten die Hersteller von Print-Geräten im 3. Quartal 2002 die Anzahl der verkauften Einheiten erhöhen. 5,8 Prozent plus ermittelte die Gartner Group, die Verkaufszahlen stiegen auf mehr als 5,82 Millionen Stück. Der Preisdruck aber blieb, und so haben die Anbieter letztlich deutlich an Umsatz verloren – minus 11 Prozent hieß es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die Privatanwender pushen den Markt für Farbdrucker, in vielen Branchen sind Zusatzfunktionalitäten gefragt. Wer Besonderes sucht, wird in unserer Marktübersicht fündig – das gilt für Drucker wie für Router- und Thin Client-Technologie.