Spätestens seit dem Re-Branding der verschiedenen IBM Serverlinien ist klar, wohin die Reise gehen soll: Irgendwann wird es nur noch eine Plattform für sämtliche Business-Anforderungen und -Applikationen geben. Welchen Namen dieser Alleskönner dann tragen soll, ist (noch) keinem IBM Verantwortlichen zu entlocken. Die Zeichen für ein Fortbestehen der iSeries stehen allerdings gut. Buell G. Duncan, General Manager eServer iSeries IBM Server Group, sprach mit Michael Wirt über die aktuellen Strategien und Konsolidierungsgedanken sowie über kurz- und langfristige Ziele.

Michael Wirt:

Welche Strategie verfolgen Sie im Hinblick auf die Integration der iSeries, xSeries sowie der pSeries?

Buell G. Duncan:

Vorteil und Stärke von IBM ist es, dass unsere verschiedenen Geschäftsbereiche eng zusammenarbeiten. Und die eServer geben uns die Möglichkeit, die Technologie zu teilen. Sie geben uns auch die Chance, dass unsere Entwicklungsteams eng zusammenarbeiten können – was in der Vergangenheit so teilweise nicht gangbar war. Der am Markt wohl offensichtlichste Vorteil ist der, dass pSeries und iSeries heute fast ein und dasselbe System sind. Der eServer i890 und der eServer p690 sind quasi dasselbe System, nutzen schlicht unterschiedliche Betriebssystemumgebungen. Unsere Strategie ist es, die Technologien beider Systeme zusammenzubringen – nicht nur im Hinblick auf Hardware und Mikroprozessoren – sondern auch im Bereich Software. LPAR ist hier als Beispiel zu nennen, ebenso Datenbanken.

Der Vorteil der eServer ist der, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen dem iSeries-Zuhause Rochester und Raleigh, dem Heim der xSeries, möglich ist. Wir sind so in der Lage, dem Kunden Lösungen zu liefern, die ihm helfen, die Komplexität der verteilten Intel-Umgebungen zu managen – durch die direkte Anbindung der xSeries.

Michael Wirt:

Gilt das ebenfalls für die pSeries?

Buell G. Duncan:

Die pSeries ermöglicht noch keine direkte Anbindung. Es ist ja die Betriebssystemsoftware, es sind die Management-Möglichkeiten, die es OS/400 erlauben, die xSeries als Server zu managen, das System-Management zu übernehmen, sich um Sicherheit, Tape-Backup etc zu kümmern. In zwei Jahren, irgendwann in 2004, werden wir auch AIX auf der iSeries-Plattform anbieten. Es wird dort native laufen können.

In zwei Jahren wird die Hardware von iSeries und pSeries identisch sein. Was beide unterscheiden wird, ist die Betriebssystemumgebung. Die Kunden, die ausschließlich High Performance UNIX-Computing brauchen, werden die pSeries kaufen. Die Kunden, die Zuverlässigkeit, Integration und ein System wollen, das einfach zu bedienen ist, werden sich eine iSeries anschaffen. Aber die Hardware wird dieselbe sein.

Michael Wirt:

Welche Rolle nimmt Linux hier ein?

Buell G. Duncan:

Linux spielt aus zwei Gründen eine sehr wichtige Rolle, besonders für iSeries-Kunden. Der erste Grund sind die Konsolidierungsmöglichkeiten der iSeries im Bereich Partitionierung als einer sehr wichtigen Technologie. Diese Technologie ermöglicht es unseren Kunden, die Arbeitslasten, die heute möglicherweise außerhalb der iSeries laufen, Print- und Firewall-Applikationen, Linux-Applikationen, die heute auf verschiedene Systeme verteilt sind, auf einer Partition innerhalb der iSeries zu betreiben. Kunden können also von der Vorteilen des einfachen Managements und der Zuverlässigkeit der iSeries profitieren.

Michael Wirt:

Und die Plattform hat das gleiche Look & Feel wie OS/400?

Buell G. Duncan:

Es sieht aus und lässt sich bedienen wie OS/400, aber ich kann diese Linux-Applikationen auf derselben Plattform betreiben. Der zweite Vorteil von Linux ist, dass wir viele neue ISVs (Industry Solution Vendors) für die iSeries gewinnen können. Das ist ein sehr wichtiges Argument. Wir gewinnen ISVs wie SAGE, die ihre Applikationen auf Linux portiert haben, so dass sie nun auch auf der iSeries lauffähig sind. Symantec, ein sehr wichtiger Firewall-Anbieter, hat die Portierung auch fast abgeschlossen. Linux gibt unseren Kunden die Chance, ganz unterschiedliche Arten von Arbeitslast zu managen und macht die Portierung von bestehenden Applikationen auf die iSeries-Plattform deutlich schneller und einfacher.

Michael Wirt:

Und wo sind dann künftig die “alten” ERP-Anbieter positioniert, die ihre Software in RPG entwickelt haben?

Buell G. Duncan:

RPG ist natürlich eine Grundlage für das AS/400-Business. Ich glaube, dass die Anbieter und Business-Partner, deren Lösungen die geschäftlichen Anforderungen des Kunden erfüllen, auch weiterhin erfolgreich sein werden. Und dabei ist es unerheblich, in welcher Sprache diese Anwendungen geschrieben sind. RPG ist eine High Performance-Sprache, eine einfach zu bedienende dazu, und sie nimmt einen hohen Stellenwert ein. Aber unsere Kunden fragen mehr und mehr auch nach Alternativen wie Java, Domino oder Linux. Also binden wir auch diese Sprachen in unsere Strategien ein, schützen dabei aber die Investitionen unserer Kunden in Legacy-Applikationen.

Michael Wirt:

Die iSeries wird schneller und schneller und erreicht fast Mainframe- respektive zSeries-Geschwindigkeit. Gibt es Pläne, auch Mainframe-Applikationen (z.B. Assembler- oder PL1-Anwendungen) auf der iSeries verfügbar zu machen?

Buell G. Duncan:

Nicht mittelfristig. Was unsere Kunden erwarten können, ist eher eine gemeinsame Plattform bezogen auf pSeries and iSeries. Unsere längerfristige Strategie ist es – und wir sind überzeugt davon, dass eine Umsetzung möglich ist – alle Plattformen zu öffnen. Längerfristig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass bis dahin noch einige Jahre ins Land gehen. Aber wir arbeiten bereits daran.

Buell G. Duncan, General Manager eServer iSeries IBM Server Group

IBM Deutschland Informationssysteme GmbH

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