Seit Domino für iSeries Release 6.0.3 bzw. Release 6.5.0 ist es möglich, mehrere Domino-Versionen gleichzeitig auf einem System (beziehungsweise in derselben logischen Partition) zu betreiben. Das bedeutet: Sie können gleichzeitig einen oder mehrere Domino-6.0.3- und Domino-6.5.0-Server parallel fahren. Diese Funktion wird selbstverständlich auch für zukünftige Releases von Domino verfügbar sein, so dass im Laufe der Zeit jegliche Kombination aus multiversionsfähigen Domino Releases auf einem System existieren können – zum Beispiel Domino 6.0.3, Domino 6.0.4, Domino 6.5.0 und Domino 6.5.1.

Multiversionsfähige Domino Releases

Unter einem multiversionsfähigen Domino Release versteht man alle Domino (Maintenance) Releases, die diese Funktion unterstützen. Die ersten Releases sind – wie bereits erwähnt – 6.0.3 und 6.5. Alle zukünftigen Maintenance Releases (MR) dieser und kommender Domino Releases werden multiversionsfähig sein. Leider gibt es keine Multiversions-Unterstützung für Domino R5.x; es ist auch nicht geplant, noch kommende Domino R5 Releases multiversionsfähig zu machen.

Neue Domino-Implementierung auf der iSeries

Die Implementierung von Domino auf der iSeries musste für den Multiversioning Support komplett geändert werden. Domino R5 und alle Domino 6.0.x Releases – vor 6.0.3/6.5.0 – sind so implementiert, dass der Programmcode sowie Befehle, Panel Groups usw. für Domino in der Bibliothek QNOTES sowie im integrierten Filesystem (IFS) der iSeries im Programmpfad /QIBM/ProdData/LOTUS/NOTES gespeichert sind. Um nun mehrere Versionen von Domino in einer LPAR betreiben zu können, musste dieses Konzept geändert werden. Zukünftig wird in der Bibliothek QNOTES nur noch „Basiscode“ gespeichert werden. Der Programmcode für das jeweilige Domino MR wird dann in der Bibliothek QDOMINO6xx gespeichert (zum Beispiel QDOMINO603 und QDOMINO650). Zudem wird es im IFS verschiedene /QIBM/ProdData/LOTUS/DOMINO6xx/-Verzeichnisse geben.

Auch wenn Sie zukünftig immer nur ein Domino Release auf Ihrer Maschine betreiben werden und nicht mehrere Releases gleichzeitig, so müssen Sie diese neue Bibliotheks- und Pfadstruktur bei Ihrem Sicherungskonzept berücksichtigen.

Installation von multiversionsfähigen Domino Releases

Aufgrund der veränderten Bibliotheks- und Verzeichnisstruktur kann sich gegebenenfalls auch die Installationsprozedur ändern. Keine Änderung werden Sie sehen, wenn Sie mit dem Befehl LODRUN oder mit Hilfe des Installshields installieren. Bei Nutzung dieser Installations-Tools ist sichergestellt, dass der gesamte benötigte Code installiert wird.

Anders sieht es aus, wenn Sie Domino über Savefiles mit dem Befehl RSTLICPGM installieren. Hier gibt es bei Domino 6 bisher lediglich die Optionen *BASE und 1. Die Installation von *BASE erzeugte das QNOTES-Benutzerprofil. Der gesamte Programmcode wurde in die Bibliothek QNOTES sowie die Domino-Verzeichnisse im IFS kopiert. Die Option 1 installierte das C API Toolkit.

Bei multiversionsfähigen Domino Releases wird der Programmcode jedoch in die Bibliothek QDOMINO6xx installiert; in QNOTES finden sich nur noch einige Basisfunktionen. Das bedeutet, dass zukünftig zusätzlich zu *BASE und Option 1 auch noch eine Option für den jeweiligen Release-Code installiert werden muss. Dieser Release-Code wird in einer Savefile namens QNOTESREL zur Verfügung gestellt. Zu beachten ist, dass pro Release eine andere Option installiert werden muss. Um welche Option es sich handelt, erfahren Sie aus der jeweiligen Readme-Datei. Bei Domino 6.0.3 ist es zum Beispiel die Option 13, bei Domino 6.5.0 ist es die Option 10. Bitte beachten Sie dies auch, wenn Sie ein selbstgeschriebenes Programm zur Installation verwenden, zum Beispiel um ferne Standorte zu installieren. Ein solches Installationsprogramm muss also für jedes neue Domino Release geändert werden.


Lizenzprogramm installieren – Installation von Option 10 für Domino 6.5.0

Zu beachten ist weiterhin, dass Domino 6.5.x eine neue Lizenzprogrammnummer erhalten hat, 5733-L65, während Domino 6.0.x MRs die Programmnummer 5733-LD6 verwendet.

Erste Installation eines multiversionsfähigen Release

Für die erste Installation eines multiversionsfähigen Domino Release müssen – wie bisher auch – alle existierenden Domino-Server beendet werden. Danach wird der Programmcode installiert. Hier sind die zuvor beschriebenen Änderungen der Bibliotheks- und IFS-Verzeichnisstruktur zu beachten. Beim Neustart der Domino-Server – nach der Software-Installation – werden die bestehenden Server automatisch auf das neue, multiversionsfähige Release geändert. Selbstverständlich sollten bestehende Domino-Server vor dem Update gesichert werden.

Installation weiterer multiversionsfähiger Releases

Nach der Installation des ersten mulitversionsfähigen Release können weitere multiversionsfähige Releases in beliebiger Reihenfolge und Release-Mixes hinzugefügt werden. Für die Installation zusätzlicher multiversionsfähiger Releases müssen bestehende Domino Server nicht beendet werden. Es findet kein automatisches Update auf ein neues Release statt, da ja der Domino-Code in der Bibliothek QNOTES nicht mehr – wie bisher – überschrieben wird, sondern eine neue Bibliothek mit dem neuen Programmcode angelegt wird. Lediglich der Basiscode, der sich in QNOTES befindet, wird mit dem neuen Release-Code überschrieben. Hierbei handelt es sich um Befehle, Panel Groups und Message Files. Es wird jeweils sichergestellt, dass zum Beispiel der Befehl STRDOMSVR des neuen Release auch für die anderen installierten (unterstützten) Domino Releases funktioniert. Des Weiteren befindet sich der zu einem Release gehörende entsprechende Befehl auch noch in der jeweiligen Programmbibliothek (zum Beispiel QDOMINO630). Das bedeutet, dass bei der Installation eines „höheren“ Domino Release jeweils die Domino-Befehle in QNOTES und QSYS durch das „höchste“ Domino Release ersetzt werden. Auf Release-spezifische Befehle kann aber immer noch qualifiziert zugegriffen werden.


Display Installed Licensed Programs – Domino Releases 6.0.3 und 6.5.0

Domino Server Update

Wie zuvor erwähnt, müssen Domino-Server für die Installation eines neuen Release nicht mehr beendet werden. Domino Server können dann zu jedem gewünschten Zeitpunkt mit Hilfe des neuen Befehls Update Domino Server (UPDDOMSVR) auf ein anderes Release angehoben werden. Für das Update des Domino-Servers auf ein neues Release muss der Server jedoch nach wie vor beendet werden.

Löschen von nicht mehr benötigten Domino Releases

Sind alle Domino-Server auf neuere Releases migriert worden und benötigen Sie eine bestimmte Domino Version nicht mehr, muss diese Version explizit vom System gelöscht werden. Das trifft auch dann zu, wenn Sie den Multiversions-Support in Domino gar nicht nutzen möchten, also weiterhin immer nur eine Domino-Version auf Ihrem System betreiben wollen. Durch die neue Verzeichnis- und Bibliotheksstruktur haben Sie nach Installation von neuen Releases immer mehrere Domino-Versionen auf Ihrem System. Eine Domino-Version kann nur dann gelöscht werden, wenn keine Domino-Server aktiv sind, die diese Version nutzen. Sind Domino-Server einer bestimmten Version auf einem System vorhanden, die Version aber gelöscht wurde, können diese Server nicht mehr gestartet werden. Ein neuer Status (*UNAVAIL) zeigt dies an. Um diese Server weiterhin zu nutzen, muss entweder der entsprechende Release-Code wieder installiert werden oder die Domino-Server werden auf ein höheres, installiertes Domino Release migriert.

Wird die „höchste“ installierte Domino-Version gelöscht, so wird auch der Basiscode in der Bibliothek QNOTES gelöscht und durch das Release ersetzt. Das ist dann das höchste installierte Release.

Änderungen bei Domino-Befehlen und im Menü „Work with Domino Servers“
Wie bereits erwähnt, werden Domino-Befehle automatisch in der höchsten installierten Domino-Version ausgeführt, es sei denn, der Befehl wird qualifiziert für eine bestimmte Domino-Version aus der entsprechenden Bibliothek aufgerufen.

• WRKDOMSVR: Zeigt alle konfigurierten Domino-Server, deren Release und Bibliothek an. Alle Optionen des Befehls können für jedes installierte Release genutzt werden. Die Option 2 (Change Server) kann jedoch nur dann aufgerufen werden, wenn das entsprechende Domino Release installiert ist. Option 2 greift automatisch auf den CHGDOMSVR-Befehl in der Programmbibliothek des jeweiligen Release zu, ohne dass der Benutzer dies spezifizieren muss.


Work with Domino Servers – Domino Release und Bibliothek

• CFGDOMSVR: Domino-Server können für jedes installierte Release neu konfiguriert werden. Wird der Befehl CFGDOMSVR ohne Bibliotheksangabe aufgerufen, wird automatisch ein Domino-Server im höchsten installierten Release konfiguriert. Soll ein Domino-Server für eine niedrigere Version konfiguriert werden, muss der Befehl CFGDOMSVR qualifiziert – sprich mit Bibliotheksangabe – aufgerufen werden (zum Beispiel: DOMINO603/CFGDOMSVR OPTION(*ADD)).

Wird die OPTION(*REMOVE) beim CFGDOMSVR-Befehl angegeben, um einen Domino-Server zu löschen, so muss keine Bibliothek angegeben werden. Das heißt: *REMOVE funktioniert immer mit dem CFGDOMSVR-Befehl des höchsten installierten Release.

• CHGDOMSVR: Wird der Change Domino-Server-Befehl aufgerufen, überprüft das System, welchen Release-Stand der Server hat. Es wird dann jeweils der CHGDOMSVR-Befehl aus der entsprechenden Release-Bibliothek genutzt. Der Benutzer muss dies jedoch nicht explizit angeben. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass das entsprechende Release auf dem System installiert ist.

• UPDDOMSVR: Wie bereits erwähnt, erlaubt dieser neue Befehl das Update von bestehenden Domino-Servern auf jede beliebige, höhere installierte Domino-Version (Downgrade auf niedrigere Releases ist jedoch nicht möglich). Das heißt: Es gibt einen Befehlsparameter (TORLS), der die Spezifikation des gewünschten Domino Release ermöglicht – zum Beispiel TORLS(*LATEST) oder TORLS(‚6.5.0‘). Es können alle Domino-Server gleichzeitig (UPDDOMSVR SERVER(*ALL)), einzelne Domino-Server individuell oder mehrere Domino-Server zur gleichen Zeit auf ein höheres Release gebracht werden.

• STRDOMSVR, ENDDOMSVR, SAVDOMBRM usw. funktionieren jeweils in der höchsten installierten Domino-Version für alle installierten Releases.

iSeries Navigator

Die neuen Funktionen, zum Beispiel einen Domino-Server für ein bestimmtes Release zu erstellen, sind im iSeries Navigator noch nicht verfügbar. iSeries Navigator greift jeweils auf die Befehle in QSYS/QNOTES durch und nutzt daher immer die Befehlsversionen des höchsten installierten Domino Release.

Vorteile

• Höhere Verfügbarkeit: Bei der Installation von neuen Domino MRs und Releases können Domino-Server aktiv bleiben. Danach: Update per Befehl – pro Server. Das bedeutet kürzere Server Downtime. Und: Installation und Upgrade kann zeitlich unabhängig vorgenommen werden. Das heißt: Der Administrator kann während des Arbeitstages den neuen Code installieren. Abends oder am Wochenende, wenn wenige Mitarbeiter betroffen sind, werden die Domino-Server dann auf das neue Release angehoben. Dadurch entstehen auch geringere Administrationskosten.

• Testumgebung: für neue MRs/Releases ohne zusätzliche Hardware.
• Server-Konsolidierung: Wenn beispielsweise eine Server-Konsolidierung nicht möglich war, da die Mail-Server und der Domino.Doc-Server unterschiedliche Domino Releases benötigen, und wenn nun die beiden benötigten Domino Release multiversionsfähig sind, kann die Server-Konsolidierung stattfinden.

Was ist bei Anwendungen in einer Multiversioning-Umgebung zu beachten?

Wenn es sich um reine Domino-Anwendungen (sprich Domino-Datenbanken) handelt, werden diese Anwendungen genauso weiter funktionieren, als wenn ein neues, nicht-multiversionsfähiges Domino Release installiert werden würde. Anders kann es aussehen, wenn Sie Domino-Anwendungen mit festcodierten Pfadangaben einsetzen. Dies wird zwar generell nicht empfohlen, aber falls eine Anwendung einen festcodierten Programmpfad nutzt, muss der Entwickler sicherstellen, dass der richtige Programmpfad für das jeweilige Domino Server Release gesetzt ist. Es wird empfohlen, dass für Anwendungen die (ab Domino 5.0.12 und 6.0.1) verfügbaren Befehle und APIs genutzt werden – zum Beispiel:

• Set Domino Environment (SETDOMENV),
• Run Domino Command (RUNDOMCMD),
• Retrieve Domino Server Information API (QnninRtvDominoServerI),
• Set Domino Environment API QnninSetDominoEnv).

Ausführlichere Informationen zum Thema Anwendungen finden Sie in der mit Domino 6.0.3 und 6.5.0 ausgelieferten Dokumentation sowie im Application Development Guide (apdev400.pdf), erhältlich von der developerWorks: Lotus Documentation Library, siehe www.ibm.com/lotus/ldd/doc.

Was Multiversioning NICHT ist

• Kein Ersatz für LPAR: Nach wie vor greifen alle Domino-Server auf dieselben OS/400-Funktionen und -Werte zu. Zum Beispiel gibt es nur ein Benutzerprofil QNOTES (mit entsprechenden Locale Settings – wichtig für verschiedene Sprachversionen), TCP/IP-Konfiguration usw.; die Systemwerte (QTIME, etc) sind dieselben.

• Es ist nicht möglich, Domino R5 und Domino 6 (und höher) gleichzeitig auf einem System (in einer LPAR) zu betreiben.
• Nicht erforderlich, wenn Sie nur eine Solo-Installation vornehmen wollen: Das heißt, Sie können nach wie vor immer nur ein Release von Domino auf Ihrem System betreiben. Es müssen jedoch die zuvor beschriebenen Änderungen bei der (De-)Installation beachtet werden.

Ab Dezember finden Sie auf der IBM-Website www.redbooks.ibm.com die entsprechende Dokumentation unter der Red Book Form-Nr. SG24-6490.

Autoren: Birgit Röhm, IBM System Sales, iSeries Technical Support, broehm@de.ibm.com und George Romano, IBM Rochester, Multiversioning Architekt.

IBM Deutschland GmbH

D-85737 Ismaning

Telefon: (+49) 089/9603-2000

www.lotus.de