Bei der Wahl einer Identifikations- und Datenerfassungslösung stehen Logistik- und IT-Manager vor der Herausforderung, die unterschiedlichen Technologien am Markt richtig zu bewerten und das für sie am besten geeignete System zu finden.

Ziel einer solchen Investition ist es, Unternehmen einen deutlichen und langfristigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Zukunftsweisende Möglichkeiten verspricht die RFID-Technologie: ein kleines Etikett voller Elektronik, an das große Erwartungen geknüpft werden. Doch auch der Barcode hat in den vergangenen Jahren immer wieder Fürsprecher gewonnen. Wer vor einer Umrüstungsentscheidung steht, sollte die Vor- und Nachteile der Technologien sorgfältig abwägen.

Seinen Fortbestand verdankt der traditionelle Barcode vor allem den Innovationen in der Lesetechnik. Dabei gibt es für das Auslesen zwei grundsätzlich verschiedene Verfahren: Laser und Imaging. Laserscanner „beschießen“ den Barcode mit ihrem Strahl. Je nachdem, ob das Licht reflektiert wird oder nicht, lässt sich eine Information auslesen. Der wichtigste Vorteil der Lasertechnologie besteht darin, dass Barcodes auch über sehr große Distanzen gemessen werden können. Der Nachteil ist allerdings die beschränkte Lebensdauer: Im Inneren des Scanners arbeitet ein empfindlicher, mechanisch bewegter Spiegel, der die Reflektionen des Laserstrahls einfängt, aber leicht zerbrechlich ist.

Lineare Imaging-Systeme basieren auf der CCD-Technologie. Sie nutzen das von einem Objekt ausgestrahlte Licht und wandeln es in ein decodierbares elektronisches Signal um. Dabei erfassen sie nur einen schmalen Teil des Barcodes in Form einer ein Pixel breiten Linie. So genannte 2D Imager oder Area Imager verwenden dagegen dasselbe Verfahren, wie man es von digitalen Kameras kennt. Die Imager erfassen den zu scannenden Code flächig durch das Abtasten einer Matrix. Ähnlich wie bei einem Sudoku-Puzzle werden dabei fehlende oder lückenhafte Informationen ergänzt. Ein integrierter Computer interpretiert das Bild des Barcodes und wandelt die Informationen um. Area Imager können alle Arten von 1D- und 2D-Barcodes lesen, Unterschriften erkennen oder Fotos aufnehmen. Zweidimensionale Barcodes wie der Data Matrix Code erlauben hierbei, bis zu 2.000 Zeichen zu erfassen, was viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten eröffnet.

Ein klarer Vorteil der Imager ist ihre Geschwindigkeit: Sie erfassen Daten um ein Vielfaches schneller als Lesegeräte, die mit Laser arbeiten. Imager sind darüber hinaus fehlertolerant. Lineare Imager erzielen auch bei schlecht lesbaren oder beschädigten Barcodes gute Ergebnisse, da sie in der Lage sind, den am besten lesbaren Teil eines Barcodes zu erkennen. Area Imager können auch „verdrehte“ Barcodes aus unterschiedlichen Winkeln heraus (also omnidirektional) lesen. Zudem enthalten Imager keine zerbrechlichen oder beweglichen Teile und eignen sich gut für den Einsatz in industriellen Umgebungen, beispielsweise in der Automobilindustrie.

RFID als Alternative?

Als Zukunftstechnologie in der Etikettierung werden RFID-Tags gehandelt, die in der Tat bestimmte Bereiche der Logistik revolutioniert haben. Ein RFID-Tag ist ein kleines Etikett, das einen Transponder enthält und auf einem Produkt oder Transportbehälter angebracht wird. RFID-Lesegeräte können diese Tags mittels Radiowellen anpeilen. Dabei wird unterschieden zwischen passiven Tags, die keine eingebaute Stromversorgung benötigen und aktiven Tags, die mit einer Batterie als Energiequelle ausgestattet sind. Der Hauptvorteil von RFID liegt darin, dass der Scanner sich nicht in unmittelbarer Nähe zum Tag befinden muss, um diesen zu lesen. So lassen sich auch mehrere Produkte gleichzeitig scannen. Fortschrittliche Tags verfügen zudem über einen wiederverwendbaren Speicher, der Funktionen ermöglicht, die einfache Barcodes nicht erbringen können. So lässt sich ein Produkt über die gesamte Wertschöpfungskette verfolgen, wobei bei jeder Station und schließlich beim Kunden entsprechende Informationen über die Einzelschritte gespeichert werden können. Weitere Beispiele sind die Integration in elek-tronische Produktsicherungen oder die Überwachung verderblicher Produkte.

Was kostet RFID?

Ein Hindernis für die Marktdurchdringung der RFID-Technologie sind die Kosten für die Tags, die sich für preiswerte Exemplare auf rund 30 Cent pro Stück belaufen. RFID-Tags, die mit Batterien ausgestattet sind, oder bei denen der Speicher gelöscht und wieder neu beschrieben werden kann, kosten um die zehn Euro pro Stück. Große, wenn auch einmalige Kostenfaktoren stellen zudem die Umrüstungskosten für neue Lesegeräte und die Investitionen in eine angepasste Logistikinfrastruktur dar.

Trotz aller Vorteile ist die RFID-Technologie noch mit einigen Tücken behaftet. So bereiten mitunter Produkte, die Metall oder Wasser enthalten, Leseschwierigkeiten. Ein Beispiel sind in Dosen abgefüllte Lebensmittel. Auch die Vertraulichkeit und Sicherheit von Daten bleibt ein Problem. Nicht in allen Fällen ist es aus Kapazitätsgründen möglich, die per RFID-Tag gespeicherten Daten sicher zu verschlüsseln. Folglich könnten auch Hacker auf die Daten zugreifen oder diese gar manipulieren.

Friedliche Koexistenz

Auch wenn RFID sich beständig weiterentwickelt, beide Technologien besitzen Vorteile in bestimmten Anwendungsszenarien. In der Fertigungsindustrie beispielsweise lässt sich Barcode mittels permanenter Verfahren wie Laser oder Ätzen direkt auf Bauteile aufbringen. Dieses so genannte Direct-Part-Marking wird u. a. in der Automobil‑, Luftfahrt- und Elektronikindustrie eingesetzt, wo die Teile im Fertigungsprozess besonders rauen Bedingungen unterliegen. So können diese über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg verfolgt und mittels spezieller Scanner erfasst werden. Dies erleichtert es, Sicherheits- und Garantiebestimmungen sowie weitere gesetzliche Anforderungen einzuhalten.

Durch den langjährigen Einsatz von Barcodes haben sich zudem Standards entwickelt, die einen zuverlässigen und systemübergreifenden Einsatz garantieren. Barcodes überzeugen durch ihre Speicherkapazität, Flexibilität und die Möglichkeit, frühere Investitionen in die IT-Infrastruktur optimal auszuschöpfen. Mit der sicheren Anbindung an Host-Systeme sorgen Barcodes für einen reibungslosen Datenaustausch mit geringer Fehlerquote.

RFID stellt insbesondere dann seine Vorzüge unser Beweis, wenn größere Ladungen als Ganzes verfolgt werden müssen. Ebenso lohnt sich die Verwendung von RFID-Tags bei wiederverwertbaren Gütern wie Gasbehältern. Auch die Kennzeichnung großer Paletten und Boxen mit Zusatzinformationen wie dem Haltbarkeitsdatum hat durchaus Vorteile für die Lagerung und den Transport. Bei kurzlebigen, kleinteiligen Transportelementen wie Joghurtbechern wird sich RFID angesichts der Kosten dagegen wohl nicht durchsetzen können. Der Wettlauf um das beste System bleibt spannend und wird noch viele Innovationen auf dem Gebiet der Etikettierung hervorbringen.

Honeywell GmbH, Puchheim
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