Applikationen aller Art mit einem kleinen ’m’ vor dem großen Geschäft waren einst angetreten, um den Usern völlige Ortsunabhängigkeit zu verschaffen. Mittlerweile sind auch die unterschiedlichsten Endgeräte für die mobile IT-Welt vorhanden, und es mangelt zudem nicht an interessanten Anwendungsgebieten. Kein Wunder also, dass dem ’mCommerce’ eine respektable Wachstumsprognose gestellt wird. Merke: Nicht alles, was piepst, muss gleich ein Vogel sein. Und schon gar nicht muss es sich bei allem, dem ein ’m’ voransteht, notwendigerweise um eine mCommerce-Applikation handeln. So sind hierunter keinesfalls solche Systeme zu subsumieren, die automatisiert via SMS bloße Warnmeldungen verschicken, wenn beispielsweise der Server nicht mehr ansprechbar ist oder das Kreditlimit des Kunden zuvor definierte Grenzen überschreitet. Gleiches gilt sicherlich auch für durchaus pfiffige Spielereien – wie das Bedienen von Getränkeautomaten oder ähnlichem über die iSeries: Hier ließe sich allenfalls die Mobilität bejahen, vom Commerce-Aspekt fehlt jedoch jede Spur.

Ohne Interaktion kein mCommerce

Vielmehr geht es im Mobile Commerce darum, über die geeigneten mobilen Endgeräte die ortsunabhängige Interaktion mit Applikationen zu ermöglichen, also Daten drahtlos abzurufen, lokal zu bearbeiten und möglichst replikationsfrei zurückzuschreiben. Letzteres deshalb, weil das Replizieren von Datenbanken mit der damit verbundenen Redundanz und Fehleranfälligkeit in unsere zunehmend mobilere Geschäftswelt ganz einfach nicht mehr passt. Und was kann schon genauer, zuverlässiger und effizienter sein, als lokal, remote oder eben auch wireless auf einen gemeinsamen Datenbestand zuzugreifen?

UMTS verliert Zünglein-Rolle

Wer dieses Ziel vor Augen hat, muss sich ganz zwangsläufig mit dem Thema Bandbreiten auseinandersetzen. Lange Zeit heiß diskutiert wegen der viel versprechend hohen Übertragungsraten war UMTS (Universal Mobile Telecommunications System), verschrien sozusagen als dezidierte Initialzündung für das nahende mCommerce-Zeitalter. Mit großen Vorschusslorbeeren bedacht und einem gigantischen Lizenzvolumen über den Auktionstisch gegangen, funktioniert der ’Mobilfunk der dritten Generation’ mit der respektablen Schlagzahl von zwei Megabit pro Sekunde bislang allerdings nur im Feldtest, eine flächendeckende Ausweitung hingegen ist noch immer schiere Utopie.

Freies Breitband für alle

Wer heute mCommerce betreiben will, benötigt aber schon jetzt die entsprechende technologische Infrastruktur. Als Alternative locken insbesondere in Ballungsgebieten die kostenlos nutzbaren Funknetze. So dürfen die Betreiber der so genannten Wireless Local Area Networks (WLAN) lizenzfrei einen weiteren Frequenzbereich benutzen, der zuvor Satellitendiensten zugeteilt war. Durch die von der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) genehmigte Datenübertragung in diesem 5-Gigahertz-Band erreicht die WLAN-Technik, gemessen an der Geschwindigkeit, in der Daten übertragen werden können, ungefähr die 25-fache Leistungsstärke von UMTS.

Intelligente Konfektionierung

Wer sich hingegen noch im Umfeld des GPRS- (General Packet Radio Service-) Standards bewegt, kommt nur mit einem äußerst geschickten Datenmanagement weiter, das die transportierten Inhalte deutlich schlanker abzubilden hilft. Im Idealfall könnte das System zum Beispiel erkennen, welches Endgerät der Anwender gerade einsetzt, und die Kommunikation entsprechend aufbauen. Für das Handy müssten dann beispielsweise die Grafiken entfallen, beim PDA ließen sich komprimierte Grafiken einbinden, und lediglich der Notebook-User könnte die Daten eins zu eins dargestellt bekommen. Bei der Einbindung von Mobile Devices fühlt man sich insofern an die Zeiten sündhaft teurer RAM-Speichersteine erinnert, die allein schon aus Hardware-Kostengründen eine wesentlich effizientere Programmierung erforderten als das heute der Fall ist. (Platz)-Not macht nun mal erfinderisch.

Anwendungen für den mCommerce

Aber werfen wir einen Blick auf die Anwendungsseite: Die Arbeitswelt befindet sich in einem dynamischen Wandel, der die Geschäftsprozesse zunehmend die Unternehmensgrenzen überschreiten lässt. Unter den Enterprise Resource Planning- (ERP-) Lösungen gibt es konsequenterweise zahlreiche Ansätze und auch interessante Beispiele für die sinnvolle Umsetzung von mCommerce. Dabei gelten – um nur zwei Bereiche exemplarisch herauszustellen – für Warenwirtschafts- und Supply Chain Management-Lösungen gleichermaßen die Erfordernisse von Dialogfähigkeit und technologischer Möglichkeit, die gesamte Funktionalität in adäquater Weise drahtlos abzubilden. Besonders Außendienstmitarbeiter im Verkauf oder Servicetechniker profitieren von solchen Lösungen. Gerade hier zeigt sich ganz besonders der Vormarsch ortsunabhängiger Anwendungen, da diese nicht nur konkreten Nutzen stiften, sondern sich auch einbinden lassen, ohne bestehende Abläufe zu beeinträchtigen.

Vom Automobilclub bis zur Telekom Austria

So wickelt einer der größten europäischen Automobilclubs seine Schadensbesichtigung mittlerweile mit so genannten Tablet PCs ab: Dank WLAN-Connectivity können die Techniker bereits vor Ort Kostenvoranschläge direkt nach Eingabe der Schäden erstellen, und zwar völlig ohne Einbeziehung des Offices. Ein anderes anschauliches Beispiel: Ganze 1.300 iPAQs von HP setzt inzwischen die Telekom Austria ein. Die Mitarbeiter im technischen Kundendienst des Kommunikationsriesen wickeln damit täglich etwa 5.000 Aufträge ab, wobei das kabellose System beispielsweise die Auftragsverteilung und Terminplanung für die freien Techniker automatisiert durchführt; die Techniker erhalten schließlich alle notwendigen Kundendaten über ihren iPAQ. Gespeichert wird aber nicht im Gerät, der Pocket PC dient lediglich als Zugang zu einer Web-Anwendung, wodurch das Gesamtsystem stets aktuell gehalten wird.

Mind your Business

Vor dem Hintergrund der interessanten Einsatzgebiete und verlockender Wachstumspotenziale wird deutlich, dass bereits mittelfristig kein ERP-Haus mehr daran vorbeikommen dürfte, sich im mCommerce nachhaltig zu positionieren. Da es im Zuge der Konsolidierungsphase jedoch wichtiger denn je geworden ist, sich auf sein hocheigenes Geschäft zu konzentrieren, sind die Anbieter gut beraten, das notwendige Spezialistenwissen samt dazugehöriger Technologie von Partnerseite her zu integrieren, so beispielsweise jene von Cisco Systems, um nur eine Hausnummer exemplarisch zu nennen. Denn längst lassen sich die ERP-Häuser nicht mehr ausschließlich nach dem aus eigenen Kräften entwickelten Portfolio bemessen, sondern nach der Summe des Outputs aus eigenen und integrierten fremden Produkten und Services. In diesem Sinne: Viel Vergnügen bei der Lektüre Ihres Midrange Magazins.

M.W.